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Duderstadt: Beim Silvester-Feuerwerk ist Systemtechnik gefragt

Knallkörper mit Köpfchen Duderstadt: Beim Silvester-Feuerwerk ist Systemtechnik gefragt

Feinstaub, Verletzungsgefahr, Tierschutz, Brot statt Böller. Jahr für Jahr feuern Kritiker eine politisch-korrekte Breitseite gegen das Silvesterfeuerwerk ab. Die Masse lässt die Miesmacherei kalt. Das Brauchtum brummt, der Umsatz steigt. Auf 124 Millionen Euro schätzt der Verband der pyrotechnischen Industrie den Silvesterumsatz 2014/15, rund 34 Euro gibt jeder Bundesbürger für Böller aus. Die Eichsfelder bilden da keine Ausnahme.

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Im Edeka-Markt in der Duderstädter Feilenfabrik: Geschäftsführer Daniel Gotthardt am Feuerwerksverkaufstand.

Quelle: Richter

Eichsfeld. Trotz glatter Straßen haben sich vor der Lidl-Filiale in Gieboldehausen und anderen Discountern zum Verkaufsstart am Montag schon lange vor Ladenöffnung Menschentrauben gebildet.

Überwiegend sind es junge Männer, Jugendliche und Väter mit Kindern, die es auf Silvester-Schnäppchen abgesehen haben. Wirklich Neues gibt es kaum, das Ende der pyrotechnischen Fahnenstange scheint vorerst erreicht. Verfestigt hat sich der Trend zum Systemfeuerwerk, zu Effektbatterien und Verwandlungskometen, die klassischen Kracher wie Kanonenschläge und China-Böller sind auf dem Rückzug. Die meisten Feuerwerkfans mögen es lieber bunt als laut, lieber kompakt als kleinteilig.

„Der Trend zu Batterien hält an“, bestätigt Daniel Gotthard, Geschäftsführer des Edeka-Marktes in der Duderstädter Feilenfabrik: „Der Kunde hat mehr davon, es ist komfortabel, und es bleibt mehr Zeit zum Feiern.“ Auch für jugendfreie Knallkörper und Tischfeuerwerk gebe es – anders als in seiner Jugendzeit – inzwischen viele Varianten.

Im Edeka-Markt ist wie in den Vorjahren wieder  ein Verkaufsrondell aufgebaut, dessen Wühltische keine Wünsche offen lassen. Die Palette reicht von Wunderkerzen zu Cent-Beträgen über Familiensortimente mit Raketen und Beiwerk bis zum 80 Euro teuren „Blackout“ mit mehreren Systembatterien.

Die Schlange, die Kerstin Polle und Ines Niebelschütz bedienen, reißt nicht ab. Akribisch achten die beiden Verkäuferinnen auf Altersangaben. Selbst Bleigießen ist erst ab 14 Jahren drin.

„Kontrollieren können wir das allenfalls sporadisch“

Die Produktnamen in den  Discountern Lidl und Aldi sowie den meisten Einkaufsmärkten werden wie schon seit Jahren von effektheischerischen Anglizismen dominiert: Thunderstorm, Stardust, Fire Fantasy, Water World, Mystic Nights, Lost Paradise. Im Jahr des deutschen WM-Erfolgs  darf auch das Sortiment World Champion nicht fehlen, bei Netto hat man sich auf die Antike kapriziert.

Dort tragen die Knallkörper Namen wie Cerberus, Cleopatra und Caligula. Rewe orientiert sich an den unendlichen Weiten des Raums: Ein Raketenfächer heißt Space Walk, eine Effektbatterie Lost in Space.

Überschaubar sind die kleinen Feuerwerk-Verkaufsecken bei Rossmann und Markthalle in der Duderstädter Innenstadt. Die Kernstadt-Kunden, auf die man dort eingestellt ist, müssen sich ohnehin zurückhalten. Innerhalb des Walls darf schon seit vier Jahren nicht mehr gezündelt werden, das Verbot hat sich laut Einschätzung von Polizei und Stadtverwaltung eingespielt.

In der Samtgemeinde Gieboldehausen gibt es keine eigene Verbotsanordnung, laut niedersächsischem Sprengstoffgesetz ist aber das Abbrennen von Feuerwerk in unmittelbarer Nähe zu Fachwerkhäusern prinzipiell untersagt. Die „unmittelbare Nähe“ reicht von Wurfweite bei Böllern bis zum Sicherheitsabstand von 200 Metern für hochsteigende Raketen.

Demnach müsste es in den von Fachwerk geprägten Eichsfelder Dorfkernen in der Silvesternacht eigentlich zappenduster bleiben. An die rigiden Vorgaben halten sich aber nur wenige, eine Überprüfung in der Fläche ist kaum möglich. Das räumt auch Duderstadts Polizeichef Otto Moneke ein: „Kontrollieren können wir das allenfalls sporadisch.“

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©Richter