Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Duderstadt: Geldstrafe für nachlässigen Anwalt

Erklärungssuche vor Gericht Duderstadt: Geldstrafe für nachlässigen Anwalt

Duderstadt. Wegen geringer Schuld ist am Dienstag ein Verfahren wegen Untreue gegen einen Rechtsanwalt am Amtsgericht Duderstadt gegen Auflagen  eingestellt worden. Der 63-Jährige war angeklagt, weil er als Nachlassverwalter Geld nicht weitergeleitet hat. Deshalb muss er jetzt in drei Monatsraten 3000 Euro an das Duderstädter Tierheim zahlen.

Voriger Artikel
32. Bergdörfersingen bildet Rahmen für den 130. Geburtstag des MGV Fuhrbach
Nächster Artikel
B 27 nach schwerem Unfall stundenlang gesperrt

(Symbolfoto)

Quelle: dpa

Warum reagiert ein angesehener Duderstädter Anwalt nicht auf amtliche Schreiben? Warum zahlt er stattdessen lieber erheblich höhere Zwangsgelder als die Summen, um die es ging?  Und warum lässt er es auf ein Gerichtsverfahren ankommen, das ihm sichtlich peinlich ist? Diesen Fragen versuchte am Schöffengericht Richter Michael Pietzek nachzugehen. Befriedigend beantwortet werden konnten sie nicht.

Das Verfahren drehte sich um zwei Nachlassfälle, bei denen es keine direkten Erben gab, der Nachlass erkennbar überschuldet war und der Anwalt Regelungen für die Gläubiger finden wollte. In dem einen Fall hat der als Nachlassverwalter eingesetzte Anwalt nach längerer Zeit ein Motorrad aus dem Nachlass für 1550 Euro verkauft und das Geld nach seiner Abberufung nicht an seine Amtsnachfolger weitergegeben.

In dem anderen  Fall ging es um eine vor mehr als zehn Jahren von einer ehemaligen Betreuerin der Verstorbenen als Restgeld hinterlegte Summe von rund 2300 Euro. Zwischenzeitlich hatte sich eine Frau gemeldet, deren Mutter die Beerdigungskosten übernommen hatte.Auch hier ignorierte der gesundheitlich angeschlagene Anwalt Sachstandsanfragen und Zahlungsaufforderungen.

Seine Nachlässigkeit kann sich der 63-Jährige selbst nicht erklären, räumte aber ein, dass er private Probleme gehabt und deshalb nicht reagiert habe.

„Ich habe Fehler gemacht und habe es verpennt, das Geld weiterzugeben, aber nie daran gedacht, dass eine Vermögensgefährdung vorliegen könnte.“ Seiner Versicherung, dass er sich zu keinem Zeitpunkt persönlich bereichern oder jemandem einen Schaden zufügen wollte, schenkte das Gericht Glauben. Einen finanziellen Notstand gab es nicht.

„Warum haben Sie sich nicht gerührt, was hat Sie aus der Bahn geworfen?“, fragte Pietzek den Anwalt, von dem er ein derartiges Verhalten nicht kennt: „Bearbeiten Sie eingehende Post oder haben Sie kistenweise ungeöffnete Briefe?“ Das verneinte der 63-Jährige. Als Erklärung blieb nur, dass persönliche Probleme offenbar einen Stellenwert bekommen hatten, der zu unkorrekter Nachlässigkeit führte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Herbstfest in Rhumspringe

©Richter