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St. Servatius wird von Parasitenbefall befreit

Da ist der Wurm drin St. Servatius wird von Parasitenbefall befreit

„St. Servatius ist eine der schönsten Kirchen, die ich kenne“, sagt Frank Wagner. Und er kennt viele Kirchen im Landkreis. Im Auftrag der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover betreut der Architekt Restaurierungsarbeiten in Sakralgebäuden. Die Duderstädter Unterkirche habe ihn schon in der Zeit der Außenrestaurierung zwischen 2009 und 2012 fasziniert.

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Holzwurm und Schimmel im Kirchenboden: Restaurator Grünwald zeigt Schäden in der Unterbodenkonstruktion.

Quelle: NR

Duderstadt. Nun ist der Fußboden vor dem Altar an der Reihe. Holzwurm und Pilzbefall setzen dem 100 Jahre alten Parkett zu. Nachdem ein Großteil der gothischen Kirche mit barocker Inneneinrichtung im Sommer 1915 einem Brand zum Opfer fiel, wurde der hannoversche Bildhauer Karl Gundelach mit der neuen Holz-Einrichtung im Jugendstil beauftragt, die er 1917 fertigstellte. Altar, Kanzel, Lesepult, Wandverkleidung, Bänke und Anzeigetafeln harmonieren mit der spätgotischen Architektur des Gebäudes. Aus dem Barock konnten nur das Altarbild mit Jesus am Kreuz, zwei Christusfiguren und das Taufbecken vor dem Großbrand 1915 gerettet werden.

Restaurateur Veith Grünwald bespricht mit dem Tischlermeister Jörg König und dem Tischlergesellen Boris Juraschek die einzelnen Arbeitsschritte. „Der ganze Boden muss raus. Aber das unter Denkmalschutz stehende Parkett soll erhalten bleiben“, erklärt Grünwald, der sich auf die Restaurierung von Kirchengebäuden spezialisiert hat. Jedes Parkettstück wird nummeriert, und auf einer Zeichnung wird dokumentiert, wo es gelegen hat. Nach diesem Verlegeplan werden die von Wurm und Schimmel befreiten Parkettteile später wieder eingesetzt.

Das eigentliche Problem sei jedoch der Unterboden, denn hier sitzen Wurm und Schimmel hauptsächlich, sagt Grünwald. Vor 100 Jahren habe man ein weiches Laubholz als Unterboden eingebaut, „da nahm man, was gerade da war, und immerhin hat es ja auch 100 Jahre gehalten. Aber Weichholz ist eben ein gefundenes Fressen für den Wurm“, erklärt der Fachmann. Er hebt demonstrativ ein Brett der Unterbodenkonstruktion an, das in seinen Händen beinahe zerbröselt. Hier haben die Parasiten bereits ganze Arbeit geleistet. Ein komplett neuer Unterboden soll nun eingesetzt werden. Und auch der Schutt, den die Bauherren vor 100 Jahren als Füllstoff verwendet haben, muss abgetragen werden. „Es kann sein, dass sich hier Sporen der Schädlinge abgesetzt haben, deshalb muss die Schüttung erneuert werden“, erklärt Grünwald. In dem Schutt von 1915 befinden sich allerdings einige historische Relikte, die fein säuberlich aussortiert und in einer Kiste gesammelt werden. „Schätze werden wir wohl nicht finden, aber einige bunte Scherben der damaligen Fenster und wer weiß, was noch“, sagt Grünwald. Die Fundstücke sollen der Kirchengemeinde übergeben werden, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind.

Um den Holzwurm auch von Vertäfelungen und Kirchenbänken fernzuhalten, werde im gesamten Innenraum per Monitoring überprüft, wo weiterer Handlungsbedarf bestehe. „Natürlich spielt da auch immer das Geld eine Rolle. Allein für die Fußbodenrestaurierung und die Beseitigung von Schädlingsbefall hat die Landeskirche 35000 Euro veranschlagt“, sagt Wagner. Er hofft, bis März die Arbeiten in St. Servatius abgeschlossen zu haben.

Von Claudia Nachtwey

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