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"Duderstadt bleibt bunt" demonstriert weiter

Gegen Rechtsextremismus "Duderstadt bleibt bunt" demonstriert weiter

Die "Mahnwachen" des "Freundeskreises Thüringen / Niedersachsen" gehören der Vergangenheit an. Das Bündnis gegen Rechts hingegen hält fest an seinen Kundgebungen. "Wir machen weiter", gab Marion Höckelmann von "Duderstadt bleibt bunt" am Sonntag bekannt.

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Quelle: NR

Duderstadt. Vielleicht werde es nicht mehr in jeder Woche eine Kundgebung geben, erklärte Höckelmann vor rund 150 Teilnehmern, die nach Veranstalterangaben auf den Rathausvorplatz gekommen waren. Doch das Bündnis werde den Protest gegen rechtes Gedankengut aufrechterhalten und weiter für ein buntes, friedliches Duderstadt auf die Straße gehen.

Die Kundgebung am Sonntag stand im Zeichen des weiblichen Statements gegen Rechts. Doris Glahn, SPD-Ratsmitglied, zitierte eingangs Irmela Mensah-Schramm, die sich als "Politputze" bezeichne. Schramm gehe mit Fotoapparat, Bürsten, Lösungsmittel, Farben und Pinsel gegen Hassbotschaften an Brücken, Bushaltestellen und U-Bahn-Stationen vor und zerstöre diese. Die Trägerin des Göttinger Friedenspreises sagte: "Wir sind für das verantwortlich, was wir widerspruchslos hinnehmen." Der Rechtsextremismus sei nicht vorbei, auch wenn die "Mahnwachen" des "Freundeskreises" ausgesetzt seien, sagte Glahn. "Die Verbreitung von rechtem Gedankengut und ein Wachsen der rechten Szene erfordert ein Handeln wie das von Mensah-Schramm", forderte sie auf, dem Alltagsrassismus entgegenzuwirken.

Auf die jüngsten Geschehnisse in Clausnitz und Bautzen sowie die Verbreitung von Bürgerwehren ging die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta ein. Sie thematisierte auch, wie die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht beispielsweise von der Pegida genutzt würden, um "eine rassistische Stimmung gegen Flüchtlinge zu schüren." Es dürfe keinen Zweifel daran geben, dass die Gewalt gegen Frauen in Köln und anderen Städten ein neues Ausmaß dargestellt habe, und dass unter den Männergruppen auch Flüchtlinge gewesen seien. "Ungeachtet der Hautfarbe, der Herkunft und der Religion der Täter sind die gewalttätigen Übergriffe auf Frauen aufs Schärfste zu verurteilen." Zugleich begrüßte sie die geplante Reform des Sexualstrafrechts: "Es ist nicht zu verstehen, dass sogenanntes Begrapschen und Betatschen in Deutschland keine eigenständige Straftat ist." Gesetze allein genügten allerdings nicht. "Sexismus und vielfältige Diskriminierungsformen im Alltag sind der Nährboden für Gewalt."

"Selbsternannte Frauenbeschützer" nutzten die Vorkommnisse aus der Silvesternacht für ihre Zwecke, hätten aber mit Gleichberechtigung "wenig am Hut". Das Frauenbild der Rechtspopulisten, "übrigens auch von Frauen propagiert", reduziere die Frauen vor allem auf eines: "die Mutterrolle". "In deren Ideologien sind Frauen dazu bestimmt, Gebärerinnen des Nachwuchses für die ,Volksgemeinschaft' und das 'Vierte Reich' zu sein."

Andretta forderte, alle Menschen sollten sich, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion oder Lebensweise sicher fühlen können und vor Übergriffen geschützt werden, auf der Straße, Zuhause, bei der Arbeit und im Internet. "Das sind die Grundlagen einer freien, demokratischen Gesellschaft."

Gemeinsam zogen die Demonstrationsteilnehmer nach der Kundgebung am Rathaus in die Basilika zum Friedensgebet mit Pfarrer Reinhard Griesmayr und Pastorin Christina Abel. Gesang von Stefanie Kienberger-Fahlbusch geleitete die Teilnehmer der Bündnisdemo in die gut gefüllten Reihen der Kirche. "Schalom, Schalom", sang sie. Griesmayr ging unter anderem darauf ein, dass das erste Wort Jesu nach der Auferstehung "Der Friede sei mit Euch" gewesen sei. Doch der Friede falle nicht einfach vom Himmel. Pastorin Abel appellierte, nicht wegzuschauen, wenn es um Alltagsrassismus gehe. "Schweigen gilt nicht", sagte sie, "wenn Ideologie der Ungleichheit propagiert wird und Menschen einsortiert werden nach Rassen".

Am kommenden Sonntag soll das Thema "Flüchtlinge" im Mittelpunkt stehen.

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©Richter