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Stadtgeschichte soll ergänzt werden

Duderstadt sucht Zeitzeugen Stadtgeschichte soll ergänzt werden

Geschichtsschreibung ist keineswegs in Stein gemeißelt. Sie kann sich durch neue Erkenntnisse erweitern und Blickwinkel verändern. In Duderstadt werden Zeitzeugen und deren Nachkommen aufgefordert, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu ergänzen und damit Zeichen zu setzen.

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Amerikanischer Panzer am Westertor in Duderstadt, 9. April 1945.

Quelle: r

Duderstadt. Bereits vor 24 Jahren hatte der heutige Duderstädter Stadtarchivar Reinhard Fricke zusammen mit Hans-Heinrich Ebeling das Buch Duderstadt 1929 - 1949 verfasst. „Das war nach den damaligen Kenntnissen und uns zur Verfügung stehenden Quellen entstanden. Heute müssten wir einiges ergänzen oder umschreiben“, meint Fricke. Anlass zur Ergänzung gab unter anderem der Tageblatt-Artikel am 9. April 2015, der an den Einmarsch der Amerikaner in Duderstadt vor 70 Jahren erinnerte. Damals, am 9. April 1945, wurde Duderstadt nicht in Schutt und Asche gelegt wie viele andere Orte, die Widerstand bis zum letzten Mann leisteten. Dieser glimpfliche Ausgang war nach aktuellem Kenntnisstand dem besonnen und mutigen Vorgehen des letzten Duderstädter Kampfkommandanten Major Roman Link zu verdanken. Das belegen die handschriftlichen Aufzeichnungen des Majors, die durch weitere Zeitzeugenberichte bestätigt worden sind. Der heute in Hildesheim lebende Sohn des Majors, Siegfried Link, übergab der Stadt Duderstadt  die Aufzeichnungen seines Vaters, die nun die Stadtgeschichte ergänzen und Erklärungen liefern. Dass auch Zeitzeugen nur einen Auszug aus der Geschichte kennen, bestätigt Johannes Förster, der den Krieg als 16-Jähriger miterlebt hatte. „Die Hintergründe um die letzten Kriegstage in Duderstadt sind vielen erst nach dem Tageblatt-Artikel bekannt geworden“, sagte Förster. Zeitzeuge Erwin Fiedler hatte die Recherche zur Geschichte Roman Links angestoßen.

Hans-Georg Schwedhelm, Mitarbeiter der Duderstädter Geschichtswerkstatt, fordert, den Schwerpunkt der Recherche nicht nur auf die Suche nach Schuldigen zu legen, sondern auf den Bezug in die Gegenwart: „Die heutige Gesellschaft soll aus der Vergangenheit lernen, um sich von der damaligen Politik distanzieren.“ Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) verspricht: „Wir werden uns der Aufarbeitung weiter stellen.“ Er appelliert ebenso wie Stadtarchivar Fricke an die Eichsfelder, die Geschichtsschreibung weiterhin mit Zeitzeugenberichten, eigenen oder denen von Angehörigen, zu ergänzen. „Mit der Summe an Erinnerungsstücken malen wir das Bild, das wir für die Nachwelt erhalten können“, sagt Fricke.

Zeitzeugen gesucht

Das Duderstädter Stadtarchiv in der Christian-Blank-Straße 1 ist zu den Besuchszeiten montags und mittwochs von 9.30 Uhr bis 12.00 Uhr geöffnet. Weitere Termine gibt es nach Vereinbarung mit Stadtarchivar Reinhard Fricke. Telefonisch ist er auch außerhalb der Besuchszeiten unter 05527/2144 zu erreichen.

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©Richter