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Duderstädter Bundespolizei für Migranten in Passau im Einsatz

Menschliche Schicksale auf dem "Gelände Paul" Duderstädter Bundespolizei für Migranten in Passau im Einsatz

Die Duderstädter Bundespolizeiabteilung hat ihren traditionellen Begegnungsabend in diesem Jahr abgesagt. Durch den dauerhaften Migrationseinsatz der Abteilung in Süddeutschland sei die Organisation und Realisierung einer solchen Veranstaltung nicht möglich, bedauert Polizeidirektor Martin Kröger.

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Die Duderstädter Bundespolizeiabteilung hat ihren traditionellen Begegnungsabend in diesem Jahr abgesagt. Durch den dauerhaften Migrationseinsatz der Abteilung in Süddeutschland sei die Organisation und Realisierung einer solchen Veranstaltung nicht möglich, bedauert Polizeidirektor Martin Kröger.

Quelle: Wüstefeld

Duderstadt. "Seit dem 14. September sind durchgängig Kräfte aus Duderstadt in der so genannten Clearing-Stelle in Passau", erzählt der erste Polizeikommissar Michael Wille.

"Anfangs haben 90 Mitarbeiter ihren Dienst in Süddeutschland verrichtet, zurzeit sind dort 60 Beamte aus Duderstadt im Einsatz." Ihr Einsatzort ist das "Gelände Paul", ein großes Firmengelände mit drei Kraftfahrzeughallen, das nach dem ehemaligen Besitzer benannt wurde. "Hierher werden die Migranten von der Grenze gebracht", so Wille, "wo sie von uns erstversorgt werden."

Obwohl die beiden zu Aufenthaltshallen umgewandelten Gebäude Platz für 1200 und 300 Personen bieten, reiche die Kapazität bei weitem nicht aus, um die bis zu 8000 Menschen, die täglich in Deutschland ankommen, aufzunehmen. "Passau hat deshalb schon die Drei-Länder-Halle, die eigentlich als Veranstaltungsort für Konzerte dient und zahlreiche Sporthallen umfunktioniert und prüft ständig weitere Möglichkeiten", erklärt Wille.

"Die Clearing-Stelle schafft bis zu 450 Personen am Tag", berichtet Wille. "Deshalb kommen nur etwa zehn Prozent in die weitere Bearbeitung." Dazu zählen vor allem Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren. "Es ist ja auch zu bedenken, dass alle Migranten unerlaubt in das Land einreisen und damit gegen Paragraf 95 des Aufenthaltsgesetzes verstoßen", erklärt der Bundesbeamte. "Und damit müssten wir bei den mehreren Tausend Personen auch ebenso viele Strafanträge stellen."

Die Duderstädter Beamten sind jeweils für eine Woche im Einsatz im täglichen Zweischichten-Rhythmus. "Vor allem die psychische Belastung ist enorm", erzählt der erste Polizeikommissar Reiner Paschke, der mit Kollegen aus dem Stab in der Führungsstelle in München die Einsätze in Süddeutschland koordiniert.

"Die Kollegen erleben die Schicksale der Menschen hautnah. Das lässt einen nicht unberührt, wenn man die Kinder sieht, die seit zum Teil mehreren Wochen auf der Flucht sind. Für uns in Deutschland ist es eigentlich unvorstellbar, dass Kinder allein auf die Flucht geschickt werden." Deshalb sei es wichtig, den Menschen mit Respekt gegenüberzutreten.

"Wir erfahren dafür auch eine große Dankbarkeit, denn viele von ihnen haben in anderen Ländern auch schon ganz andere Erfahrungen mit der Polizei gemacht."Im Rahmen der Erstversorgung erhalten die Flüchtlinge zum Beispiel ein Verpflegungspaket. "Das beinhaltet einige Scheiben Weißbrot, Obst und einen Liter Wasser."

Dazu werden die Flüchtlinge mit fehlender Bekleidung versorgt. "Dazu können wir auf das Netzwerk "Passau verbindet" zurückgreifen. Darin sind rund 5000 Freiwillige organisiert, die uns bei der Ausgabe unterstützen."

Allerdings sind die Beamten in diesem besonderen Einsatz auch besonderen Gefahren ausgesetzt. "Durch den täglichen Kontakt mit den Migranten, besteht auch die Gefahr sich mit Krankheiten anzustecken", erklärt Paschke. Durch die lange Zeit auf der Flucht seien viele erkältet oder haben Grippe.

Hinzu kommen Windpocken, Krätze, Flöhe und auch offene Wunden, die es zu versorgen gilt. "Dadurch fallen auch immer wieder Beamte aus, weil sie sich bei den Migranten anstecken", erklärt Wille. "Doch trotz aller Probleme, die auftreten, ist die Motivation immer noch hoch."

Von Rüdiger Franke

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