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Duderstädter Demenztag: Fachleute diskutieren mit Angehörigen

Den Sack der Erinnerung nutzen Duderstädter Demenztag: Fachleute diskutieren mit Angehörigen

Häppchen gefällig? Die Besucher sollten gleich selbst erleben, was ein demenziell Erkrankter braucht, um mit Appetit zu essen. Handgerechte Kanapees, dazu Vitamin-Cocktails – beides fand bereits am Eingang der Fachschule für Altenpflege am Schützenring den Weg in die Mägen. Besser hätte man die etwa 150 Teilnehmer des ersten Demenztages kaum auf die Vorträge und Workshops einstimmen können.

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Ursula Sottong (links) referiert über Hilfen im Alltag.

Quelle: Richter

Duderstadt. Diese Anschaulichkeit prägte auch die Veranstaltungen und Fachvorträge. Die Ärztin für Allgemeinmedizin Ursula Sottong ermunterte die Angehörigen und Pflegenden dazu, sich in die Erkrankten hineinzuversetzen: Gut lesbare Uhren in jedem Zimmer, feste Plätze für Schlüssel und offene Garderoben, die sofort zeigen, wo die Jacke hingehängt werden muss, bringe Entspannung in den Alltag. Jede Änderung im Wohnumfeld erschwere dagegen die Orientierung, und schnell komme es zu einer Überversorgung der demenziell Veränderten, die so weiter abbauen. „Vielleicht weiß meine Mutter nicht mehr, wozu ein Löffel gut ist. Sie wird nicht von selbst anfangen, zu essen“, so Sottong. Gebe man der Dementen den Löffel in die Hand und setze man sich gegenüber, um mitzuessen, falle es ihr vielleicht wieder ein. „Die Fähigkeit ist im Sack der Erinnerungen gespeichert, wir müssen sie nur wecken“, sagt Sottong.

In diesem Speicher sind frühe Erinnerungen oder auch Jahreszeiten abgelegt. „Kaufen Sie keine Tulpen zur Weihnachtszeit“, rät Sottong den Zuhörenden. Wer das beachte, könne sich Jahreszeiten als Strukturgeber zunutze machen. „Deswegen ist es für uns Fachkräfte so wichtig, biografisch zu arbeiten und viel über unsere Klienten zu erfahren“, sagt Silke Dix. Die angehende Altenpflegerin im zweiten Ausbildungsjahr absolviert ihren Praxisanteil in einer Einrichtung in Breitenworbis. Sie nutzte den Fachtag zur Vertiefung: „Wunderbar, hier noch mal ganz andere Referenten zu erleben“, sagt sie. Angehörige und Fachleute seien beide auf Information angewiesen, so Jaqueline Haase von den Maltesern.

„Deswegen haben wir alle Interessierten eingeladen.“ Ein Konzept, das aufging. Die Referenten kamen zwischen den einzelnen Veranstaltungen mit Besuchern ins Gespräch: „Ich bin positiv überrascht vom hohen Niveau und der sehr professionellen Organisation“, sagt Jochen Gerd Hoffmann vom Malteser Krankenhaus St. Hildegardis in Köln. Er zeigte in seinem Vortrag über die verschiedenen Demenzformen auf, dass die Mediziner die Mechanismen der Erkrankung bisher noch nicht verstanden haben.

„Wir warten noch auf den Durchbruch“, so Hoffmann. Bis es soweit sei, komme den begleitenden Hilfen eine große Rolle zu, vor allem, weil so das Fortschreiten verlangsamt werden kann. Außerdem sei die Prävention sehr wichtig: „Risikofaktor ist alles, was den Fettstoffwechsel negativ beeinflusst. Wer auf seine Vitaminzufuhr achtet und sich vor allem viel bewegt, tut auch etwas gegen Demenz.“

Von Birgit Freudenthal

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