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Duderstädter Seniorinnen betreiben seit Jahrzehnten gemeinsam Yoga

„Wir nehmen es mit allen auf“ Duderstädter Seniorinnen betreiben seit Jahrzehnten gemeinsam Yoga

„Stellt euch vor, dass ihr als Kranich auf einem Felsvorsprung steht.“ Eigentlich keine sonderliche beruhigende Vorstellung, eher beängstigend. Doch die Stimmlage, mit der Annemarie Hug diese Worte vorträgt, ist so griffig, so sorglos, dass ihre Mitstreiterinnen Rita Fiedler und Anni Lenz umgehend tiefenentspannt die Kranich-Stellung einnehmen und dann „eiiiiinatmen, öffnen, ausatmen und schließen“.

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Verbringen seit mehr als 30 Jahren gemeinsame Yoga-Stunden: Anneliese Becker, Rita Fiedler, Anni Lenz und Annemarie Hug (v.l.).

Quelle: Schauenberg

Duderstadt. Auch für Anneliese Becker ist die Übung kein Problem. Obwohl sie zum ersten Mal seit einer zweijährigen Verletzungspause wieder mitmacht bei ihrer alten Yoga-Gruppe.

Alt ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Seit 45 Jahren gibt Hug Yoga-Kurse an der Kreisvolkshochschule Duderstadt. Vor 34 Jahren stieß Lenz als letzte der vier Freundinnen dazu. Die wöchentlichen gemeinsamen Übungen in der Gruppe mit Teilnehmerinnen zwischen 40 und 85 Jahren sind längst fester Lebensbestandteil für die rüstigen Seniorinnen. Aus unterschiedlichen Gründen hat das sympathische Quartett mit der indischen Entspannungskunst angefangen, und danach sind sie einfach „dabei geblieben“, betonen sie immer und immer wieder. „Die Entspannungsübungen und Dehnungen geben mir die innere Ruhe und lassen mich wohlfühlen“, erklärt Fiedler, und Lenz ergänzt: „Ich bin noch sehr beweglich, kann fast alle Übungen durchführen. Yoga hält fit in Körper und Geist.“

Und das ist vor allem bei Hug, der Grande Dame des Yogas im Eichsfeld, nicht zu übersehen. Die Yoga-Lehrerin, die jede Stunde akribisch vorbereitet, leitet nach wie vor vier Kurse an der KVHS. An ihren allerersten erinnert sie sich noch ganz genau. Das war 1970, und Yoga galt in ländlichen Gebieten als Christen-Verführung. „Viele hatten keine Ahnung und hielten Yoga für eine Sekte. Entsprechend aufgeregt war ich vor der ersten Stunde“, berichtet Hug, deren Tochter und Mann ebenfalls Yoga-Lehrer sind. Gut 20 Teilnehmer blickten der Duderstädterin damals auf dem Flur der KVHS – einen Raum bekamen die Sportlerinnen zunächst nicht – erst gespannt und anschließend entspannt ins Gesicht. „Nach der Stunde kam ein älterer Herr, der uns beobachtet hatte, auf mich zu, hat mich auf die Schulter geklopft und gesagt, ich hätte das klasse gemacht.“ Schon bald änderte sich der Eichsfelder Blickwinkel aufs Yoga. „Das lag auch an unseren Männern“, sagt Becker. Die freuten sich, dass ihre Frauen relaxt nach Hause kamen. „Uns konnte nach einer Stunde mit Annemarie nichts auf die Palme bringen.“, so Becker.

Dieser Umstand ist wohl auch den indischen Märchen und Lebensweisheiten, die Hug rezitiert, während ihre Schülerinnen „wie die Heringe“ auf ihren Matten liegen, geschuldet. Geistig und sportlich sind die „Yoga-Großmütter“ zusammen jung geblieben. „Wir nehmen es mit allen auf“, sagt Hug grinsend. Vor allem sind in den vergangenen vier Dekaden aber innige Beziehungen entstanden. So streichelt Becker zärtlich über Hugs Arm und sagt: „Ich bedanke mich bei dir für die schöne Zeit und dafür, dass du mich seit über 40 Jahren mit deiner Stimme beruhigen kannst.“

Von Rupert Fabig

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