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Duderstädter Stadtarchivar Dieter Wagner geht in den Ruhestand

Nach 32 Jahren Duderstädter Stadtarchivar Dieter Wagner geht in den Ruhestand

Tausende graue Pappkartons türmen sich in den Regal-Labyrinthen des Duderstädter Stadtarchivs. Ihr Inhalt umfasst die Arbeit der Stadtverwaltung vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Herr der Akten ist Stadtarchivar Dieter Wagner.

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„Das Duderstädter Stadtarchiv ist eines der besten in Niedersachsen.“ Wagner ist stolz auf den Schatz, den er seit Jahrzehnten hütet.

Quelle: Richter

Duderstadt. „Das Duderstädter Stadtarchiv ist eines der besten in Niedersachsen. Da es nie zerstört worden ist, sind die Rechnungsbücher der Stadt seit 1397 durchgehend erhalten“, sagt der gebürtige Eichsfelder mit einer Portion Stolz in der Stimme. Seit 1983 ist Wagner Stadtarchivar in Duderstadt, seit 2003 auch Kreisarchivar in Göttingen.

 
Nicht nur die alten Duderstädter Rechnungsbücher, auch Anträge, Listen, Briefe und historische Fotos geben ein Bild vom alltäglichen Leben, von einstigem Reichtum und dessen Zerfall, von Kriegsbesatzungen bis zur Grenzöffnung und den Schritten ins digitale Zeitalter. „Die Akten verraten einiges über die Schicksale der Menschen“, nennt Wagner einen Grund für sein Interesse an dem vermeintlich staubtrockenen Material. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1266. Darin wird bezeugt, dass Bruno von Berlingerode in den Deutschen Ritterorden eingetreten ist, um der Todesstrafe  zu entgehen. Er hatte einen Kontrahenten erschlagen. Das Siegel der Urkunde entspricht schon dem heutigen Stadtsiegel. Auch das erste Duderstädter Grundgesetz, die Albertinische Ordnung von 1525, ist im Original äußerst gut erhalten.

 
Mittelalterliche Lettern, lateinische Handschriften, barocke Schnörkel, verwischtes Sütterlin – Wagner liest jeden Text fließend vor und übersetzt die schwierigen Passagen gleich ins Hochdeutsch. „Das Erlernen der alten Schriften ist Voraussetzung für einen Archivar“, erklärt Wagner, der nach seinem Studium der Geschichte und Politikwissenschaften in Göttingen und Hannover die Archivschule in Marburg mit seinem Diplom abschloss. Doch nicht das Mittelalter, sondern vor allem die Militärgeschichte der jüngeren Vergangenheit läge in seinem persönlichen Interesse ganz weit vorn. „Das Spannungsgefühl bleibt für mich auch nach Jahren, wenn ich auf neue Fundstücke stoße“, beschreibt er seine Faszination für alte Unterlagen, die nicht nur aus der Stadtverwaltung, sondern manchmal aus privaten Quellen zur Verfügung gestellt werden.

 
Ende September wird Wagner dem Duderstädter Stadtarchiv jedoch den Rücken kehren und in Rente gehen. Bei einem Blick auf die Kartontürme fragt sich, wer sich dann hier zurechtfinden sollte. „Anhand der Fundbücher muss niemand lange suchen. Außerdem ist alles digitalisiert“, tröstet Wagner. In den Fundbüchern steht jeweils mit Stichworten und einer Nummer versehen, was in entsprechenden Kartons gelagert ist.

 
Auch im Kreisarchiv wird sich einiges ändern, da es im Rahmen der Kreisfusion im kommenden Jahr nach Osterode verlagert wird. Die Vorbereitungen für den Umzug laufen bereits. Für Wagner führt der Ruhestand zu neuem Tatendrang. „Ich komme endlich dazu, meine Doktorarbeit zu schreiben“, sagt er und weiß auch schon, worüber er schreiben wird: Die politische Geschichte der Stadt Duderstadt.

 

Von Claudia Nachtwey

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