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Duderstädter gedenken des Glockengusses

Vor 650 Jahren Duderstädter gedenken des Glockengusses

Vor 650 Jahren ist die erste Glocke der Duderstädter Basilika St. Cyriakus gegossen worden, die sich urkundlich nachweisen lässt. „Aus diesem Anlass erklingt am Sonntag, 18. Juni, um 16 Uhr das volle Geläut der Kirchen St. Cyriakus und St. Servatius“, kündigt Propst Bernd Galluschke an.

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Quelle: NR

Duderstadt. „Im Jahr des Herrn 1367 am Tag nach Fronleichman hat mich Johannes von Usleve, Bürger aus Erfurt, angefertigt.“ Das soll der Überlieferung nach auf der alten Glocke gestanden haben. Sie ging bei dem verheerenden Stadtbrand von 1852 verloren. „Damals ergriff das Feuer auch Turm und Dach von St. Cyriakus“, berichtet Duderstadts Ortsheimatpfleger Herbert Pfeiffer. Die 485 Jahre alte Glocke sei in der Hitze geschmolzen.

„Über den Handwerker Johannes von Usleve wissen wir sonst nichts“, ergänzt der Göttinger Glockensachverständige Andreas Philipp. In Erfurt hätten sich aus dieser Zeit keine Bürgerbücher erhalten, die weitere Informationen über den Handwerker bieten könnten. Es sei auch keine andere Glocke des Gießers bekannt. Ungewöhnlich sei, dass ein Erfurter für das Eichsfeld ein solches Instrument angefertigt habe. „Das hat es im Mittelalter in keinem anderen Fall gegeben“, betont Philipp.

Fehde

„Die erste urkundliche Erwähnung einer Glocke in Duderstadt, über deren Standort wir allerdings nichts wissen, gab es bereits 1361“, sagt Ortsheimatpfleger Pfeiffer. Sie hätte damals bewaffnete Bürger zu den Gildemeistern gerufen. Während einer Fehde seien Feinde auf die Stadt vorgerückt. „Glocken läuteten damals nicht nur zu kirchlichen Anlässen“, erläutert Pfeiffer. Die Städte hätten so bei Hochwasser, Bränden oder Überfällen Alarm geschlagen.

„650 Jahre sind für eine Glocke kein hohes Alter“, kommentiert der Sachverständige Philipp das Duderstädter Jubiläum. Im südlichen Niedersachsen hätten sich eine Reihe so alter Instrumente erhalten. So stamme die Stundenschlagglocke in der Göttinger Johanniskirche laut Inschrift aus dem Jahr 1348, eine Glocke von St. Marien aus dem Jahr 1359. Älter sei eine undatierte Glocke in Immingerode, die wahrscheinlich im 13. Jahrhundert gegossen worden sei. In Mingerode gebe es zwei Glocken ohne Inschrift, die aus der zweiten Häfte des 13. Jahrhunderts stammen könnten. „Damals hat sich die Glockenform herausgebildet, die sich bis heute kaum verändert hat: die gotische Rippe“, führt Philipp aus. Die meisten alten Glocken seien im Laufe der Jahrhunderte bei Bränden zerstört worden. Während der beiden Weltkriege hätte der Staat die Instrumente beschlagnahmt und eingeschmolzen.

Kriege

Das alte Geläut der gotischen Hallenkirche St. Cyriakus, die in der Zeit von 1240 bis 1490 errichtet wurde, bestand aus fünf Glocken. Historiker Johann Wolf bezeichnet es in seiner 1803 erschienenen „Geschichte und Beschreibung der Stadt Duderstadt“ als „vortrefflich“. Nach dem Brand erhielt die Kirche 1862 ein neues Hauptgeläut. Während der Kriege musste Duderstadt 1917 und 1942 Glocken abtreten. 1951 wurden zunächst die vier kleineren ersetzt. „2011 konnten wir auch die beiden großen Glocken gießen lassen“, sagt Ortsheimatpfleger Pfeiffer, der Vorsitzende des 2009 gegründeten Glockenbauvereins.

„Mit dem Geläut am Sonntag wollen wir unsere Dankbarkeit ausdrücken, dass seit so langer Zeit Glocken zum Gottesdienst rufen“, erklärt der Propst. Die Instrumente dienten so der christlichen Verkündigung. Dass sich die evangelische Kirche St. Servatius an der Aktion beteilige, drücke die „ökumenische Verbundenheit“ der Eichsfelder aus.

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©Richter