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Ehrenamt bedarf einer hohen Frusttoleranz

Herbsttagung Ehrenamt bedarf einer hohen Frusttoleranz

Wie lässt sich die ehrenamtliche Arbeit der Ortsheimatpfleger sichtbar machen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Herbsttagung der Ortsheimatpfleger im Landkreis Göttingen.

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Vergangenes für die Zukunft bewahren: Die Arbeit der Ortsheimatpfleger reicht von Sprachpflege bis Ortsbild-Erhaltung.

Quelle: Lüder

Brochthausen. Im Gasthaus Zur Erholung in Brochthausen ging es auch um die Unterstützung für die Ortsheimatpfleger. Diese werden, das zeigte die Diskussion, höchst unterschiedlich in die Entscheidungsprozesse in den Gremien ihrer Ortschaften einbezogen.

Etwa 40 Ortsheimatpfleger waren der Einladung von Kreisheimatpflegerin Dagmar Kleineke an den östlichen Rand des Landkreises gefolgt. Sie hörten Fachvorträge und tauschten sich über laufende Projekte aus.Sie beleuchteten aber auch kritisch  Sinn und Ziel der eigenen Arbeit.
Kleineke wies darauf hin, dass die niedersächsische Gemeindeverfassung die Bestellung der Heimatpfleger als Kann-Bestimmung formuliert und erteilte einer festgelegten Aufwandsentschädigung eine Absage: „Wir müssen selbst dafür sorgen, ernst genommen zu werden.“ Nur wie das in den jeweiligen Gemeinden am besten umzusetzen sei, darüber gingen die Meinungen teilweise weit auseinander.

Einig war man sich hingegen darin, dass eine flächendeckende Arbeit im Landkreis und die Übernahme von Sachkosten wichtiger sei als eine Bezahlung – dem „Gift der Entschädigung“, wie es ein Tagungsteilnehmer formulierte. Das ehrenamtliche Arbeiten erlaube es auch, das aufgetragene Amt frei nach Zeit und Interessen auszufüllen; für viele eine wichtige Voraussetzung, sich überhaupt als Heimatpfleger bestellen zu lassen. Dabei ist eine hohe Frusttoleranz von Vorteil: So konnte der Heimatpfleger von Gimte die Fällung der Dorflinde nicht verhindern, „da hätte ich mich vielleicht anketten lassen sollen.“

Während die Heimatpflegerin in Hann. Münden nach eigener Aussage eine gute Anbindung zum Stadtrat aufgebaut hat, werden andere lediglich einmal jährlich eingeladen, um über ihre Arbeit zu berichten. Dabei ist das Aufgabenfeld der Heimatpfleger vielfältig: Es reicht von der Sprachpflege über die Sammlung beziehungsweise Auswertung von Akten und anderen, manchmal wenig beachteten historischen Quellen bis zur pädagogischen Arbeit.

„Sie erfüllen eine sehr wichtige Aufgabe“, sagte Landrat Bernhard Reuter (SPD) in seinem Grußwort und ermunterte die Ortsheimatpfleger, sich weiter zu engagieren. „Nur wer weiß, woher er kommt, weiß auch, wohin er will.“ Annelore von Hof als Vertreterin des Duderstädter Bürgermeisters Wolfgang Nolte (CDU) hob die Verantwortung der Heimatpfleger hervor, die sie unter anderem bei der Erhaltung des Ortsbildes im Wandel der Zeit haben: „Viele Entscheidungen werden bereits im Vorfeld verändert“ Von außen werde dies oft zu wenig gewürdigt. 

Neben der Diskussion hatten die Tagungsteilnehmer viel Gelegenheit, sich mit Fachlichem zu beschäftigen: Die Gemeindeheimatpflegerin Heidrun Dolezel aus Rosdorf berichtete in ihrem ausführlichen und fundierten Vortrag über die Geschichte der Namensgebung der Kirchen, des Patroziniums, als ergänzende Quelle für die historische Forschung. Auf dem gemeinsamen Rundgang durch das Bergdorf Brochthausen hatten die Tagungsteilnehmer dann Gelegenheit, sich vor Ort mit den historischen Besonderheiten des Ortes zu beschäftigen.

Von Birgit Freudenthal

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