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Eichsfelder Landwirte sehen Moorschutz kritisch

Kulturland links, Wildwuchs rechts Eichsfelder Landwirte sehen Moorschutz kritisch

Im Norden der Republik sind in den vergangenen Tagen Landwirte auf die Barrikaden gegangen: Sie wehren sich gegen das neue Landesraumordnungsprogramm der niedersächsischen Landesregierung und das damit verbundene Moorschutzprogramm des Grünen Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Niedersachsen, Christian Meyer.

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Auf der Grenze zwischen bewirtschafteter Fläche und Naturschutzgebiet: Achim Hübner (links) und Karl-Heinz Engelhardt.

Quelle: Schauenberg

Gieboldehausen. Die Einwände der Landwirte verstehen der Gieboldehäuser Landwirt Karl-Heinz Engelhardt und Achim Hübner, Geschäftsführer des Vereins Landvolk Göttingen, nur zu gut:

„Die Pläne des Landwirtschaftsministers bei der Landesraumordnung werden ähnliche Folgen haben wie schon jetzt im Naturschutzgebiet Rhumeaue sichtbar – nur, dass dann rund 100 000 Hektar betroffen sein werden“, erklärt Hübner.

Mit „sichtbaren Folgen“ meint Hübner das, was für Engelhardt ein tägliches Ärgernis ist. Seine landwirtschaftlichen Flächen liegen an und in dem Naturschutzgebiet, das 1990 zur Renaturierung und Auenbildung angelegt wurde. Im Ganzen zieht sich die rund 930 Hektar große Fläche von Brochthausen bis nach Katlenburg-Lindau, rund 750 Hektar liegen im Bereich des Landkreises Göttingen.

Seit Beginn der Renaturierungsmaßnahme sind mehr und mehr Flächen in den Besitz der öffentlichen Hand übergegangen. „Wir sprechen von Kaufpreisen in geschätzter Höhe von sechs Millionen Euro“, fasst Hübner zusammen. „Diese Flächen fehlen den Landwirten als Bewirtschaftungsbasis.“

Hier finde keine Produktion mehr statt, entsprechend gebe es kein Einkommen und keinen Einsatz von landwirtschaftlicher Technik und Düngemitteln beispielsweise. „Das hat alles Auswirkungen auf die Wirtschaft“, erklärt Engelhardt.

Seenlandschaft im Rapsfeld
Und nicht nur die verkauften Flächen sind betroffen, sondern auch die angrenzenden. An Engelhardts Rapsfeld beispielsweise schließt direkt eine Renaturierungsfläche an: Links kultiviertes Land, rechts „nur noch Wildwuchs“, so der 48-jährige Gieboldehäuser.

An den Naturschutzgebieten werde keine Drainage unterhalten. Das Wasser könne von den bewirtschafteten Flächen nicht abfließen, zusätzliches drücke von den Naturschutzflächen auf die Äcker. „Vor ein paar Tagen hatte ich einen See mitten im Raps“, schildert Engelhardt die Folgen.

Zudem nehme die Anzahl der Schäden beispielsweise durch Wildschweine zu. Sie finden im hohen Schilf und Gras des Naturschutzgebietes Unterschlupf und Nahrung auf den Ländereien des Landwirtes.

Wildschweine fühlen sich wohl, Jägern fehlt die Sicht

Ideale Bedingungen für das Schwein, schlechte Voraussetzungen für den Jäger: „Bei der Sicht schießt bald niemand mehr“, glaubt Engelhardt. Die Folge: Wildschweine zertrampeln Äcker und fressen Pflanzen ab.
„Wir sprechen von kalter Enteignung“, macht Hübner seinem Frust Luft.

Die verbliebenen Ländereien der Bauern würden im Wert gemindert, bis alle Flächen verkauft würden. Dass dieses finanzpolitische Mittel formell nicht eingesetzt würde, gibt er zu. „Aber die Wirkung bleibt.“

Auf umweltkarten-niedersachsen.de kann man sich auf einer interaktiven Karte allen Schutzgebiete anzeigen lassen.

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©Richter