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Eichsfelder Lothar Koch (CDU) wird 75 Jahre alt

Landtagsabgeordneter und Ehrenbürgermeister Eichsfelder Lothar Koch (CDU) wird 75 Jahre alt

Kännchen Kaffee, Apfelkuchen, Mettwurstbrot mit Gurke. Termine mit Lothar Koch erinnern gern einmal an Spätnachmittagskaffee auf dem Eichsfelder Land. Nicht umsonst, denn dort kommt der in Hilkerode geborene Landtagsabgeordnete her. Und da gehört er hin, das vermittelt Koch in allem, was er sagt und tut.

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75 Jahre alt: Lothar Koch.

Quelle: EF

Duderstadt. Vor 75 Jahren wurde er geboren. Seinen Ehrentag feiert der CDU-Politiker so, wie er es am liebsten mag. Im Eichsfeld, bei Apfelkuchen und Mettwurstbrot. Und vermutlich bei vielen, vielen Gesprächen. Denn die Heimatliebe des Jubilars ist nicht etwa eine blanke Schwärmerei für die „Toskana des Nordens“. Sie ist Einstellung, Überzeugung und gelebte Politik.

Daher hat Koch die Antennen auf Dauerempfang. Jedes große Thema, das in Hannover und Berlin diskutiert wird, bricht er gedanklich auf Brochthausen, Gieboldehausen oder Duderstadt herunter. Die demografische Entwicklung beispielsweise.

Das Stichwort genügt und Koch springt in die Rolle des Politikers: „Die Realitäten sind heute schon da. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass es in Duderstadt einmal weniger als 9000 Einwohner geben wird“, setzt er an. „Wie kann man damit umgehen?“

„Schluss vor dem Rathaus?“

Kaum hat er die Frage aufgeworfen, gibt er auch schon die Antworten darauf: „Neue Baugebiete müssen erschlossen werden, aber mit Augenmaß“, beginnt er aufzuzählen. „Die Sport- und Freizeiteinrichtungen müssen sich einem Reinigungsprozess unterziehen und sich nach Partnern umsehen. Es gibt Beispiele, die schon jetzt belegen, dass die Leistungen explodieren, wenn man über die Dorfgrenzen hinwegsieht.“

In der Diskussion um die Duderstädter Fußgängerzone müsse in großer Offenheit diskutiert werden, um dann zu eindeutigen Ergebnissen ohne Ausnahmen zu kommen. Er selbst stehe dazu, die Einrichtung der Fußgängerzone vor 20 Jahren gewollt zu haben – mit allen Konsequenzen. „Schluss vor dem Rathaus? Davon wollte ich nichts wissen.“

Die Fußgängerzone sollte die Kirchen komplett verbinden, am Brehmelauf entlang. „Nicht umsonst hat man den damals Kochsche Pinkelrinne genannt.“ Eine Entscheidung wie die, die jetzt anstehende zum Zukunftskonzept in der Innenstadt, müsse gemeinsam gefällt werden, ohne parteipolitisches Kalkül.

„Abbau von Egoismen“

Den „Abbau von Egoismen“ fordert Koch auch hinsichtlich der Zusammenlegung örtlicher Initiativen zu überörtlichen Verbünden. Das sei eine der wichtigen Säulen für das Überleben kleiner Dörfer, und das gelte auch für die Kirche. „In ihren Fusionsbestrebungen sind die Kirchen gut unterwegs. Wir haben nicht genügend Geistliche. Aber in dem wir zentrale Angebote schaffen, machen wir das Beste daraus.“

Ähnlich klare Worte findet er, als das Thema auf das Schulwesen kommt. „Wir haben hier eine bombige Schullandschaft“, betont der Politiker, der zunächst Lehrer, dann Schulleiter, dann Leiter des Schulaufsichtsamtes in Göttingen war. Dennoch müsse man sich dessen bewusst sein, dass es zukünftig Standortdiskussionen geben werde.

„Wir nutzen alle Chancen, die Grundschulen vor Ort zu halten. Wir lösen keine Schule auf, so lange uns das Land nicht dazu anhält“, macht er sich für die Grundschulen stark. In Bezug auf die weiterführenden Schulen sehe er die Gymnasien als „A und O“. Die Kombination aus den bestehenden Schulformen sei es, die die Stärke ausmache.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist der Ehrenbürgermeister der Stadt Duderstadt und das Mitglied im Ältestenrat des Niedersächsischen Landtags ein Mann der Visionen und Ziele. Eines davon: Eine Radiologie für Duderstadt. „Das Krankenhaus ist ein unschätzbarer Wert vor Ort“, sagt Koch.

Medizinisches Netzwerk

Die Sicherung des Standortes sei daher – auch für die rund 300 Beschäftigten – eines der großen Themen, für das er und sein langjähriger Weggefährte Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) sich auch zukünftig einsetzen wollen.

In Duderstadt ein medizinisches Zentrum in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus St. Martini, der Praxis Neßelhut und weiteren Partnern aufzubauen, daran werde er weiter arbeiten. Auch die Firma Ottobock, „eine echte Bank“, sei für ein solches Vorhaben unverzichtbar. Mit Ottobock-Chef Hans Georg Näder steht Koch ohnehin seit Jahrzehnten in engem Kontakt – und in „freundschaftlicher Beziehung“.

Berufsbildende Schulen, Amtsgericht, Gefängnis – für viele Einrichtungen hat Koch Ideen. Und er hat die Kontakte und das Renommee, sie zu platzieren.

Jeder Kommunalpolitiker im Eichsfeld, jedes Kreistagsmitglied und jedes Mitglied des Landtags dürfte Koch kennen. Und auch nach Berlin reichen seine Kontakte, wie Zusammentreffen mit Bundestagsabgeordneten auf freundschaftlicher Ebene immer wieder zeigen.

Ob beim Abendessen mit Fritz Güntzler (CDU) im Duderstädter Rathaus – Mettwurst und Gurke, versteht sich – oder beim Besuch Thomas Oppermanns (SPD) im Rahmen seiner Sommerreise: Immer fallen auch persönliche Worte, oft auch sehr herzliche.

Nach Zukunftsvertrag kommt Kreisfusion

Dabei vergisst Koch nie, die Themen anzusprechen, die ihm unter den Nägeln brennen. Jetzt, nach Abschluss des Zukunftsvertrages, ist es die Kreisfusion. „Viele Stellen werden gänzlich von Göttingen weg verlagert.

Und wo bleiben bei den Zugeständnissen an Osterode die Mittelzentren Duderstadt und Hann. Münden“, fordert er eine stärkere Gleichbehandlung ein und nennt den Ausbau der Zulassungsstelle oder der Musikschule als denkbare Möglichkeiten. Über den Status Göttingens mache er sich keine Sorgen. „Toll wäre, wenn Göttingen wieder eine Exzellenzuniversität hätte und das Klinikum ausgebaut werden könnte.“

Dabei ist es nicht seine Art, Probleme zu theoretisieren, damit sie abstrakter erscheinen und damit nicht ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Er spricht Unangenehmes an und Wahrheiten aus. Damit eckt er schon einmal an – auch in der eigenen Fraktion. „Vor Autoritäten knicke ich nicht ein“, zeigt Koch klare Kante.

„Feines Mädchen“ Angela Merkel

Dass er Fan seiner „großen“ Chefin, also der Autorität der Christdemokraten schlechthin, ist, gibt Koch unumwunden zu. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, sie als „feines Mädchen“ zu bezeichnen – schließlich könne sie beinahe seine Tochter sein. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel komme er ebenso klar wie mit Sigmar Gabriel (SPD).

„Gabriel und ich waren zehn Tage zusammen in Israel“, berichtet Koch. Das schweiße zusammen. Der Kontakt sei nie abgerissen.

Ohnehin scheinen Parteigrenzen für Koch etwa den Stellenwert eines Jägerzauns um einen Brochthäuser Vorgarten herum zu haben: Gespräche laufen darüber hinweg. Aber wenn Nachbars Hund versucht, an den eigenen Baum zu pinkeln, leisten sie gute Dienste.

Verknappung von Sachverhalten

Meinungen, egal aus welcher politischen Ecke sie geäußert werden, hört er sich zunächst einmal an: „In Zeiten ständiger Kommunikation und Erreichbarkeit sollte darauf besonderer Wert gelegt werden“, glaubt er. Denn vor lauter Mitteilungslust gerate die klare Meinungsäußerung, ebenso wie das Zuhören, schon einmal in Vergessenheit.

Schlimm findet er, dass die sozialen Netzwerke eine Verknappung von Sachverhalten auf wenige Schlagworte erforderten. Mit Hintergründen und Entstehungsgeschichten beschäftige sich kaum mehr jemand. Daher sei ihm das persönliche Gespräch nach wie vor wichtig: bei Apfelkuchen, Mettwurstbrot und Kaffee.

Zur Person
Lothar Koch

Lothar Koch wurde am 27. September 1939 in Hilkerode geboren. Er ist verheiratet mit Eva-Maria Koch. Das Paar, das im Duderstädter Ortsteil Langenhagen lebt, hat drei Söhne und drei Enkelkinder.

Koch studierte nach seinem Abitur 1961 Lehramt in Göttingen und Germanistik und Politikwissenschaften in Göttingen und Berlin, zeitweise parallel zu seiner Tätigkeit als Schulleiter in Desingerode, Langenhagen und Gieboldehausen. Später leitete Koch das Schulaufsichtsamt in Göttingen.

1973 wurde er Ortsbürgermeister der Ortschaften Langenhagen und Brochthausen und Mitglied im Rat der Stadt Duderstadt. Erst drei Jahre später trat er der CDU bei. Seit 1981 sitzt Koch, der von 1986 bis 2001 Bürgermeister der Stadt Duderstadt war, im Kreistag und ist stellvertretender Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion.

Das Landtagsmandat hat er seit 1994 inne. 2001 wurde er zum Ehrenbürgermeister der Stadt Duderstadt ernennt, bekam das Bundesverdienstkreuz verliehen und wurde zum stellvertretenden Landrat des Landkreises Göttingen ernannt.

Koch ist Mitglied in diversen Vereinen, unter anderem dem Schützenverein Diana Langenhagen, dem Sportverein VFR, der Kolpingsfamilie St. Josef und dem Männergesangverein Concordia in seinem Wohnort.

Außerdem engagiert er sich im Aufsichtsrat der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe, ist Mitglied des Aufsichtsrates der Landesausstellung Niedersachsen im Städtebau Duderstadt, Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Duderstadt und stellvertretender Vorsitzender des Brandkassenausschusses der VGH Hannover. Außerdem ist er als Mitglied des Kreditausschusses der Sparkasse Duderstadt tätig und Vorsitzender im Institut Brückenschlag.

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