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Die Eismänner von Kraja

Eichsfelder schnitzt in Schweden Iglus Die Eismänner von Kraja

"Kraja" heißt der Ort auf der kleinen Landzunge am Polarkreis im hohen Norden Schwedens. Dort, wo andere relaxen und es sich gut gehen lassen, arbeitet der Steinbildhauer Tobias Hartmann an einem eisigen Projekt mit dem Namen "Iglootel".

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Nordlichter in Lappland - ein spektakulärer Anblick.

Quelle: R

Hartmann, der sein Handwerk einst bei Steinmetzmeister Frerix in Westerode erlernt hat, studiert an der "Akademie für Handwerksdesign" in Aachen und ist bereits zum zweiten Mal an dem Projekt beteiligt, das ihn bis Weihnachten direkt nach Lappland führt.

Bereits bei der Ankunft am Arbeitsort des Eichsfelders, der in Worbis lebt, stehen für die Hotelanlage der besonderen Art vier riesige Gummiballons mit einem Durchmesser von bis zu acht Metern bereit, die mit einem Laubbläser aufgepumpt werden. "Wenn wir ankommen, sind Schneefräsen bereits dabei, mit ihrem Schwenkarm tonnenweise Schnee auf die roten Gummibälle zu blasen, der bei einer Mindesttemperatur von Minus sieben Grad Celsius mit Schneekanonen produziert wird", beschreibt Hartmann das Procedere, bei dem aus Gummiballons über Nacht Iglus werden.

Erst schnitzen, dann ausleuchten

Während die Ballons am kommenden Tag aus der Schneebehausung herausgenommen werden, machen sich Handwerker mit Kettensägen daran, aus dem nahegelegenen zugefrorenen See zwei Meter lange und 20 Zentimeter dicke Eisblöcke zu schneiden. Die Kolosse werden mit speziellen Schlitten vom See gezogen und zu den Iglus gebracht, bevor die eigentliche Arbeit des 37-Jährigen beginnt. Mit herkömmlichen Holzschnitzeisen bearbeiten Hartmann und seine Kommilitonen die Eisblöcke, die anschließend in die Innenwände der Schneehäuser eingesetzt und nach Fertigstellung des Hotels mit LED-Leuchten angestrahlt werden. Der Worbiser jedoch ist in erster Linie für das Anbringen des Projektlogos zuständig, das er mit dem Schnitzeisen ins Eis bringt. In diesem Jahr zeigt es über der tiefgefrorenen Eisbar eines der Event-Iglus, in dem 50 Menschen Platz finden, den Schriftzug "Iglootel Lapland - Arctic Snow Experience".

Im Schlafsack auf Rentierfellen übernachten

In die bis zu vier Meter dicken Wände der zehn Schlafiglus, in denen später die Eishotelgäste im Schlafsack auf Rentierfellen nächtigen, schnitzt der Worbiser Windräder, Spuren von Schneemobilen und einen "Sami" - den Ureinwohner Lapplands -, der ein Rentier jagt und als Erfinder des Skis gilt. "Die Illustrationen beziehen sich auf das Projekt-Jahresthema - "Die Arktischen Völker heute", meint Hartmann.

Baden unter freiem Himmel bei Minus 15 Grad

An den Romantik-Iglus für zwei Personen legt der Eichsfelder auch mit Hand an. "Solch ein Iglu lässt sich ein frisch verliebtes Paar auch mal 500 Euro pro Übernachtung kosten", schmunzelt Hartmann, der weiß, dass die ebenfalls aus Schnee gebauten "Hot-Tubes" - die "Whirl-Pools" - etwas ganz Besonders sind. "Dort kann man bei Minus 15 Grad Außentemperatur im 35 Grad warmen Wasser den Sternenhimmel von Lappland betrachten und die Nordlichter am Himmel flackern sehen", weiß Hartmann.

"Anfang April, wenn die Schneeschmelze beginnt, reißen Radlader die kuppelförmigen Schneehäuser wieder ab und schieben den Schnee in den See zurück", verrät der Eichsfelder, der im kommenden Dezember wieder nach Kraja an den Polarkreis zurückkehren will.

Denn das Wort "Kraja" steht in der lappischen Sprache für "der Ort nach dem man sich sehnt".

Von Gregor Mühlhaus

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