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Eichsfelder und Flüchtlinge kommen ins Gespräch

Willkommen in vielen Sprachen Eichsfelder und Flüchtlinge kommen ins Gespräch

Es war ein Fest der Verständigung, zu dem Hans Georg Näder geladen hatte: Im Innenhof und im Restaurant des Hotels Zum Löwen kamen am Donnerstagabend rund 300 Flüchtlinge, die derzeit in Friedland und Westerode untergebracht sind, mit Menschen aus Duderstadt und der ganzen Region zusammen.

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Fastenbrechen mit Festmahl: Nach Sonnenuntergang und Bittgebeten ist das Buffet des Willkommens-Abends eröffnet.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Er habe Türen öffnen wollen, begründete der Initiator des multikulturellen Abends seine Intention. Hintergrund dafür sei zum einen die persönliche Geschichte der Familie Näder: „Meine Eltern sind nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsflüchtlinge nach Duderstadt gekommen“, berichtete Näder. Dort hätten sie ein Unternehmen aufgebaut, das derzeit rund 15 000 internationale Gäste jährlich ins Eichsfeld führe.

Der Levante, den Ländern am östlichen Mittelmeer, fühle er sich seit Jahrzehnten verbunden. „Seit einem halben Jahrhundert sind wir in diesen Ländern unterwegs.“ Die Heimat der Gäste im Rosenthaler Hof sei ihm deshalb nicht fremd. Aktuell treibe ihn die Frage um, wie Menschen, die nach Deutschland kämen, in Arbeit gebracht werden könnten. Daher habe er über Duderstadt 2020 einen Blog ins Netz stellen lassen, in dem über Stellenangebote informiert werde. „So erhalten sie die Möglichkeit, mit Firmen in Kontakt zu treten, die Mitarbeiter suchen“, erklärte Näder. In seinem Unternehmen brauche es derzeit beispielsweise Orthopädietechniker, die arabisch sprächen.

Näder richtete seine Worte nicht allein an die Flüchtlinge. Er appellierte an alle Anwesenden: „Wenn jeder einen kleinen Baustein beiträgt, können wir ein Haus bauen“, in dem es Platz gebe für Menschen verschiedener Nationen und verschiedener Religionen. Dies sei ein friedliches Haus.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der seit drei Jahren mit Näder in Kontakt steht und aus Berlin angereist war, lobte Näder für seine Weltoffenheit und Toleranz. „Ich bin mir sicher, dass viele Flüchtlinge hier Fuß fassen und ihre Talente und Fähigkeiten einbringen werden“, sagte er. Die Voraussetzung dafür seien die Unterstützung der Politik und der Gesellschaft.

„Im Kleinen helfen wir mit, willkommen zu sagen“, sicherte Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) die Unterstützung der Stadt zu, die gemeinsam mit dem Landkreis Göttingen und dem Land Niedersachsen ihren Beitrag leiste und leisten wolle. Er dankte allen, die sich von Beginn an engagiert hätten, um die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Westerode zu unterstützen.

Vor dem gemeinsamen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang betrat Sabri Kahraman in traditioneller Kleidung die Bühne. Seit 40 Jahren verbinde ihn eine enge Freundschaft mit dem in Duderstadt lebenden Türken, sagte Näder.

Gemeinsam verfolgten die Gäste das Bittgebet des Imams Khalil Khalilo, viele Besucher filmten den besonderen Moment, als der Imam „Allah ist groß“ sang. Ihm folgte das christliche Bittgebet, das der Duderstädter Propst Bernd Galluschke sprach. An uns liege es, so Galluschke, aus unserem kleinen Gestirn im Weltall einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Krieg gepeinigt würden, die keinen Hunger litten und die nicht nach Hautfarbe und Religion unterschieden würden. „Wir sind zutiefst verbunden, denn wir sind deine Kinder“, sagte er.

An dem Essen, das bundesweit mediale Beachtung fand, nahmen hochrangige Vertreter der Politik teil. Unter anderem befanden sich unter den Gästen der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Thomas Oppermann, der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler, die Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta (SPD) und Lothar Koch (CDU) sowie Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Außerdem hatte Näder am Nachmittag die Teilnehmer der Zukunftskonferenz eingeladen, die Gäste zu empfangen.

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©Richter