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Ein Leben aus Geschichten: Dömken wird 80

Portrait Ein Leben aus Geschichten: Dömken wird 80

Carl-Heinz Dömken wird heute 80. Der Zeichner, Autor, Journalist, Pferdezüchter, Karl-May-Illustrator und Sammler ist seit Jahrzehnten Karikaturist des Tageblatts, spießt die Lokalpolitik mit spitzer Feder auf. Die Karikierten sind in guter Gesellschaft, Dömken hat alle Berühmtheiten aus den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik gezeichnet, „vom Original“. Ulrich Lottmann hat ihn auf seinem Gestüt bei Uelzen besucht.

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Karikaturist, Autor, Pferdezüchter und Sammler: Carl-Heinz Dömken.

Quelle: Lottmann

"Nur keinen Nachruf. Und nicht zu ernst.“ Carl-Heinz Dömken will keine Lobeshymnen zu seinem 80. Geburtstag. Weder der Anlass des geplanten Artikels behagt ihm, noch der Zeitpunkt. Groß gefeiert hat er seinen Geburtstag noch nie und er ist angeschlagen, hat gerade eine schwere Krankheit überstanden.

Dass er sich trotzdem bereit erklärt mit dem Besuch des Journalisten auf seinem Gestüt nahe Uelzen ist ein Sieg der Neugier. So lernt er denjenigen kennen, mit dem er wöchentlich telefoniert – um die Karikatur für die Sonnabend-Ausgabe des Tageblatts zu besprechen. Beides sagt viel aus über den Mann: die Neugier auf andere Menschen – sie hat sein Leben geprägt und dessen Verlauf bestimmt. Und sein Beruf als Karikaturist, den er als einen unter vielen seit mehr als sechs Jahrzehnten ausübt.

Dömken hat sie alle gekannt, die Größen der jungen Bundesrepublik: die Filmstars Hans Albers, Heinz Erhardt, „der keinen Humor hatte“, Marika Rökk, Heinz Rühmann, „er litt darunter, kleiner zu sein als seine damalige Frau“. Der erste Bundespräsident Theodor Heuss fühlte sich von Dömkens Karikatur „richtig herausgearbeitet“, die Bundeskanzler Konrad Adenauer und Helmut Schmidt ließen sich von ihm porträtieren. Dömken hat sie alle gezeichnet, „vom Original“, wie er betont. 30 Ordner füllen die Karikaturen, die meisten mit Kommentaren der so treffend Dargestellten versehen.

Einige dieser Menschen haben Dömkens Leben beeinflusst. Jahreszahlen fallen ihm nicht ein, wenn er nach seiner Biografie gefragt wird, wohl aber Namen, Freundschaften.  Eine dieser Personen ist der Verleger und Stern-Gründer Henri Nannen. An den gerade gegründeten Stern hatte Dömken eine Zeichnung geschickt. Nannen kaufte sie, lernte Dömken kennen, bot ihm ein Volontariat an: „Da habe ich alles über Zeitung gelernt.“ Anschließend begann Dömken ein Germanistikstudium in Hamburg. Dort traf er Willy Birgel, das Idol seiner Jugend. Der Schauspieler gab ihm Unterricht und schickte Dömken dann nach Hannover an die Akademie für Musik und Theater.

Von dort ging Dömken an das Staatstheater Hannover, als Regieassistent unter dem späteren Intendanten Franz Reichert. Der brauchte Ruhe bei seinen Proben, für die Dömken auch einmal das benachbarte Ballett zur Ruhe bringen musste. „Sie proben mit den Beinen, wir mit dem Kopf“, habe er der protestierenden Tanztruppe entgegen gehalten, „das gab Ärger“. Seinem Regisseur habe er dann gemeldet: „Herr Reichert, Ballett ist abgestellt. Aber ich glaube, ich werde bald heiraten.“ Eine der Tänzerinnen habe während des Disputs einfach weiter geprobt, das habe ihm imponiert, erzählt Dömken. „Sie ist es dann geworden, vor 57 Jahren“, sagt er mit Blick auf Ehefrau Constanze.

Geschichten wie diese erzählt Dömken, wenn er über sein Leben berichten soll. Sie reihen sich auf wie die Perlen einer Kette. Dömken scheint selbst erstaunt, wie eines aus dem anderen folgt, sich alles zu dem zusammenfügt, was nun seit 80 Jahren sein Leben ist. In diesem Leben hat Dömken viel gemacht: Rundfunksendungen für den NDR, Zeichnungen für den Zoo Hannover, Illustrationen für den Karl-May-Verlag.

Seit 15 Jahren besitzt Dömken sein Gestüt in Rosche bei Uelzen, züchtet Vollblutaraber-Pferde und Pyrenäen-Berghunde. Immer hat er gezeichnet. Bis heute ist er Karikaturist für verschiedene Zeitungen. So bestreite er seinen Lebensunterhalt, erklärt er.

Nie sei er fest angestellt gewesen, nie habe er für die Rente eingezahlt. „Das habe ich gemerkt, als ich 65 wurde.“ Er sei zu beschäftigt gewesen mit dem Sammeln, sagt Dömken. Sein Haus ist angefüllt mit  den verschiedensten Sammlerstücken. Alle haben wieder ihre eigene Geschichte.

Ein Video zum Thema finden sie hier.

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©Richter