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Ein Leben ohne Facebook – wie geht das?

Soziales Netzwerk gehört bei Jugendlichen zum Alltag Ein Leben ohne Facebook – wie geht das?

Seit 2004 ist Facebook in den USA am Start, seit 2008 spricht man in dem sozialen Netzwerk auch Deutsch und diverse andere Sprachen. Inzwischen hat Facebook weltweit knapp eine Milliarde Nutzer und verdrängt andere Portale wie SchülerVZ immer mehr.

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Bei Facebook aktiv: Alena, Julius, Nora, Yannik und Elisa (von links) nutzen das soziale Netzwerk täglich.

Quelle: Lüder

Ein Leben ohne Facebook können sich Yannik und Elisa Kellmann, Alena Kewitz, Julius Kullmann und Nora Lenz kaum vorstellen. Die Jugendlichen – fast alle um die 15 Jahre – haben sich im Jugendcafé Emma getroffen, um mit dem Tageblatt über Facebook zu diskutieren.
„Dass Facebook Daten verkauft, weiß doch jeder, der sich dort anmeldet. Aber das Risiko gehen wir ein. Man muss eben aufpassen, was man eingibt“, sagt Julius.

Stiftung Warentest hat erhebliche Mängel in den Datenschutzpraktiken des Portals festgestellt, und das ist auch den Jugendlichen klar. „Ich habe meinen Account so eingestellt, dass Außenstehende nichts von mir sehen können“, sagt Alena, und auch Nora ist vorsichtig: „Mit Freunden ist der Austausch o.k., und ich stelle auch nicht viele Fotos auf die Seite. Andere sind da offener.“ „Aber wenn jemand jede Tagesaktivität bei Facebook postet, wird der Austausch anspruchslos und langweilig“, hat Elisa festgestellt. Dass sich plötzlich Fotos von der eigenen Person auf Facebookseiten befinden, haben fast alle Anwesenden schon mal erlebt. „Da gaben Leute Kommentare über mich ab, die ich gar nicht kannte. Das ist nicht toll“, beschreibt Alena das ungute Gefühl.

Von dem Unfall am Duderstädter Busbahnhof, wo ein Auto ins Bushäuschen gerast ist, als dort viele Schüler auf den Bus warteten (Tageblatt berichtete), haben alle auch auf Facebook gelesen. „Da hat jeder das Foto hochgeladen, und der Fahrer wurde fertig gemacht“, sagt Yannik. Ein Fall von Mobbing? Die Meinungen sind geteilt, denn immerhin sei das eine wirklich gefährliche Situation gewesen, die ein Einzelner verschuldet habe, finden die Jugendlichen. Aber manchmal seien Leute anhand der Kommentare in bestimmten Situationen besser zu verstehen, und alles könne man ohnehin nicht glauben, „ist eben Facebook“, sagt Julius.

Yannik bestätigt: „Da werden Kommentare aus einer Laune heraus geschrieben, und am nächsten Tag bereut man das vielleicht.“ Also alles nur Blödsinn? Auf keinen Fall, Facebook erleichtert vieles im Leben, so die einhellige Antwort. „Facebook ist praktisch bei Absprachen zu den Hausaufgaben“, sagt Elisa, und Nora ergänzt, dass heute jede Planung von Schulaktivitäten oder Partys, Treffen von Gruppen oder Vereinen und jede Verabredung mit Freunden über Facebook stattfindet: „Das ist praktisch, man erreicht fast jeden, muss für Veranstaltungen keine Flyer austeilen oder lange herum telefonieren.“

Gibt es auch Leute, die nicht über Facebook erreichbar sind? Ja, jeder der Anwesenden kennt jemanden im eigenen Freundeskreis oder Klassenverband, der nicht am sozialen Netzwerk teilnimmt. Und das wird keineswegs als „uncool“ registriert. „Da fragt man sich: Wie geht das, ein Leben ohne Facebook? Wie machen die das? Woher kriegen die ihre Informationen? Neuerdings werden Leute ohne Facebook eher bewundert, weil die das irgendwie hinkriegen“, sagt Yannik, und die anderen nicken.

Und welche Infos im Netzwerk finden die Jugendlichen am interessantesten? Freundschaften, wer mit wem zusammen ist, so die einhellige Meinung. „Bei dem Thema ist es ja schon peinlich, wenn man irgendwas nicht mitbekommen hat“, sagt Alena lachend. Wird die Partnerschaft auch im Netzwerk diskutiert? „Kommentare werden schon abgegeben“, bestätigt Nora, manchmal auch nicht so schöne. Jemandem die Meinung zu sagen, würde auf Facebook eben leichter fallen, als dem Menschen dabei ins Gesicht zu sehen. „Aber über wirkliche Probleme spreche ich mit meinen Freunden lieber persönlich“, ergänzt sie. Die anderen stimmen zu: Verabredungen im Netzwerk sind o.k., aber nur, um die Freunde dann im wirklichen Leben zu treffen.

Besonders spannend finden die Jugendlichen ihre neuen Kontakte ins Ausland. Die fünf haben am Maffay-Symposium teilgenommen (Tageblatt berichtete) und Freundschaften zu ausländischen Gleichaltrigen geschlossen. „Fast alle waren schon bei Facebook – ob aus Palästina oder Rumänien, und zwei Spanier haben sich gleich nach dem Symposium dort angemeldet, um die Kontakte zu den anderen zu halten“, sagt Julius, der selbst Spanisch an der Schule lernt. Ansonsten wird auf Englisch kommuniziert.

Das Fazit aus der Diskussionsrunde: Die Gefahren in puncto Datenschutz und Mobbing sind bekannt, persönliche Kontakte zu Freunden sind den Jugendlichen trotz Netzwerk wichtiger – aber Facebook vereinfacht das Leben wie einst die Erfindung des Telefons.
Infos zur Sicherheit in sozialen Netzwerken bietet die Bundespressestelle unter sicher-stark-team.de.

Von Claudia Nachtwey

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