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Drogendeal verliert sich im Nebel

Amtsgericht Duderstadt Drogendeal verliert sich im Nebel

Mit Freisprüchen ist am Dienstag ein Verfahren gegen einen 20-Jährigen und einen 23-Jährigen am Amtsgericht geendet. Das Jugendschöffengericht hielt die Aussage der 14-Jährigen, der sie im Sommer 2015 auf dem LNS-Gelände ein Gramm Marihuana verkauft haben sollen, nicht für belastbar.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Duderstadt. Nicht nur das Handy der damals 13-Jährigen ist zwischenzeitlich abgestürzt. Die Schülerin räumte ein, seit zwei Jahren täglich Cannabis, an Wochenenden auch Amphetamine zu konsumieren. In umfangreichen Chats und in ihrer Clique tauschte sie sich darüber freimütig aus.

Erinnerungslücken und Beeinträchtigungen

Die Angeklagten kennt sie flüchtig, Aufzeichungen über Chats mit ihnen sind nicht vorhanden. In Vernehmungen machte sie unterschiedliche Angaben über Kontakte zum Drogenerwerb, die von ihr selbst ausgegangen seien - darunter der angeklagte Fall, den die jungen Männer abstritten. Auf die Frage von Richter Michael Pietzek, ob ihr Erinnerungslücken und Beeinträchtigungen keine Angst machen würden, zuckte sie nur mit den Schultern.

Problematisch sind auch die Lebensgeschichten und -verhältnisse der Angeklagten, die in einer Wohngemeinschaft leben. Der Jüngere hat keinen Schulabschluss, die Biografien sind gekennzeichnet von problematischen Familienverhältnissen, Pflegefamilien, Heimaufenthalt, Drogenkonsum, häufigen Umzügen, abgebrochener Therapie und Ermittlungsverfahren auch wegen anderer Delikte. Die Staatsanwältin sah den Tatvorwurf durch die Aussage des Mädchens und Identifikation der Angeklagten bei der Polizei bestätigt.

Für den 20-Jährigen beantragte sie nach Jugendstrafrecht 40 Stunden gemeinnützige Arbeit und sechs Gesprächstermine bei der Drogenberatung, für den einschlägig vorbelasteten 23-Jährigen ein Jahr und ein Monat Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie die Zahlung von 200 Euro in Raten an eine gemeinnützige Organisation.

Nur Randfiguren benannt

Dem hielten die Rechtsanwälte der beiden Angeklagten entgegen, dass die Zeugin ihr Handy intensiv für BTM-Kontakte genutzt habe, es aber keine Hinweise auf die Mandaten gegeben habe. „Die Aussage der Zeugin ist keinen Pfifferling wert“, meinte Anwalt Andreas Helmstaedt: „Es wurde gekifft, bis Rauchwolken aufstiegen.“ Es sei dramatisch, dass die 14-Jährige schon in jungen Jahren derart abgeglitten sei und alle Grenzen überschritten habe.

Auch Anwalt David Herrmann verwies auf die bruch- und versatzstückhafte Beliebigkeit ihrer Aussage: „Die Zeugin will nur ihre Ruhe haben, wollte ihre Hauptquelle nicht nennen und hat deshalb Randfiguren aus ihrem Dunstkreis benannt.“ Das Gericht entschied im Zweifel für die Angeklagten und folgte der Freispruch-Forderung.

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©Richter