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Einheit: „Alternativlos, aber zu schnell“

Bundesinnenminister im Eichsfeld Einheit: „Alternativlos, aber zu schnell“

Erfahrungen mit deutscher Teilung, Wende und Einheit, zwei Stunden lang haben darüber gestern im Duderstädter Rathaus Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und fünf weitere Diskutanten debattiert.

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Betritt bei der Bundespolizei Duderstädter Boden: Minister Thomas de Maizière wird von Abteilungsführer Matthias Bick begrüßt.

Quelle: Thiele

Kurzweilig, zum Teil kontrovers, bisweilen bewegend war die zweistündige Veranstaltung.
Die Debatte lässt sich unter drei Überschriften zusammenfassen: Zunächst ging es um die Emotionen in der Zeit der Wende. Nach gut einer Stunde wechselte die Diskussion – klug und charmant geleitet von NDR-Redakteurin Ute Andres – zu wirtschaftlichen Problemen in Folge der Einheit. Kern der Debatte war dann drittens die Frage: Überlagern die Probleme inzwischen die Begeisterung oder lassen sich die Emotionen zu deren Lösung nutzen?

Mehr als 200 Menschen verfolgten die Diskussion, auf die mit dem Film des Göttinger Tageblatts „Die Wiedervereinigung im Eichsfeld“ eingestimmt wurde. Er sei von diesen Szenen bewegt, bekannte de Maizière und erinnerte sich an seine damalige „absolute Ungläubigkeit“ angesichts der Ereignisse. „Es war nicht nur eine Nacht, es waren Tage, Wochen, in denen wir im Westen herzlich begrüßt wurden“, erinnerte sich Horst Dornieden, Vorsitzender des Grenzlandmuseums Eichsfeld. Seine Grundbefindlichkeit in der DDR sei Angst gewesen, berichtete Heiligenstadts Propst Heinz-Josef Durstewitz. Er erklärte: „Wir haben in jeder Messe für die Einheit gebetet.“

Aus den Erinnerungen an die glückliche Wendezeit erwachse noch keine gesunde Wirtschaft, machte dann de Maizière deutlich: „Die Einheit „war unabdingbar, war alternativlos, aber sie war auch zu schnell.“ Zu den Folgen sagte Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU): „Das Jahr 1994 – nach Wegfall der Zonenrandförderung – war für Duderstadt das wirtschaftlich schwierigste Jahr.“ Er wünsche sich mehr Förderung durch den Bund. Dem widersprach de Maizière.

„Ein Rückverlagerungsprozess von West nach Ost, nachdem es jahrzehntelang von Ost nach West gegangen war, ist nur recht und billig.“ Lukas Eckermann, Geschäftsführer der Firma Otto Bock, argumentierte, der Transfer biete Chancen für beiden Seiten. Aber Antje Tillmann, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Erfurt, warnte: Kritik an Finanzhilfen für die neuen Länder seien in den vergangenen 15 Jahren kein Thema gewesen, „aber das fängt jetzt an“. Wie darauf zu reagieren ist, blieb offen. Angesichts des demografischen Wandels, „müssen wir die Debatten der letzten 20 Jahre über den Haufen werfen“, machte de Maizière klar: Die Diskussion über die Einheit ist nicht beendet.

Von Ulrich Lottmann

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