Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Erinnerungen an Osaritschi

Überlebende zu Gast in Duderstadt Erinnerungen an Osaritschi

Vor 72 Jahren haben Wehrmachtsangehörige in Weißrussland in schnell errichteten Lagern Tausende Zivilisten dem Tod geweiht. Überlebende des Lagers Osaritschi reisten nun erstmalig nach Duderstadt. In Schulen und weiteren Einrichtungen in der Umgebung berichteten sie vom Schicksal ihrer Familien.

Voriger Artikel
Erste Schockbilderauf Schachteln
Nächster Artikel
Atemnot auf Bundesstraße

Die Überlebenden von Osaritschi sprechen über ihre bewegte Vergangenheit.

Quelle: Swen Pförtner

Duderstadt. Die Einladung nach Deutschland erfolgte vom Maximilian-Kolbe-Werk, das sich mit der Aufarbeitung der Geschichte durch Zeitzeugenberichte für Verständigung und Versöhnung einsetzt. Ob sie diese Aufregung gesundheitlich verkraften würde, fragte sich Tamara Bytschok (81) vor der Reise. Würde sie die im Alltag verdrängten Erinnerungen zulassen wollen, um mit Deutschen darüber zu sprechen, was die Wehrmacht den Menschen in ihrer Heimat angetan hatte?

Doch sie schob ihre Bedenken beiseite und ging zusammen mit Fedor Weras (81), Praskowja Martschenkowa (79), Michail Parkalow (83), Nadezhda Kobsarewa (85), Wladimir Bobrik (75) und Josef Pantelejew (85) an Schulen, ins Verdi-Gewerkschaftshaus in Göttingen und zu weiteren Gastgebern in Niedersachsen und Thüringen. Die Zeitzeugen berichteten von Osaritschi, von dem Lager zwischen den Fronten, mitten im Sumpf, ohne Baracken oder sanitäre Einrichtungen, ohne Nahrung und mit Bergen von Toten, darunter Angehörige, vor allem Kinder. Die Wehrmacht hatte das Lager bei ihrem Rückzug aus Russland als „biologisches Schild“ gegen die Rote Armee eingerichtet - so übersetzte Natalia Gerhard vom Maximilian-Kolbe-Werk die Erinnerungen von Tamara Bytschok.

Fedor Weras erzählte, dass die Gruppe auch das Grab des 1980 verstorbenen Generals Friedrich Hoßbach in Göttingen aufsuchte. Hass klang nicht in seiner Stimme mit, obwohl der zu erwarten wäre. Hoßbach wird als einer der beteiligten Generäle genannt, die für die insgesamt sieben Lager in Weißrussland verantwortlich waren. Bei den Nürnberger Prozessen seien allerdings nur drei dieser Lager als Vernichtungslager anerkannt worden, sagte Weras, neben Osaritschi noch Dertj und Podosinnik. Millionen Menschen seien in den Lagern in Weißrussland an Unterversorgung, Kälte und Erschöpfung gestorben oder erschossen worden. Allein aus Michail Parkalows Familie seien von zehn Kindern im Lager acht umgekommen. Verzeihen können wir, aber nicht vergessen, sagte Parkalow.

Die Zeitzeugen wollen diese Erinnerungen für die Nachwelt bewahren. Sie hoffen, in Gesprächen mit der jungen Generation dazu beizutragen, vor den Folgen von Krieg, Faschismus und Unmenschlichkeit zu warnen.ny

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter