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Erntedank als „Feier gegen Machbarkeitswahn“

Kreislandfrauenvorsitzende Erntedank als „Feier gegen Machbarkeitswahn“

Seit dem dritten Jahrhundert feiert die römisch-katholische Kirche das Fest Erntedank – traditionell am ersten Sonntag nach Michaelis (29. September). Erntekronen, Gottesdienste und mit Lebensmittel dekorierte Altäre in fast allen Gemeinden des Eichsfeldes.

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Jahrhundertealte Tradition: In Gieboldehausen binden Landfrauen noch eine Erntekrone für die St. Laurentius-Kirche.

Quelle: Blank

Eichsfeld. Ist das Fest vor dem Hintergrund von Globalisierung und Lebensmittel-Überfluss noch zeitgemäß? Oder sind die Feierlichkeiten rund um Erntedank nur Brauchtumspflege?  „Das Erntedankfest ist für mich aktueller denn je“, betont die Vorsitzende der Kreislandfrauenverbände im Altkreis Duderstadt, Michaela Diedrich.

„Angesichts katastrophaler Zustände in vielen Ländern der Erde sollten wir froh und dankbar sein, dass wir bei uns überhaupt ernten können“, betont die Rhumspringerin und erinnert an Tschernobyl im Jahr 1986 oder Fukushima im vergangenen Jahr. Ernten hätten nach der ersten Nuklearkatastrophe auch in Deutschland vernichtet werden müssen. Ob und wann in und um Fukushima jemals wieder geerntet werden könne, stehe in den Sternen.

Aber auch als „Feier gegen den Machbarkeitswahn“ sieht die Kreislandfrau das Erntedankfest. „An den Altar gehören ausschließlich heimische Erzeugnisse, keine Ananas und kein Kaffee aus Übersee“, betont Diedrich rigoros. Jeder Verbraucher, egal welcher Konfession, solle sich an Erntedank auf das Wesentliche  besinnen, für das Grundsätzliche bedanken: „Das Fest muss auch ein Statement gegen den Überfluss und die Wegwerf-Mentalität sein.“ Die Waren regionaler Erzeuger zu kaufen, einen höheren Preis für bessere Qualität zu bezahlen, bedeutet für Diedrich nicht nur bewusste, gesunde und jahreszeitlich angepasste Ernährung, sondern auch die Anerkennung des Verbrauchers gegenüber dem Erzeuger: „Ich honoriere, dass Menschen im Schweiße ihres Angesichts meine Lebensmittel gepflegt und produziert haben. Ich gebe den Nahrungsmitteln wieder einen Wert, den sie oft schon verloren haben.“

Verbunden mit dem Erntedankfest ist für Diedrich auch ein Lehrauftrag für die „mittlere Generation“, zu der sie sich auch selbst zählt. „Wir müssen unseren Kindern die Konsequenzen der Wegwerfgesellschaft vor Augen führen, uns für ein Umdenken stark machen.“ Ressourcen und Geld würden immer knapper, so die Rhumspringerin, vielen Kindern seien die Zusammenhänge zwischen Natur, Landwirtschaft und Konsum nicht bekannt. Die Suppe komme eben nicht nur aus der Tüte oder die Milch aus dem Tetra-Pack: „Wir als mittlere Generation leben mit dem Neuen, haben aber noch das Alte kennengelernt. Das müssen wir an  unsere Kinder weitergeben.“

Ihren Wunsch zum Erntedankfest formuliert die Kreislandfrau ohne Zögern: „Eine gute Mischung aus Tradition und Fortschritt.“

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©Richter