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Erntedank als „Feier gegen Machbarkeitswahn“ Hauptaufgabe: Ernährung der Bevölkerung

Kreislandfrauenvorsitzende

Hauptaufgabe: Ernährung der Bevölkerung

Erntedank, das klingt nach Tradition, Kirche und Bauernromantik. Bestimmt wird der Arbeitsalltag der Landwirte jedoch von Wetter, Markt und Bürokratie. Wie stellt sich Erntedank unter diesen Vorzeichen dar, fragte Ulrich Lottmann Kreislandwirt Hubert Kellner.

Jahrhundertealte Tradition: In Gieboldehausen binden Landfrauen noch eine Erntekrone für die St. Laurentius-Kirche.

© Blank

Haben die Bauern Anlass, für die Ernte 2012 dankbar zu sein – wie sind die Erträge, was machen die Preise?
Das war ein bewegtes Jahr. Wir hatten erhebliche Auswinterungen, also Frostschäden. Insbesondere das Wintergetreide ist miserabel aus dem Winter gekommen, Neusaaten in erheblichem Umfang von zirka 40 Prozent waren die Folge.  Das bedeutet doppelte Bestellungs- und Saatgutkosten. Generell war der Witterungsverlauf spannend – mit einer mäßigen Erntemenge, dafür aber guten Getreidepreisen. Des Einen Freud, des Anderen Leid: Unsere Veredlungsbetriebe müssen sich mit höheren Produktionskosten auseinandersetzen. Abgeschlossen ist die Ernte übrigens noch nicht: Zuckerrüben und Mais stehen zum Teil noch auf den Flächen. Insgesamt kann man aber jetzt schon sagen: Wir können mit der Ernte zufrieden und dankbar sein.

Wie sieht es mit der Dankbarkeit gegenüber den Landwirten aus – erleben Sie Wertschätzung ihrer Arbeit oder Ignoranz?
Das ist eine schwierige Frage. Oft stehen wir in der öffentlich wahrgenommenen Diskussion in den Medien im Schussfeld. Wir verspüren die kritischen Nachfragen hinsichtlich der schnellen Entwicklung unserer Betriebe. Wir müssen und wir können darauf verlässliche Antworten geben. Vertrauen können wir aber nur sichern, wenn wir mehr Mitbürger in unsere Betriebe schauen lassen und offen zeigen was wir Bauern tun, denn wir leben in und mit der Schöpfung. Wir spüren bei Hoffesten, Bauernmärkten oder in persönlichen Gesprächen fast immer Anerkennung und Wertschätzung unserer Arbeit. Unsere Hauptaufgabe ist und bleibt die Ernährung der Bevölkerung mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln.

Wie entwickeln sich die Arbeitsbedingungen für Landwirte, erwarten Sie einen ungetrübten Erntedank in 2013?
Ungetrübt ist Erntedank eigentlich nie, etwas besser ginge es immer noch, Wünsche bleiben unerfüllt. Neben der Abhängigkeit vom Wetter ist es die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen. Hier gibt es aus Sicht der Landwirtschaft viele Wünsche, angefangen von der eigenen Kommune bis hin nach Brüssel – viele Verordnungen sind für uns nicht mehr nachvollziehbar: Da wird beispielsweise die Stilllegungsverpflichtung vor wenigen Jahren abgeschafft, nun soll sie, unter dem Deckmantel „Greening” (Maßnahmen für Artenvielfalt und Bodenschutz, Anm. d. Red.), mit sieben Prozent wieder eingeführt werden. Das ist vor allem im Kontext der kritischen Diskussion rund um die „Energie vom Acker” nicht mehr vermittelbar. Ich bin mir sicher, dass auch 2013 wieder ein anspruchsvolles Jahr für die Landwirtschaft werden wird. Trotz widriger Umstände werden wir auch im nächsten Jahr wieder Anlass haben, Danke zu sagen.

Herbstfest in Rhumspringe

©Richter