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Fast 700 Christen feiern 500 Jahre Reformation

Duderstadt Fast 700 Christen feiern 500 Jahre Reformation

Fast 700 Christen haben in der Duderstädter St.-Servatiuskirche das Reformationsjubiläum gefeiert. „500 Jahre im Geiste unseres Glaubens“, wie Pastor Jens-Arne Edelmann in der Begrüßung erklärte. Zusätzlich zum Reformator Martin Luther wurde im Gottesdienst auch die Ökumene mehrfach thematisiert.

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Als Martin Luther ist Pastor Jens-Arne Edelmann eine Entdeckungstour im Jubiläumsjahr gegangen.
 

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt.  „Wir sind dankbar für 500 Jahre Glaube und Zuversicht“, sagte Jens-Arne Edelmann zu Beginn der gemeinsamen Feier der sechs evangelisch-lutherischen Gemeinden im Eichsfeld aus Bilshausen, Duderstadt, Gieboldehausen, Hilkerode, Lindau und Wollershausen. Die Reformatoren hätten ihren Beitrag dazu geleistet, dass das Evangelium wieder über den Menschen leuchte. Er begrüßte, dass die katholische und evangelischen Kirche Jubiläen anders als in den vergangenen Jahrhunderten gemeinsam feiern würden. Und so besuchten auch zahlreiche Mitglieder der katholischen Gemeinden den Gottesdienst in St. Servatius.

„Wir werden uns weiter annähern und eines Tages auch irdisch eins werden“, ist sich Pastor Edelmann sicher. Auch in einer der Fürbitten wurde um die Ökumene und die eine weltweite Kirche gebeten: „Öffne die Türen der Kirchen und die Herzen der Menschen, damit wir zueinander finden.“ Die mehrfache Thematisierung der Ökumene begrüßte auch der katholische Propst Bernd Galluschke im Anschluss an den Gottesdienst. Es sei in den vergangenen Jahren bereits sehr viel in dieser Richtung geschehen, doch seien die Kirchen immer noch im Stadium des gegenseitigen Kennenlernens. „Das ist wie in einer Ehe oder einer Freundschaft. Je besser man sich irgendwann kennt, desto mehr ist möglich.“ Bis zu einem gemeinsamen Abendmahl müssten aber noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden.

Luther auf Entdeckungsreise im Jahr 2017

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand natürlich das Wirken des Reformators Martin Luther. „Was wäre, wenn er heute zu uns käme?“, fragte Pastorin Claudia Edelmann in der Einleitung zur Predigt. Was würde er wiederfinden? „Provokant gefragt: Außer Thesen nix gewesen?“ Luther habe ein Erbe hinterlassen, dessen sich die Menschen gar nicht immer bewusst sein. „Folgen wir ihm auf seiner Entdeckungsreise im Untereichsfeld im Jahre des Herrn 2017“, kündigte sie ein Predigtspiel an. Pastor Edelmann schlüpfte in die Rolle und das Gewand Martin Luthers. Es sei der 31. Oktober und da habe er daran gedacht, dass er vor 500 Jahren Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen habe. „Mensch hat das geknallt damals“, erinnerte sich Luther. Manche hätten später gesagt, „unter den kräftigen Schlägen des Mönches Martin Luther sei das finstere Mittelalter zusammengebrochen“. Als er die Thesen angeschlagen habe, habe er aber kein Mittelalter zusammenbrechen sehen. Er habe die Thesen seinem Bischof in Mainz gesandt, aber der habe sich gesagt „Meins bleibt meins“ und mit dem Ablass kräftig Geld gescheffelt. Auch der Papst habe sich nicht um sie gekümmert. Überrascht ist Luther im Rollenspiel, dass die Kirche so voll ist – etwas, dass er mit Pastor Edelmann gemeinsam hat, der erklärte, dass er mit solch einer Resonanz nicht gerechnet habe. „Wir haben mehr Besucher als Plätze“, musste dieser feststellen.

Zentraler Festgottesdienst mit Abendmahl in der St.-Servatius-Kirche anlässlich von 500 Jahren Reformation mit anschließendem Kirchencafé.

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Bei seiner Entdeckungsreise traf Luther zunächst auf eine Reinigungsfrau. Er erzählte ihr, dass er damals gesagt habe: „Wenn eine Magd ihr Haus fegt, dann feiert sie einen Gottesdienst.“ Denn Gott habe jeden an seinen Platz gestellt, ihn auf die Kanzel und die Putzfrau an den Schrubber. Jeder habe dort seinen Platz im Leben, wo Gott ihn hingestellt habe. Was er dort mache, sei Dienst für Gott. Was die Berufe angehe, sei er überzeugt, habe jeder seine Berufung. In der Folge wies ihn eine Schülerin hin, dass seine Ansichten veraltet seien, wenn er der Meinung sei, dass eine Frau keine hohe Wissenschaft brauche, sondern Rechnen und Schreiben ausreiche. „Gott ist unfassbar ... sogar Mädchen studieren“, sagte der verwunderte Luther, der auch auf die Bürgermeisterin von Hilkerode traf. „Schön, Sie kennenzulernen“, begrüßte diese den Reformator. „Sie sind ja gar nicht so polterig gegen die Hexen, gegen Juden, gegen den Papst, gegen alle, die Ihnen nicht passen.“

Nach seinen Begegnungen sinnierte Luther: „Unglaublich, wo sich heutzutage alles Frauen finden. Was meine Reformation alles bewirkt hat, habe ich so radikal nie gewollt.“ Gott gehe seine eigenen Wege. Vielleicht gebe es irgendwann sogar Pastorinnen. „Entscheidend ist ja, dass das Evangelium klingt – egal ob durch Männer oder Frauen.“ Auch nach 500 Jahren gelte, was er damals gesagt habe: „Christus will, dass alle Menschen selig werden, in welchem Stand sie auch sind.“

Von Rüdiger Franke

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