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Fangen wird seit der Steinzeit gespielt

Ferienaktion im Heimatmuseum Fangen wird seit der Steinzeit gespielt

Kinder haben zu allen Zeiten gespielt - auch als es noch keine Games auf dem iPhone gab. Welche Spiele es früher gab und wie Kinder vor Jahrhunderten gelebt haben, erfuhren die Teilnehmer bei der Ferienaktion im Heimatmuseum von der Museumspädagogin Sandra Kästner.

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Quelle: CH

Duderstadt. Zur Einstimmung kramte die Fachfrau in ihrer Schatzkiste, und die Kinder durften raten, was da zum Vorschein kam - und vor allem, wofür das mal gebraucht wurde. Ein rundes Lederding mit Schafswolle gefüllt? „Ein Ball!“, hatte Levi schnell erraten. Früher traten die Kinder also gegen Wollkugeln, um Fußball zu spielen. Aber es gab auch schon mit Luft gefüllte Bälle, erzählte Kästner und zog ein zerknittertes Ding hervor, das aussah wie Wurstpelle. Tatsächlich, genau solche Tierblasen, worin im Eichsfeld auch die Kälberblase hergestellt wird, wurden früher für Ballspiele aufgepustet wie ein Luftballon.

Der flämische Maler Pieter Bruegel der Ältere hielt im Jahr 1560 mehr als 80 Kinderspiele auf einem ebenso benannten Bild fest. Die Kinder im Museum guckten sich das Bild genau an und erkannten einiges, was sie selbst noch spielten: Fangen zum Beispiel. Anderes erklärte Kästner und gab jedem ein paar Murmeln aus Ton oder kleine Tierknochen in die Hand, die zu einem Geschicklichkeitsspiel gebraucht wurden. Auch Brettspiele wie Mühle schienen die Kinder im Mittelalter schon zu kennen. „Das Spielbrett wurde einfach in den Fußboden oder auf den Tisch geritzt“, erzählte Kästner den staunenden Kindern.

Viele Sachen gab es zum Ausprobieren. Um zu zeigen, was die Kinder im Alltag anzogen, erklärte sich Marlena bereit, ein Unterkleid aus Leinen und ein rotes Überkleid überzuziehen. Plötzlich sah sie aus wie ein Mädchen aus dem Mittelalter. Arme Kinder besaßen damals nur das einfache Unterkleid, reichere erkannte man daran, dass sie mehr Stoff trugen - wie jetzt Marlena. Stoff herzustellen und einzufärben war äußerst zeitaufwendig und teuer, erklärte die Museumspädagogin und zeigte auch einige Exponate in den Schaukästen des Museums, die das Leben im Mittelalter noch anschaulicher machten.

Noch anders lebten die Kinder in der Steinzeit. Die mussten nämlich schon lernen zu jagen und Dinge herzustellen, um zu überleben. Aber auch ohne Spielzeug kann man spielen, Fangen oder Verstecken zum Beispiel, errieten die Kinder im Museum. Dennoch haben Kinder zu allen Zeiten Dinge selbst hergestellt, mit denen sie spielen konnten. In der Steinzeit schnitzte man kleine Flöten aus Tierknochen, später wurden aus Ton kleine Murmeln geformt. Auch bei der Museumsaktion durften die Kinder noch aktiv und kreativ werden. Auf Schiefertafeln wurde ausprobiert, wie das Schreiben mit Kreide funktioniert, und aus Filz wurden kleine Spieletaschen gebastelt. Die Spielsteine konnte man dort hineinpacken, und auf der Rückseite der Tasche war das Spielbrett aufgezeichnet.

„Mit der Museumsaktion im Ferienprogramm soll den Kinder auch ein Denkanstoß gegeben werden, kreativ zu werden, sich Spiele selber auszudenken oder einfach raus zu gehen und sich in der Natur etwas zum Spielen zu suchen“, sagte Kästner.Wer die Aktion verpasst hat, hat am Dienstag, 25. Juli, im Brotmuseum in Ebergötzen und am Mittwoch, 26. Juli, im Obernfelder Heimatmuseum die Chance teilzunehmen. Auch dort wird unter dem Motto „Ene mene muh, und raus bist du“ die Spiel- und Bastelaktion mit historischem Hintergrund angeboten. Beginn ist jeweils um 15 Uhr.

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