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Für tot erklärt - und doch lebendig

Fernsehen berichtet über Christa Kellner Für tot erklärt - und doch lebendig

Beinahe zwei Jahre ist es her, seit Esplingerode dem Tode geweiht wurde. In einem " Die gebeutelte Provinz" überschriebenen Artikel zog der Journalist Claus Christian Malzahn in der Zeitung "Die Welt" den kleinen Ort bei Duderstadt als Paradebeispiel für ein von Abwanderung gebeuteltes Dorf mitten in Deutschland heran.

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Mit viel Schwung ist es Christa Kellner gelungen, ihrem Traum ein Stück näher zu kommen: einem Generationentreffpunkt.

Quelle: Niklas Richter

Esplingerode. Schrumpfende Einwohnerzahlen, kaum Arbeitsplätze, kein Baugebiet und Leerstände, die nicht genutzt werden konnten. Christa Kellner, die sich als CDU-Mitglied im Ortsrat engagiert und sich vielfältig für die Belange im Ort einsetzt, hatte damals zähneknirschend zugeben müssen, dass sich ihr Ort in einem Zustand des Siechtums befinde.

Aus der Not hat die engagierte Esplingeröderin eine Tugend gemacht: Sie trommelte die Menschen im Dorf zusammen. Gemeinsam stimmten sie zu, dass der NDR einen Beitrag zum Thema "Demografischer Wandel" recherchieren durfte - über Monate hinweg waren immer wieder Fernsehteams in Esplingerode zu Gast - und Esplingerode bekam neue Aufmerksamkeit gewidmet. "Das Fernsehen hat einen richtigen Ruck reingebracht", sagt Kellner.

Inzwischen habe sich einiges verändert - zum Positiven: Die Einwohnerzahl sei seit zwei Jahren nahezu gleich geblieben, berichtet die Landwirtin. Sie ging von im Jahr 134 2014 auf heute 133 zurück. Prophezeit hatte Kellner, dass 2024 keine dreistellige Zahl mehr möglich sei. "Wenn es so weitergeht, haben wir die Kurve gekriegt", sagt sie. Der Altersdurchschnitt sei niedrig. Dank der Möglichkeit, ein Mini-Baugebiet von weniger als einem Hektar Fläche auszuweisen, gebe es jetzt die Option auf fünf neue Bauplätze im Ort - sofern sich Investoren finden, die Kellner auf allen ihr bekannten Wegen sucht. "Bei uns können Kinder noch auf der Straße spielen, trotzdem ist man mit dem Auto in ein paar Minuten in der Stadt", wirbt sie. Im Sommer seien beinahe alle Wege mit dem Rad zu erledigen, bei schlechtem Wetter gebe es eine gute Busverbindung. Die Vorteile des Landlebens bringt sie glaubhaft herüber. Wenn es nun noch ein Einkaufsmöglichkeit gebe wie die des "rollenden Supermarktes", der bis vor einiger Zeit den Ort angefahren hatte, oder das Mehrgenerationenhaus, von dem Kellner so lange träumt - dann glaubt sie, könne Esplingerode zu einem "Paradies" werden für die, die der Hektik und Anonymität des Stadtlebens entfliehen wollten. Mit den neuen Bauplätzen hofft Kellner zugleich, der Landflucht entgegenwirken zu können, unter der Esplingerode wie viele andere kleine Orte leidet - und die seinerzeit der Anlass für den Artikel war, der das Dorf überregional bekannt machte. Platz für junge Familien zu schaffen gehörte damals zu den Wunschträumen der heute 60-Jährigen. Mit Hartnäckigkeit und der Unterstützung des Duderstädter Bürgermeisters Wolfgang Nolte (CDU) ist sie heute beinahe am Ziel.

Bereits umgesetzt sei ein Vorschlag von Müttern, für den Spielplatz einen neuen Standort zu suchen. Mit Hilfe eines Energieversorgers gelang es ihr, eine neue Schaukel anzuschaffen. Ihre Ortsratskollegen überzeugte Kellner, sich mit einem Sandkasten zu beteiligen, die Rutsche wurde vom alten auf den neuen Spielplatz bugsiert. Im Frühjahr soll nun mit der Hilfe von Freiwilligen ein Bauwagen flott gemacht werden, den der Ortsrat der Realgemeinde für kleines Geld abgekauft hat. Sparkasse, private Spender und der Ortsrat halfen einmal mehr. Dann soll der Spielplatz perfekt ausgestattet sein.

Innerhalb des Dorfes den Spielplatz von einem an den anderen Ort zu verlegen, klingt verrückt. Welchen Sinn sollte es haben, wenn beide Orte wenige Schritte zu Fuß voneinander entfernt liegen? Kellner hat noch einen zweiten Wunsch außer dem Baugebiet: ein Dorfmittelpunkt soll entstehen, ein Treffpunkt für alle Generationen. Und der soll nun einmal in der Nähe des Bolzplatzes sein, den es seit dem vergangenen Jahr gibt. Und in der Nähe er Alten Schule, in der sich heute die Mehrzweckhalle befindet. Und in der Nähe der kleinen Außenanlagen, für die Kellner noch einen Wunsch hegt. Ein Mensch-Ärgere-Dich-Spiel im XXL-Format soll Kinder und Senioren zusammenbringen, stellt sich Kellner vor. Jetzt sucht sie wieder Sponsoren für ein Spiel, dessen Name wie die Lebenseinstellung der Esplingeöderin klingt.

Esplingerode im Fernsehen

„Eine Frau kämpft um ihr Dorf“ lautet der Titel des Beitrags über Esplingerode, den das NDR-Fernsehen am Freitag, 11. März, zeigen will. Beginn ist um 21.15 Uhr. NDR-Autor Thomas Karp begleitete Christa Kellner mit einem Kamerateam bei ihrem Kampf gegen das Dorfsterben. Derzeit prüft Kellner, ob es die Möglichkeit gibt, ihn mit der Dorfgemeinschaft zusammen zu sehen.

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©Richter