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Fest der Einheit in Teistungen beginnt und endet mit Musik aus Ost und West

Tausende rocken bis zur Trabiparade Fest der Einheit in Teistungen beginnt und endet mit Musik aus Ost und West

Ein „Fest der Freiheit“ an authentischem Ort hat am Sonnabend Teistungens Ortsbürgermeister Horst Dornieden (CDU) eröffnet. Zwei Tage lang feierten Ober- und Untereichsfelder gemeinsam das Jubiläum des Tages der Grenzöffnung mit Musik, Gottesdienst, Sternwanderungen und einem Familienfest.

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„Am Fenster“: City präsentieren im Festzelt am Grenzlandmuseum ihre Klassiker.

Quelle: Schauenberg

Teistungen. „Vor 25 Jahren sorgte die Friedliche Revolution der Menschen in der damaligen DDR für den Fall der menschenverachtenden und brutalen Mauer“, blickte Dornieden zurück auf die Zeit des Endes der deutsch-deutschen Teilung, die „wohl in keinem anderen Teil Deutschlands so schmerzhaft empfunden wurde wie im Eichsfeld“.

In seinen Worten erinnerte er an ein „unüberwindbares Bollwerk“, das mehr als 40 Jahre lang Deutschland, das Eichsfeld, Familien und wirtschaftliche Bande trennte. Der Vorsitzende des Trägervereins des Grenzlandmuseums erwähnte auch die SED-Diktatur im „sozialistischen Unrechtsstaat“, Freiheitsberaubung, Angst und Tod an der Grenze. „Wir haben die Verpflichtung, daran zu erinnern“, mahnte er.

Das Anliegen einer weitreichenden Erinnerungskultur nahm auch Gerold Wucherpfennig auf, der statt des erkrankten Ottobock-Chefs Hans Georg Näder sprach und die Bedeutung des Grenzlandmuseums hervorhob. Der Vertreter des Heimat- und Verkehrsverbandes, der Mitglied der CDU im Thüringer Landtag ist, nannte eine Reihe historischer Teilungen des Eichsfeldes.

Dabei gehöre es zu den großen Stärken der Region, besonders eng beieinander zu stehen: „Eichsfelder sind nicht Niedersachsen, Thüringer oder Hessen“, sagte er: „Sie sind Eichsfelder.“

Inwiefern Ober- und Untereichsfeld in den vergangenen 25 Jahren zusammengewachsen sind, erläuterte Dornieden. Verbesserte Infrastruktur und wirtschaftlicher Aufwind seien dafür nur Beispiele. „Es geht uns gut“, fasste er zusammen, „deshalb haben wir allen Grund zu feiern.“

Vereinigung im Eichsfeldlied

Genau das taten die Eichsfelder von Sonnabendmittag an: Zum Auftakt boten die Veranstalter ein Festival sieben Eichsfelder Chöre aus Ost und West. Es traten der Gemischte Chor St. Bernhardus aus Hausen, der Gemischte Chor Tiftlingerode, der Männerchor Concordia Hundshagen, der Männerchor Fuhrbach, der Kirchenchor Weißenborn-Lüderode, der Männergesangverein St. Joseph Seeburg und der Gemischte Chor „Viva Musica“ aus Teistungen auf.

„Hier erfahren Sie gelebte deutsche Einheit“, moderierte Martin Henning, Leiter des gastgebenden Gesangvereins Chor an. Auch in die Stückauswahl war das Thema eingeflossen. So präsentierten zu Beginn die Sänger aus Hausen eine Chorversion des Marius-Müller-Westernhagen-Klassikers „Freiheit“, der während in Zeiten der Grenzöffnung und Wiedervereinigung zur Hymne wurde.

Impressionen vom Fest der Einheit in Teistungen.

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Unter demselben Titel präsentierten die Teistunger ein eigens zu diesem Anlass getextetes Lied. Wie sehr sie – auch musikalischer – zusammenstehen, demonstrierten die Sänger: Zusammen präsentierten sie „Brüder, reicht die Hand zum Bunde“ und das Eichsfeldlied – und animierten die Zuschauer im zum Nachmittag hin gut gefüllten Zelt zum Mitsingen.

Pink Floyd zum Einstieg

Deutlich rockigere Töne als die Sänger am Nachmittag schlugen abends die Rambling Stamps und Rockpirat an. Ihr Konzert unter dem Motto „The Wall (has fallen)“ begann, nach einem eindrucksvollen Intro, das Herzschlagbässe mit Samples von Originaltönen verband. Passend zum Motto eröffneten die Rambling Stamps mit einer Coverversion von Pink Floyds „Another Brick in the Wall“.

Im Anschluss boten sie Rock und Indie inklusive eigenen Interpretationen von Stücken, beispielsweise der Band Placebo. Rockpirat taten, was Piraten eben so tun: Sie plünderten, und zwar in der Musikgeschichte. Auch sie passten ihr Repertoire dem Anlass des Festes an und spielten – professionell und mit viel Anheizpotenzial für die mehr als 1000 Gäste im Zelt – viele Deutschrocksongs, unter anderem aus den 80er-Jahren.

Scorpions im Gottesdienst

Ein Classic-Rock-Song stand auch im Mittelpunkt des Gottesdienstes, den Katholiken aus Ost und West gemeinsam mit den Pröpsten Bernd Galluschke aus Duderstadt und Hartmut Gremler aus Heiligenstadt feierten: „Wind of Change“ der Scorpions war nicht nur vom Band, sondern auch aus rund 3000 Kehlen während der Hubertusmesse zu hören. „Eine Wunde haben wir bereits geheilt“, sagte er und meinte damit die Zusammenführung der beiden Teile Deutschlands.

Eine weitere Wiedervereinigung müssten sich die Gläubigen aber noch erarbeiten: die der beiden Kirchen. Der Gottesdienst unter Mitgestaltung der Jägerchors der Gägerschaften Worbis und Duderstadt bereitete die Gäste auf ein Familienfest vor, an dem Tausende Menschen teilnahmen.

„Wie schön, dass diese Mauer fiel“, ertönte er kurze Zeit später vielstimmig im Saal: Rolf Zuckowski brachte nicht nur die Kinder dreier Eichsfelder Chöre auf der Bühne zum Singen, sondern auch Mädchen und Jungen, Eltern und Großeltern in den Sitzreihen im proppevollen Zelt. Der Clou des Liedes: Es wurde auf „Wie schön, dass Du geboren bist“ gesungen – und jeder konnte mitmachen.

Zuckowski gelang es, zu begeistern, Freude und Fröhlichkeit zu verbreiten und zugleich auf die Ernsthaftigkeit des Anlasses einzugehen. So sangen er und die Besucher vom „Vater-, Mutter-, Kinderland“ und vom Brückenbau. Eine Überraschung hatte der Kinderliederinterpret in petto: Zum Abschluss durften alle gemeinsam „In der Weihnachtsbäckerei“ singen – das Lied, auf das offenbar alle nur gewartet hatten. „An einem solchen Tag darf man ruhig ein wenig verrückt sein“, kommentierte er schmunzelnd.

Einen ersten Wunsch, der sich nach dem berührenden Konzert möglicherweise auf dem Wunschzettel einiger Eichsfelder Kinder befinden dürfte, formulierte Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) bereits im Vorfeld: Vor offenen Mikros bat er Zuckowski, im kommenden Jahr wieder zu kommen und die Feierlichkeiten zu 25 Jahren Deutscher Einheit zu begleiten. Tosender Applaus unterstützte das Anliegen.

Dann gab Zuckowski die Bühne frei für den Lederhosenexpress – und damit für Blasmusik, die die Zuschauer im Saal zum Schunkeln brachte.

Lederjackenrock löst Blasmusik ab

Eher Lederjacken als Lederhosen waren dann am Abend zu sehen: Das Andi Wölk Trio, City und Matthias Reim lieferten die volle Ladung Rock. Den Einheizer machten Andi Wölk und seine Mitstreiter Heiko Meissner und Daniel Solf mit entspannten Coverversionen. Abgelöst wurden sie von einer der bekanntesten Bands der Kategorie „Ostrock“: City. „Am Fenster“, das bekannteste Stück der Gruppe, musste nur anklingen, schon brach tosender Applaus los.

Auch Matthias Reim, Headliner des Abends, hatte seine Hits im Gepäck. „Verdammt, ich lieb‘ dich“ wurde ebenso frenetisch gefeiert wie „Ich hab‘ geträumt von dir“ und andere Songs des heite 56-Jährigen. Im Anschluss wurden aus Tänzern Grenzgänger: Gemeinsam machten sich hunderte Besucher auf zu einem Fußmarsch zum nahegelegenen Grenzübergang.

In Erinnerung an die Ereignisse vor 25 Jahren wurden sie dort von einer Trabi-Parade, an der zudem weitere DDR-Fahrzeuge teilnahmen, empfangen. Mit einer Großbildprojektion und einem Feuerwerk klangen die Feierlichkeiten aus. Eichsfelder aus Ost und West beendeten das „Fest der Freiheit“ an dem Ort, der sie bis vor 25 Jahren voneinander trennte.

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©Richter