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Fliegende Fahrräder brauchen mehr Platz

BMX-Fahrer Fliegende Fahrräder brauchen mehr Platz

Jakob kommt in Fahrt, stoppt dann das Vorderrad mit dem Fuß, und das Hinterrad springt in die Luft. „Das ist ein Footjam“, erklärt er. Ecilio zeigt den „180“ (wird englisch ausgesprochen: hundred eighty): Er fährt die Rampe – im BMX-Fachjargon: die Funbox – hinauf, lässt das Fahrrad in die Luft fliegen und dreht sich damit um 180 Grad.

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Sucht neue Herausforderungen: Ecilio übt Tricks und beherrscht mit dem BMX-Rad den Flug über die Rampe.

Quelle: Blank

„Das wichtigste beim BMX-Fahren ist ein gutes Gleichgewicht“, erklärt Marc, der den Bunny Hop, bei dem das Fahrrad mit beiden Rädern in die Luft springt, demonstriert. Das sei sozusagen die Einsteiger-Übung, sind sich die zehn Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren einig. Fast täglich treffen sie sich vor dem Duderstädter Jugendfreizeitheim (Jufi) und trainieren Stunts und Tricks mit ihren BMX-Rädern. Diese haben weder Licht noch Bremsen. „Das bringt alles zu viel Gewicht auf die Räder, verbiegt sich oder ist dauernd kaputt“, sagt Niklas. Und wie wird gebremst? „Mit den Füßen“, erklärt Mateo und zeigt seine abgewetzten Schuhsohlen.

Um Tricks – so heißen die Kunststücke auf dem BMX-Rad – zu trainieren, gibt es vor dem Jufi die Funbox und auf den Talwiesen noch ein paar Hindernisse, die die Stadt vor einiger Zeit dort aufbauen ließ. Doch die BMX-Szene wächst, und die Jugendlichen klagen über zu wenig Platz und über den schlechten Zustand der Strecke auf den Talwiesen. „Bei schlechtem Wetter ist dort alles schlammig, und jetzt im Sommer wächst das Gras so hoch, dass ich die Rampe nicht mehr richtig sehen konnte und gestürzt bin“, erzählt David. Die Jungen haben selbst schon versucht, die Strecke in Ordnung zu halten, „aber so richtig gut wird es eben nicht ohne Rasenmäher“, sagen sie.

So wird gebremst: mit Schuhen.

Quelle: Blank

Wer die Basics (also Bunny Hop und solche Sachen) beherrscht, würde gern weiterkommen, aber dazu seien die Trainingsmöglichkeiten in Duderstadt sehr eingeschränkt, finden die Jungen. „Wir haben uns schon an die Stadt gewendet und sind zum Ortsrat gegangen. Aber wir wurden immer vertröstet. Erst hieß es: Vor Weihnachten wird was für uns gemacht, dann vor dem Tag der Niedersachsen, aber bis heute ist nichts passiert“, schildert Florian die Versuche der Jugendlichen, die Lage für die BMXler zu verbessern. Im Kern seien zurzeit regelmäßig um die 30 Fahrer im Alter zwischen acht und 20 Jahren auf der Rampe zu treffen, „und es würden noch mehr kommen, wenn es hier bessere Bedingungen gäbe“, ist sich der 15-Jährige sicher. Die Rampe sei schon mit zehn Leuten mehr als ausgelastet, zumal ein Element der Funbox vor einigen Jahren kurz nach dem Aufbau geklaut worden war und bisher nicht erneuert wurde. „Am besten wäre eine Halle, wo wir bei jedem Wetter trainieren könnten.

Neue BMX-Fahrer sind willkommen: Eichsfelder Fahrrad-Künstler.

Quelle: Blank

Es gibt doch geeignete Leerstände in Duderstadt, zum Beispiel im ehemaligen Edeka-Markt“, macht Florian Vorschläge. Um besser trainieren zu können, fährt er zusammen mit Ecilio mit dem BMX-Rad bis Leinefelde und Mühlhausen, wo es Parks und Hallen für Cross-Fahrer gibt. „Aber es fährt sich nicht gut bis dorthin, weil die meiste Strecke Schnellstraße ist und wir immer hinter der Leitplanke fahren müssen“, schildert Ecilio die Strapazen, die die Jungen nur einen guten Übungsparcours auf sich nehmen.

Auf die Frage, wie jemand zum BMX-Fahren kommt, antwortet Timo: „Ich kenne Ecilio aus der Schule, und der hat mich ein paar Mal mitgenommen. Ich durfte mir ein Rad ausleihen und ein paar Dinge ausprobieren, bis ich ein eigenes BMX-Rad hatte.“ Die anderen sind ebenfalls durch Zuschauen und durch Freunde auf diese Sportart aufmerksam geworden. Und wie lernt man das „Fliegen“ mit dem Fahrrad? „Übung macht den Meister“, sagt Jacob augenzwinkernd und ergänzt: „Mit leichteren Tricks anfangen und sich dann langsam steigern.“ Geben die Könner gerne Tipps an Neue? „Na klar. Wer nicht genau weiß, wie etwas funktioniert, dem helfen wir. Wir sind doch kein Club oder so, hier kann jeder herkommen“, betont Florian, und auch die anderen bestätigen, dass sie einem Neuen ihr Rad ausleihen würden, damit er herausfinden kann, ob BMX-Fahren sein Ding ist.

Im Gleichgewicht: Marc springt.

Quelle: Blank

Diejenigen, die auch schon schwierigere Tricks beherrschen, bedauern allerdings, dass ältere Jugendliche, die ihnen noch etwas zeigen könnten, meist schon mit dem Auto nach Mühlhausen zum Training fahren und somit nicht mehr erreichbar für Jüngere seien. „Aber die würden bestimmt hierbleiben, wenn es in Duderstadt bessere Möglichkeiten gäbe“, sind sich die Jungen einig.

Claudia Nachtwey

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