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Fluchthelfer schildert seine Erfahrungen

Im geteilten Berlin Fluchthelfer schildert seine Erfahrungen

Wie er DDR-Flüchtlingen geholfen hat, hat der frühere Fluchthelfer Klaus von Keussler jüngst dem Publikum im Grenzlandmuseum Eichsfeld geschildert - und das Publikum mit einer Offenbarung überrascht.

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Beim Überwinden der Mauer in Berlin half Fluchthelfer Klaus von Keussler.

Quelle: dpa

Teistungen. Von Keussler gehörte zur Gruppe um Wolfgang Fuchs – Junge Westberliner, großteils Studenten, die in den den 60er- und 70er-Jahren auf unterschiedliche Weise DDR-Bürgern bei der Flucht in den Westen halfen.

Teil des Widerstandes

Angefangen hat es bei von Keussler mit dem Mauerbau: „Ich erinnere ich mich noch gut an die dramatischen Worte des Nachrichtensenders RIAS, als die Soldaten der DDR begannen, am Brandenburger Tor das Pflaster aufzureissen“, schildert er. Zu Fluchthelfern wurden er und seine Mitstreiter „weil wir glaubten, das ist Teil des politischen Widerstands gegen die Teilung Deutschlands“.

Es folgte jahrelanges Engagement: DDR-Bürger, die durch den Kugelhagel der Grenztruppen sprinteten und gewagte, heimliche Aktionen. Mit Hilfe von Pfeil und Bogen schossen sie beispielsweise von Haus zu Haus ein Seil über die Mauer hinweg.

„Wege zur Freiheit“

Auch Schüler der Regelschule Worbis lauschten dem Vortrag von Keusslers.

In dem Projekt „Wege zur Freiheit“ beschäftigten sie sich unter anderem mit der DDR-Geschichte und dem früheren Grenzregime. Unterstützt wird das Vorhaben vom Grenzlandmuseum Eichsfeld und dem Bundesfamilienministerium.

Während unten die Grenzer patroulliert seien, habe sich sich in 20 Metern Höhe ein Flüchtling entlang des Seils gehangelt, erzählt von Keussler. „Der kam offensichtlich in seinem besten Anzug, erinnert er sich. „Aber die Hände waren blutverschmiert“ - die am Seil montierte Kurbel hatte nicht funktioniert.

Noch dramatischer war der Tunnelbau: Mehrere Anläufe scheiterten, ehe es den Fluchthelfern gelang, 1964 den 145 Meter langen sogenannten „Tunnel 57“  zu bauen. Auf der DDR-Seite halfen sie den Flüchtlingen beim Einstieg – mit einer Pistole bewaffnet, denn „wir waren entschlossen uns im Notfall zu verteidigen“, sagt von Keussler.

"Was empfinden Sie?"

Der trat ein, die Staatsicherheit entdeckte den Tunnel, nachdem bereits 57 Menschen entkommen waren. Bei der Schießerei starb ein Grenzer -wie sich erst nach dem Mauerfall herausstellte, durch die Kugeln seiner Kameraden.

Zum Schluss die Frage aus dem Publikum: „Was empfinden Sie, wenn Sie heute junge Menschen sehen, die Flüchtlingen beispielsweise in Griechenland helfen?“ „Ich finde das durchaus positiv“, sagt von Keussler, auch wenn er betont, dass es unterschiedliche Situationen seien.

Aber er habe selber die Vormundschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling übernommen und „ich verstehe nicht, wieso so viel über Flüchtlinge von vor 50 Jahren gesprochen wird, wo es doch heute auch so viele gibt“.

Von Christoph Höland

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