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Flüchtlinge im Rosenthaler Hof in Westerode sollen ihre Religion ausüben können

Glauben Flüchtlinge im Rosenthaler Hof in Westerode sollen ihre Religion ausüben können

Sie haben eine gepflegte, sichere Unterkunft, gut und ausreichend zu essen, ärztliche Versorgung und ein Taschengeld, um persönliche Dinge anzuschaffen. Die Flüchtlinge, die im Rosenthaler Hof aufgenommen werden, werden von der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen und dem Landkreis Göttingen mit dem Wichtigsten ausgestattet.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Westerode. Seit Ehrenamtliche wie die Pfadfinder und Firmlinge für ein Freizeitprogramm sorgen, ist selbst die Langeweile kein Problem mehr. Doch: Ist das genug, um Menschen die Hilfe und Unterstützung zu bieten, die sie nach ihrer Ankunft in Westerode brauchen? Propst Bernd Galluschke und Hoteldirektor Eckhard Melz meinen: Nein. Auf ihre Initiative hin besuchte am Sonnabend Hazem Al-Dalati, muslimischer Notfallseelsorger aus Herzberg, den Rosenthaler Hof zu einem Gespräch, an dem auch die Integrationsbeauftragte Regina Steffens-Grosche und Diakon Kevin Dehne teilnahmen. Das Thema des Treffens: Wie gelingt es, den Menschen aus aller Welt eine Möglichkeit zur Ruhe, zur Meditation und Spiritualität zu geben?

Einen Gebetsraum für jede Glaubensrichtung vorzuhalten, sei schlicht unmöglich, erklärte Melz, der vorschlug, stattdessen einen gemeinsamen Raum der Besinnung einzurichten. Darin hingegen sah Al-Dalati ein Problem: Die Glaubenspraxis sei in einigen Punkten nur schwer zu vereinen: Während Christen mit Schuhen eine Kirche beträten, müsse ein muslimischer Gebetsraum rein sein, oder es müssten Teppiche zur Verfügung stehen. Während es im Islam ein Bilderverbot gebe, hinge in christlichen Gebetsräumen ein Kreuz, benannte er beispielhaft Unterschiede.

Die Beteiligten einigten sich schließlich darauf, dass das Hotel einen abschließbaren, ruhigen Raum als Rückzugsmöglichkeit stellen soll. In einem Vorraum sollen Bibel und Koran in arabischer und englischer Sprache zur Verfügung stehen, außerdem Gebetsteppiche für die Muslime. Der zweite Bereich des Raumes dürfe nur barfuß betreten werden. „Außerdem sollte die Ausrichtung nach Mekka gekennzeichnet sein", merkte Al-Dalati an.

Zusätzlich sollen im Hotel Informationen zu den christlichen Gottesdiensten in den katholischen und evangelischen Gemeinden in Westerode und Duderstadt ausgehängt werden. „Diese Informationen könnten bei den Besuchen der Sozialarbeiter durch Dolmetscher in der jeweiligen Muttersprache der Flüchtlinge weitergegeben werden", schlug Al-Dalati vor.

Um den Moslems den Besuch des Freitagsgebetes zu ermöglichen, wollen sich die Vertreter beider Glaubensrichtungen nach Möglichkeiten zu Besuchen in Moscheen in Herzberg und Göttingen umhören. Dabei gelte es zu berücksichtigen, welcher muslimischen Ausrichtung die Flüchtlinge jeweils angehörten, um die entsprechende Gemeinde auszuwählen. Galluschke erklärte sich bereit, den Transport zu organisieren, wenn über verbindliche Anmeldungen geklärt sei, ob Menschen am Gebet teilnehmen wollten.

„Wir möchten den Menschen Respekt zollen. Dazu gehört auch, ihre Religion zu respektieren", sagte Steffens-Grosche. Mit den geplanten Angeboten sei dazu ein großer Schritt getan, fügte Melz hinzu. In einem nächsten Gespräch soll geprüft werden, was geleistet werden kann.

Info
Derzeit sind im Rosenthaler Hof nach Auskunft des Niedersächsischen Innenministeriums mehr als 200 Menschen untergebracht, die unter anderem aus dem Kosovo, aus Albanien, Mazedonien und Serbien stammen. „Die Zahlen ändern sich im Grunde täglich durch den Zugang aus den Landesaufnahmebehörden Niedersachsen und dem Abgang in die Kommunen", erklärt Pressesprecherin Nadine Bunzler. Weitere 100 Menschen könnten zukünftig in dem Hotel bei Westerode Platz finden. Derzeit werde an einer Aufstockung der Belegung auf rund 300 Personen gearbeitet. „Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen steht hierfür im engen Kontakt mit dem Rosenthaler Hof und arbeitet an der Umsetzung", bestätigt Bunzler. Üblicherweise blieben die Menschen zwei bis sechs Wochen lang im Hotel, bis Unterbringungsmöglichkeiten in den Kommunen gefunden seien.
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©Richter