Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Förderprogramm hilft, Gebäude in Duderstadt zu modernisieren

Alte Häuser werden wieder Schmuckstücke Förderprogramm hilft, Gebäude in Duderstadt zu modernisieren

 Am Eingangstor zu Duderstadts Innenstadt mit Blick auf Markt und St.-Servatius-Kirche setzt gegenüber der Sparkasse das renovierte Gebäude Bahnhofstraße 40 einen neuen warmen Farbtupfer. Es sei ein gelungenes Objekt in der Reihe „Bauen im Bestand“ mithilfe der Städtebauförderung.

Voriger Artikel
Bei Ottobock werden 16 Absolventen freigesprochen
Nächster Artikel
Drei Jahre Haft nach Raub an 93-Jähriger in Duderstadt

Duderstadt. „Wir wollten die drei Etagen wieder sichtbar machen“, sagte Viktor Lembke. Man müsse die Eingangssituation mit der Kirche sehen, da füge sich das Gebäude komplett ein.

„Ein harmonischer Baustein“, findet Lembke. „Wir wollen die Balance zwischen Tradition und Moderne halten.“ Er und seine Mutter, die Eigentümerin Irmgard Lembke, sind „stolz“ auf das Ergebnis der Sanierung des Hauses aus dem Jahr 1907 mit einem Erweiterungsbau 1966. Durch Wegfall des Vordaches ist der Blick in die Stadt wieder frei geworden.

Das Ergebnis ist Anlass für Stadt und Förderkreis für Denkmal- und Stadtbildpflege, das Projekt in der Bahnhofstraße als gelungenes Beispiel in der Reihe „Bauen im Bestand“ hervorzuheben. Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) und Föderkreis-Vorsitzender Hermann Tallau dankten der Familie Lembke, an dieser, für das Stadtbild wichtigen Stelle saniert zu haben.

„Auch die Bürger sagen, es ist gut geworden“, so Nolte. Die Belebung der Innenstadt werde über die Städtebausanierung gelebt. Mit der Förderung könne einmaliges Duderstädter Kulturgut bewahrt werden, Eigentümer könnten es weiterentwickeln und pflegen.

Es sei nicht nur eine rationale, sondern auch eine emotionale Entscheidung gewesen, auch wenn die Familie dort nicht mehr wohne, sagte Viktor Lembke. Er kündigte an, dass die fünf Wohnungen im ersten und zweiten Stock ebenfalls noch saniert und modernisiert würden mit dem Ziel, „modernes Wohnen in der Altstadt“ zu ermöglichen.

Seit 2012 ist Duderstadt für größere Bereiche innerhalb des Walls wieder in den Genuss der Städtebauförderung gekommen. Im Zeitraum 1994 bis 2012 habe es keine Förderung gegeben, bedauerte Nolte. „Das frische Geld hat gefehlt.“ 450 Gebäude liegen innerhalb des Sanierungsgebietes.

27 Förderverträge mit einem Zuschussvolumen von 374 000 Euro sind abgeschlossen. Zehn sind laut Nolte einer Unterschrift nahe. 112 Anträge liegen vor. Jährlich sind rund 600 000 Euro Förderung möglich, jeweils ein Drittel von Bund, Land und Stadt. Die Stadt hofft auf rund acht Millionen Euro Förderung bis 2021. „Jeder, der etwas vorhat, soll sich melden“, appelliert Nolte an die Bürger.

Die über die Städtebauförderung unterstützten Vorhaben werden von Michael Koch von der Bremer Baubecon Sanierungsträger GmbH fachlich begleitet. Ansprechpartnerin bei der Stadtverwaltung ist Petra Knöchelmann. Ein Beratungstermin ist innerhalb von zwei Wochen möglich – kostenfrei und unverbindlich. Sie ist zu erreichen unter Telefon 0 55 27/ 8 41-1 38 oder Per E-Mail an p.knoechelmann@duderstadt.de.

Rote Ziegel statt grauem Eternit

In unmittelbarer Nähe zur Innenstadt hinter dem Haus neben dem Westerturm öffnet sich eine Gartenlandschaft. Das Gebäude Westertorstraße 2 der Familie Stockfisch fügt sich mit roten Ziegelbehang an der Fassade wieder in die Dachlandschaft ein. Vorne an der Straße stehen noch Gerüste, um das Fachwerk zu sanieren.
„Früher hingen hier graue Eternitplatten“, sagt Bäckermeister Hans-Joachim Stockfisch. In zwei Monaten denke er, sei die Sanierung beendet. Von der Holzbank im hinteren Teil des Gartens direkt neben alten Stadtmauerresten fällt der Blick auf den Westerturm, der über dem Hausdach hinausragt. Rund 160 000 Euro wurden mit Hilfe des Städtebausanierungsprogramms in das Gebäude investiert.

Über Jahre habe die Familie Standorttreue bewiesen mit der Bäckerei und dann auch mit dem Café, sagte Bürgermeister Wolfgang Nolte. Ein Café sei eine gute Variante zur Attraktivitätssteigerung des Geschäfts und trage auch zur Belebung der Innenstadt bei. Es habe eine enge Zusammenarbeit mit der Sanierung des Westerturms gegeben.

Mit den langen rückwärtigen grünen Gärten ist der Bereich für Nolte eine der schönsten Stadtlandschaften. Als Anerkennung für das Projekt gibt es für Stockfisch von Stadt und Denkmalpflege-Förderkreis das „Duderstädter Häuser-Buch“.

Loggia statt Außenbäder

Ein Beispiel, wie die Wohnqualität in einem Altbau durch Modernisierung gesteigert werden kann, ist in der Sackstraße 39 zu sehen.

Das Gebäude liegt in dem Viertel, das nach dem Stadtbrand von 1911 von dem Berliner Architekten Freiherr von Tettau neu errichtet wurde. In einem hinteren Anbau lagen bislang  die Bäder der drei Wohnungen. Jetzt gehört zu jeder Wohnung eine weiß gestrichene Loggia mit Holzfußboden, die vom Wohnzimmer über eine Außentreppe erreichbar ist.

Nach erster Überlegung, habe er sich gesagt, das müsse er sich nicht mehr aufladen, sagte Norbert Charles. Dann sei er mit seiner Lebensgefährtin, der Eigentümerin, zu dem Entschluss gekommen, „wir gehen es an“. Den Anbau abzureißen für Balkone, habe sich nicht realisieren lassen, so der Prokurist der Bau- und Planungsfirma Koch Bau-Qualität. „Wir haben Bäder in die Wohnungen eingebaut, und jeder Mieter hat eine eigene Loggia.“

Charles verweist auf mehr als 300 000 Euro Investitionen in Bausubstanz und Innenausstattung. Das Gebäude sei auf modernem Energiesparstand. Für Wärme sei nur zwei Liter Öläquivalent je Quadratmeter und Jahr nötig. In das Stammhaus der Familie Koch sei mithilfe des Städtebausanierungsprogramms eine Menge investiert worden – in Abstimmung mit der Denkmalpflege und entsprechend der vom Stadtrat beschlossenen Spielregeln, lobt Bürgermeister Wolfgang Nolte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter