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Forum Eichsfeld: Stefan Schäfer im Interview

An die Arbeit! Forum Eichsfeld: Stefan Schäfer im Interview

Beim Forum Eichsfeld am Donnerstag, 5. Februar, in der  Sparkasse Duderstadt werden Experten aus verschiedenen wirtschaftlichen Zweigen den Fragen von Moderator Uwe Graells, Chefredakteur des Eichsfelder und Göttinger Tageblattes, Rede und Antwort stehen. Einer der Podiumsdiskutanten wird Stefan Schäfer sein, der als Bereichsleiter in der Agentur für Arbeit Göttingen unter anderem für den Arbeitgeberservice und die Vermittlung in Duderstadt zuständig ist.

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Stefan Schäfer

Quelle: EF

Eichsfeld. Stefan Schäfer ist seit 1989 bei der Agentur für Arbeit angestellt und war bereits an verschiedenen Standorten, darunter Göttingen, Northeim, Osterode am Harz und Hannover, in Beratung und Vermittlung tätig.Von 2007 bis 2010 war er Leiter des Geschäftsstellenbezirks Northeim. Seit Juli 2010 ist er Bereichsleiter in der Agentur für Arbeit Göttingen. Mit ihm sprach Nadine Eckermann über das, was auch beim Forum Eichsfeld zu den Themen gehören wird: Rückschau und Ausblick.

Wenn Sie die Arbeitsmarktentwicklung 2014 betrachten, was sticht dabei besonders heraus?
2014 war für den Arbeitsmarkt in unserer Region ein gutes Jahr. Die Arbeitslosenzahlen sind gesunken, im Geschäftsstellenbezirk Duderstadt hatten wir im Oktober, November und Dezember sogar eine vier vor dem Komma der Arbeitslosenquote stehen – fast süddeutsche Verhältnisse. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Geschäftsstellenbereich Duderstadt lag bei 5,4 Prozent – 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Sie ist damit die niedrigste im ganzen Arbeitsagenturbezirk. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg deutlich an. Entsprechend wuchs auch die Zahl der Arbeitsplätze.

Woran lag das?
Der regionale Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Monaten sehr stabil gezeigt. Nicht zu unterschätzen sind natürlich auch Witterungseinflüsse auf dem Arbeitsmarkt. Da wir 2014 einen recht milden Winter hatten, konnten etliche in den Außenbereichen tätige Firmen ihre Mitarbeiter durchgehend beschäftigen. Wir haben in der Region allerdings auch wachstumsstarke Wirtschaftszweige, die Beschäftigung schaffen. Allen voran sind da die Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit und Soziales. Aber auch der Bereich der freiberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen und der Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei hat neue Arbeitsplätze geschaffen. 

Welche Personengruppen konnten profitieren, wem fiel es schwerer, Arbeit zu finden?
Profitieren konnten eindeutig junge Arbeitsuchende. Sie profitieren von der Unsicherheit um die künftige Fachkräfteversorgung, was sich unter anderem darin zeigt, dass Betriebe ihre fertigen Azubis vermehrt übernehmen. Schwierig ist es nach wie vor für Langzeitarbeitslose. Aber auch Schwerbehinderte haben es – unbeachtet ihrer guten Qualifikationen – nach wie vor schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Was steht im laufenden Jahr auf der Agenda?
Bei den Arbeitsagenturen und den Jobcentern liegt sicherlich ein Fokus auf dem Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. Neben der intensiven vermittlerischen Betreuung ist zu überlegen, wie mit speziellen Fördermaßnahmen unterstützt werden kann. Ein wichtiges Instrument ist hier die berufliche Qualifizierung, gerade auch von Menschen ohne Berufsabschluss. Denn ein fehlender Berufsabschluss wird gerade mit zunehmendem Alter ein hohes Risiko für den Eintritt wie den Verbleib in Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite stehen wir vor der Herausforderung, die Nachfrage der Betriebe, insbesondere nach Fachkräften, zu bedienen. In vielen Berufen sind freie Stellen inzwischen sehr schwer zu besetzen. Ich nenne hier als besondere Schwierigkeit die Stellenbesetzung für examinierte Altenpflegekräfte. Daher versuchen wir nicht nur im Bereich der Arbeitslosen beruflich zu qualifizieren, sondern können auch Betriebe unterstützen, die ihre ungelernten Mitarbeiter fortbilden möchten. Weiterhin bemühen wir uns darum, die Männer und Frauen aus der sogenannten Stillen Reserve zu aktivieren, die nach Erziehungs- oder Pflegezeiten noch nicht wieder in das Erwerbsleben eingestiegen sind. Und natürlich ist und bleibt eine ganz große Herausforderung  die Ausbildung von Jugendlichen, die schwierige Startbedingungen haben.

Wenn wir schon beim Ausbildungsmarkt sind: Welche Berufe sind en vogue, wo werden Bewerber händeringend gesucht?
Es gibt in der Tat etliche Ausbildungsberufe, die inzwischen schwerer Nachwuchs finden als früher. Dazu gehören viele traditionelle Handwerksberufe. Aber auch der Hotel- und Gaststättenbereich hat Schwierigkeiten. Insgesamt wird es jedoch für alle Branchen und Berufe schwieriger werden, da aufgrund der demografischen Entwicklung die Nachfrage insgesamt sinken wird. Das trifft die kleinen Betriebe sicherlich deutlich früher als die großen, aber auch hier wird man sich letztlich wohl auf sinkende Bewerbungszahlen einstellen müssen. Besonders nachgefragt sind nach wie vor die kaufmännischen Berufe, bei den Jungen der Kfz-Mechatroniker oder der Industriemechaniker, bei den Mädchen die Medizinischen Fachangestellten und Bankkauffrauen.

Was trägt die Arbeitsagentur dazu bei, gerade jungen Menschen unter die Arme zu greifen?
Unser Angebot beginnt mit Berufsorientierung und Berufs- und Studienberatung. Denn für die richtige Berufswahlentscheidung ist es wichtig, einen Überblick über die Berufe-Landschaft zu haben. Und die eigenen Stärken und Talente zu kennen, die idealerweise zu dem Wunschberuf passen sollten. Ist der Berufswunsch gereift, schlagen wir dem Jugendlichen Ausbildungsstellen vor. Jugendliche, die ihren Wunschberuf noch suchen, oder die aus unterschiedlichen Gründen keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, bieten wir die Teilnahme an einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme an. Gemeldete Ausbildungsplatzbewerber können wir außerdem bei den Bewerbungen finanziell unterstützen, indem wir Kosten für Bewerbungen und Fahrten zu Vorstellungsgesprächen erstatten. Und für Auszubildende, die Schwierigkeiten haben, ihre Lehre zu schaffen, bieten wir mit den Ausbildungsbegleitenden Hilfen – eine Art Nachhilfe bei Bildungsträgern – an, die sowohl theoretische als auch praktische Schulungen, aber auch sozialpädagogische Unterstützung oder Deutschunterricht enthalten kann.

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