Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Frederick Ellrott macht in Amerika sein Glück

Suche nach Vorfahren Frederick Ellrott macht in Amerika sein Glück

Auf der Suche nach seinen Vorfahren hat der Amerikaner Ray Greene (62) aus Slingerlands im Bundesstaat New York Kontakt mit der Gieboldehäuser Kirchengemeinde St. Laurentius aufgenommen. Sein Urgroßvater Frederick Henry Ellrott ist dort getauft worden. 

Voriger Artikel
Alte Traktoren fahren über Eichsfelder Dörfer
Nächster Artikel
Jacobi-Firmengruppe „Partner der Feuerwehr“

Erfolgreicher Farmer: Frederick Henry Ellrott aus Gieboldehausen mit Hund und Lastkraftwagen 1915 in Amerika.

Quelle: Archiv Greene

Ob wohl noch jemand in Gieboldehausen die 1883 ausgewanderte Familie Ellrott kennt? Ray Greene erkundigte sich Anfang des Jahres in einer E-Mail an die Kirchengemeinde. Und landete gleich einen Treffer. Der elektronische Brief kam nämlich bei Pfarrsekretärin Annemarie Ellrott an. Sie leitete die Mail an die Gieboldehäuser Geschichtswerkstatt weiter, die im Schloss residiert. 

Dort nahm sich Heimatforscher Wilhelm Bode der Sache an. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Daten der Kirchenbücher aus den Jahren 1694 bis 1920 im Computer erfasst“, berichtet der Rentner. Auf Tausende von Personennamen können sie nun zugreifen. Das ermöglichte es Bode, innerhalb von zwei Tagen den Stammbaum des Amerikaners bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Greene mailte begeistert zurück: Das ist fantastisch. Er selbst hätte diese Informationen selbst in langjähriger Arbeit nicht zusammentragen können.   

Kanonier im Bürgerkrieg

Wilhelm Bode konnte dem Amerikaner noch mehr mitteilen. So wusste er, dass bereits Greenes Ur-Ur-Urgroßvater, Johannes Heinrich Ellrott (1811-1882), 1859 einen Antrag auf Auswanderung in die USA gestellt hatte. Die Behörden prüften, ob die Antragsteller bereits ihren Militärdienst abgeleistet hatten, erklärt Historikerin Sabine Wehking, die einen Aufsatz über Gieboldehäuser Amerikaner geschrieben hat. Tischlergeselle Johannes Heinrich durfte ausreisen. Er kämpfte als Kanonier im amerikanischen Bürgerkrieg. Die Regierung belohnte ihn dafür mit einem Stück Land in der Nähe von Albany 100 Kilometer nördlich der Stadt New York. Ellrott zog es allerdings vor, nach Gieboldehausen zurückzukehren. Sohn Heinrich Friedrich Ludwig Wilhelm (1841-1917) verkaufte nach dem Tod des Vaters den Hof und siedelte mit seiner Familie nach Amerika über. Zum Abschied stiftete er 1883 einen Bildstock aus rotem Sandstein. Er steht an der Göttinger Landstraße Richtung Wollbrandshausen. „Wir wollen ihn im nächsten Jahr sanieren“, kündigt Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen an. 

Im Eichsfeld ohne Perspektive

Zwang die Verfolgung der Katholiken die Ellrott-Familie Ellrott zur Auswanderung, erkundigte sich Greene in einer späteren E-Mail. Bode berichtete, dass die Katholiken in Gieboldehausen während des sogenannten Kulturkampfs unter Reichskanzler Otto von Bismarck tatsächlich diskriminiert wurden. So mussten damals der Pfarrer und die Franziskaner-Schwestern der Mädchenschule den Ort verlassen. Doch nicht deswegen seien viele Gieboldehäuser ausgewandert. Sie hätten vielmehr für sich keine Perspektive gesehen. Die Höfe seien durch Erbteilung zersplittert gewesen. Nach einer Auswanderungswelle 1854 seien allein 1881 den Akten nach 26 Gieboldehäuser in die USA gegangen.  

1883 nahm Heinrich Ellrott mit seiner Familie das Schiff von Bremen nach New York. Heinrich war damals 41 Jahre alt, seine Frau Catharina, eine geborene Kohlrautz, 40. Sie hatten bereits sechs Kinder: Heinrich (1869), Friedrich (1873), Clara (1875), Wilhelm (1877), Frank (1880) und Carl (1881). In den USA sollten sie zwei weitere Sprösslinge bekommen: George (1885) und Louis (1889). 

Malaria

Der älteste Sohn, Henry, hat im spanisch-amerikanischen Krieg gekämpft. In dieser Zeit infizierte er sich wahrscheinlich mit Malaria. An dieser Krankheit starb er. 

Der zweite Sohn des Auswanderers, Frederick Ellrott (1873-1947), arbeitete zunächst bei einer Familie als Gärtner. Dort verliebte er sich in das Hausmädchen, die aus Irland gebürtige Bridgett McGraith. Die beiden heirateten 1899 und bekamen drei Kinder: Kathryn (1900), Henry (1902) und Francis (1904). Das Ehepaar bewirtschaftete später in Albany, New York, eine Farm. Frederick Henry starb 1947. Seine älteste Tochter Kathryn Ellrott, geboren 1900, ist Greenes Großmutter. Sie ist 1975 gestorben. 

Ray Greene, der 1968/69 als Sergeant (Unteroffizier) in Vietnam gedient hat, arbeitete bis zu seinem Ruhestand 33 Jahre als Personalberater für den Staat New York. Die letzten sieben Jahre – bis 2007 – leitete der Vater von drei Kinder die Abteilung.

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Duderstadt
Apfel- und Birnenmarkt in Duderstadt

©Richter