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„Freundeskreis“ will „Mahnwachen“ intensivieren

200 Teilnehmer bei Gegendemo „Freundeskreis“ will „Mahnwachen“ intensivieren

Erstmals haben sich Christdemokraten mit Redebeiträgen an der Gegendemo zur „Mahnwache“ des „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ in Duderstadt beteiligt. Vor dem Rathaus fanden sich nach Aussage des Veranstalters rund 200 Bürger ein. Die „Mahnwache“ am Westerturm besuchten nach Polizeiangaben rund 60 Personen.

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„DUD bleibt bunt“: Unter diesem Motto versammeln sich zahlreiche Eichsfelder und verschiedene Vereine und Organisationen vor dem Duderstädter Rathaus.

Quelle: Müller

Duderstadt. „Freundeskreis“-Redner Jens Wilke erklärte, auch weiterhin jeden Sonntag auf die Straße gehen zu wollen und die „Mahnwachen“ zu intensivieren. Dabei sagte er, dass es um friedlichen Protest ginge. „Uns kriegt ihr nicht kaputt“, betonte Wilke. „Wir kommen wieder. Wir sind viel zu hart für Euch. Diesen Krieg könnt ihr nicht gewinnen.“ Er mahnte, dass die, die noch nicht wach geworden seien, mit untergingen und wenn sie nicht zur Besinnung kämen,  könnten sie auch keinen Schutz erwarten.

„Mahnwache“ des „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ am Westerturm in Duderstadt

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„Schämen sollten die sich, denen es an Menschlichkeit fehlt“, sagte der Vorsitzende der Jungen Union in Duderstadt, Florian Glombik, bei der Demo gegen den „Freundeskreis“ am Rathaus. Deutschland vertrete Werte wie Offenheit, Frieden und Toleranz. „Wir Jugendliche wollen nicht länger als Rechtfertigung für dieses Denken herhalten“, mahnte der Schüler des Eichsfeldgymnasiums in Richtung des „Freundeskreises“: „Auf deren Pseudoschutz können wir gerne verzichten.“ In einem Projekt habe Glombik Flüchtlinge des Rosenthaler Hofes kennengelernt (siehe Kasten) und warb nun für ein friedliches Miteinander. „Liebe bunte Freunde“, wandte sich der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer an die Besucher des Gegenprotestes. „Wir brauchen keinen ‚Freundeskreis‘, der Angst schürt“, so Fischer, denn dieser sei ein geistiger Brandstifter. „Deren Kinder und Kindeskinder werden sich einst schämen für das, was sie hier tun“, mahnte der Christdemokrat. Auf seinen zahlreichen Reisen nach Afrika habe er Leid und Tod von Kindern erlebt, keiner von denen fliehe grundlos nach Deutschland. Fischer und Glombik waren die beiden ersten Christdemokraten als Redner auf den Veranstaltungen des Bündnisses „Duderstadt bleibt bunt statt braun“. Grüne, SPD und Wählergemeinschaft Duderstädter Bürger (WDB) hatten den Protest gegen den „Freundeskreis“ vor Wochen begonnen.

Dank eines syrischen Flüchtlings

„Bitte richte den Leuten aus, wie dankbar wir sind, hier sein zu dürfen. Danke, dass ihr uns helft und aufnehmt. Wenn wir nicht wüssten, dass Deutschland das Beste für uns ist, würden wir nicht herkommen. Aber wir sind gekommen, weil Deutschland ein gutes Land ist, weil wir hier unterkommen können, arbeiten können und irgendwann einmal tun können, wovon wir schon immer geträumt haben. Ihr habt uns das Leben gerettet, dafür können wir nicht genug danken. Mit lieben Grüßen an Sie alle.“ Fares, syrischer Flüchtling (aus dem Englischen übersetzt von Florian Glombik)

Gegen die Kundgebung des „Freundeskreises Thüringen / Niedersachsen“ haben am Sonnabend nach Polizeiangaben mehr als 280 Teilnehmer demonstriert. Beim „Freundeskreis“ zählte die Polizei etwa 80 Personen, darunter Obereichsfelder NPD-Aktivisten und den Eichsfelder NPD-Vorsitzende Thorsten Heise.

 
„Wir berufen uns auf Mitmenschlichkeit, auf die Hilfe für Bedürftige, auf den Respekt für Andersdenkende“, sagte Pastor Harald Möhle im Friedensgebet, das der evangelische Geistliche mit der katholischen Gemeindereferentin Regina Griesmayr in der gut gefüllten St.-Peter-und-Paul-Kirche gestaltete. Unter dem Slogan „bunt statt braun“ hatte sich im Vorfeld ein breites Bündnis aus Kirchen, Politik und Vereinen zusammengefunden. „Gegen die rechte Szene wollten wir einen gesamtgesellschaftlichen Gegenpol setzen“, so Bürgermeister Uwe Ahrens (parteilos). Es sei wichtig, dass die Bürgergesellschaft dagegen Flagge zeige. Lore Exner, Sprecherin des Aktionsbündnisses, forderte, die Fluchtursachen zu stoppen, den Flüchtlingen aber zu helfen: „Nur 100 Meter von hier stehen geistige Brandstifter und die wollen wir hier nicht haben!“ Das niedersächsische Innenministerium prüft derzeit, ob das ehemalige Max-Planck-Institut in Katlenburg-Lindau als Flüchtlingsunterkunft für bis zu 1 500 Flüchtlinge in Frage komme. Bürgermeister Ahrens sagte, er verstehe zwar Sorgen, jedoch sei bislang noch keine Entscheidung getroffen worden.

 
Der „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, der seit einigen Wochen in Northeim, Duderstadt und Heiligenstadt sogenannte „freiheitliche Bürgertreffs“ abhält, fand sich auf dem Markt Lindaus zusammen. Sprecher war, wie in Duderstadt, Jens Wilke: „Wir stehen nicht für eine Partei oder eine Organisation.“ Zugleich aber waren unter den rund 80 „Freunden“ zahlreiche Funktionäre der NPD, die sich um ein Transparent „Asylflut stoppen - das Eichsfeld wehrt sich“ versammelten. „Wir sind nicht ausländerfeindlich, wir sind inländerfreundlich“, zitierte Wilke den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Seit Silvester müssten sich alle „Realitätsverweigerer“ überdenken: „In wenigen Monaten kann es nur für oder gegen Deutschland gehen und wir haben uns für Deutschland entschieden!“ Linke Gegendemonstranten, die daraufhin mit „Nie wieder Deutschland“ antworteten, nannte Wilke „selbsthassende Subjekte“, die selbst gefressen würden. „Noch bevor wir die Polizei anrufen, lösen wir die Probleme selber“, warnte er. Auch Verschwörungstheorien brachte der Friedländer vor. Das deutsche Wolk solle gegenseitig aufgehetzt werden und es gäbe keinen Friedensvertrag: „Wenn Deutschland zusammensteht, muss die ganze Welt zusammenstehen, um gegen uns zu gewinnen.“ Für die Zukunft kündigte Wilke weitere Treffen im Landkreis Göttingen an.

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Bunt statt braun

Gegen die Kundgebung des „Freundeskreises Thüringen / Niedersachsen“ haben am Sonnabend nach Polizeiangaben mehr als 280 Teilnehmer demonstriert. Beim „Freundeskreis“ zählte die Polizei etwa 80 Personen, darunter Obereichsfelder NPD-Aktivisten und den Eichsfelder NPD-Vorsitzenden Thorsten Heise.

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