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Vielfalt gegen Einfalt

Friedensandacht in Duderstadt Vielfalt gegen Einfalt

Die NPD hat kurzfristig die für Donnerstag geplanten Kundgebungen im Eichsfeld abgesagt. Das Duderstädter Bündnis gegen Rechts hat wie geplant mit den beiden Kirchengemeinden um 17.15 Uhr eine ökumenische Friedensandacht in der St.-Servatius-Kirche abgehalten.

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Stefanie Kienberger-Fahlbusch begleitet musikalisch die ökumenische Friedensandacht in der Duderstädter St.-Servatius-Kirche.

Quelle: Oliver Thiele

Eichsfeld. In Gieboldehausen hatte die NPD für 16 Uhr eine Veranstaltung angemeldet, in Duderstadt um 17 Uhr, weitere in Lindau und Wulften. Die wurden alle abgeblasen. Laut Tageblatt-Informationen wurde als Grund ein technischer Defekt am Lautsprecherwagen genannt. Die von einem grünen Kommunalpolitiker angezeigte Gegenkundgebung in Gieboldehausen ist daraufhin ebenfalls abgesagt worden.

„Vielfalt ist das beste gegen Einfalt“, begann Christina Abel die ökumenische Friedensandacht. An mehr als 70 Eichsfelder richteten die evangelische Pastorin und der katholische Diakon Benedikt Heimann eine Friedensbotschaft und die Aufforderung, sich rechtem Gedankengut entgegenzustellen.

„Die Demo ist ausgefallen. Gott sei dank!“, so die Pastorin unter viel Applaus über die abgesagte Demonstration der Rechtsextremen. Auch dieser Gottesdienst setze demonstrativ ein Zeichen: „Wir treffen uns am 1. September - ausgerechnet an diesem Datum, 77 Jahre nachdem der Zweite Weltkrieg begonnen hat.“ Die Friedensandacht stelle so zugleich ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus dar. „Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn sich in unserer Stadt Menschen versammeln, die rechtsradikale Gedanken unter die Leute bringen wollen“, betonte die Pastorin. Eine Ideologie, die Menschen nach Herkunft, Rasse oder Religion sortiere.

Schweigen, wegsehen, eine innere Immigration oder ein „Da kann man nichts machen“-Denken löse diese Herausforderung nicht. „Tu deinen Mund auf“, zitierte Abel aus der Bibel, „für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ Auch die Kirchen hätten in der Zeit des Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen „durch ihr eigenes Verstummen“. Schuld trage die heutige Generation nicht, zum Erbe Deutschlands gehöre jedoch eine besondere Verantwortung für den Frieden.

Heimann und Kirchenvorsteherin Silvia Depenbrock trugen im Wechsel Aussagen und deren eigentliche, rechtsextreme Bedeutung vor. Stefanie Kienberger-Fahlbusch begleitete die Friedensandacht musikalisch mit ihrer Gitarre. „Vertraut den neuen Wegen“: Vielsagend endete die Andacht mit den Versen des in der Wendezeit 1989 geschriebenen Kirchenliedes: „Die Tore stehen offen, das Land ist hell und breit.“

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