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Frühlingsmarkt bringt Leben in Stadt

10 000 Besucher Frühlingsmarkt bringt Leben in Stadt

Die Besucherzahl einer zweitägigen Großveranstaltung mit hoher Fluktuation zu schätzen, ist nicht einfach. Die Polizei geht aber von mehr als zehntausend Besuchern beim Duderstädter Frühlingsmarkt mit rund 70 Beschickern am Wochenende, 2. und 3. April, aus. Und Aussteller bestätigten den Eindruck, dass noch mehr los war als im Vorjahr.

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Begehrt und schwer zu bekommen: Sitzplätze in den Straßencafés der gut gefüllten Duderstädter Innenstadt.

Quelle: Kunze

Einen besseren Start hätte der erste Duderstädter Sondermarkt in diesem Jahr in der Tat nicht haben können: Bei Eröffnung des Frühlingsmarktes am Sonnabend hatte sich die Sonne schon längst durch den Frühnebel gebrannt und die Temperaturen auf über 20 Grad ansteigen lassen, am Sonntag wurde es trotz sich zuziehenden Himmels noch voller, an den Einfalltoren der Stadt blühten die Narzissen, die neue Toilettenanlage auf dem Weg vom Großraumparkplatz in die Stadt war pünktlich zum Marktstart in Betrieb gegangen. Von dort aus war es nur ein kurzer Weg bis zum begehbaren Darm in der Fußgängerzone.

Das Anatomie-Modell entpuppte sich tatsächlich als eine Hauptattraktion: Die Leute standen Schlange vor der Schlinge, die schamhaft unter einem Otto-Bock-Zelt verborgen war. Bereits am Freitag waren Schulklassen durch das acht Meter lange Mastdarm-Modell geschleust worden. So auch die Zweitklässler der Janusz-Korczak-Schule, die sich im Zuge des Projektes Klasse 2000 gerade erst mit Ernährung, Dünn- und Dickdarm befasst hatten. Den Igitt-Rufen der Kinder folgten Erläuterungen von Apotheker Rüdiger Stetskamp über böse und gute Bakterien, die richtige Ernährung für die Körperpolizei, Magensäure und Schleimhäute. „Was müssen wir machen, dass wir das nicht bekommen?“, fragten die Schüler angesichts der plastisch-drastischen Darstellung von Darmkrankheiten wie Morbus Crohn, deren Form und Farbe an schlecht gewordene Obsttorten erinnerten. Stetskamp konnte sie beruhigen: „Solche Erkrankungen bekommt man erst im Lauf der Jahre, wenn man älter wird.“ Für die Erwachsenen gab es am Wochenende Erläuterungen von AOK und Ärzten, die unter anderem über Entsäuerung, Stuhldiagnose und Endoskopie informierten.

Der Flyer mit überdimensionalen Organmodellen, der am Darm auslag, weckt Erwartungen für die Folgejahre: Vom Auge bis zur weiblichen Brust ist alles dabei. Nur ein Herz mit Hüpfkammern oder einen Lungensimulator mit Windkanal wird es auch bei künftigen Frühlingsmärkten wohl eher nicht geben.

Ein weiterer Publikumsmagnet waren die Trial-Sport-Vorführungen am Rathaus. Mitglieder des Motorsportclubs Weser-Solling nutzten Stufen, Autos und Paletten, um waghalsige Sprünge zu zeigen und die Beherrschung ihrer Fahr- und Motorräder unter Beweis zu stellen.

An Fahrzeugen gab es auch ansonsten keinen Mangel. Schließlich steht der Themenmarkt unter dem Motto „Gesundheit, Fitness und Mobilität“. Und gerade letzterer Begriff ist dehnbar. Autohäuser präsentierten in der Fußgängerzone neue Modelle, der Oldtimer-Stammtisch Duderstadt, der sich jeden letzten Freitag im Monat um 18 Uhr im Forsthaus Rote Warte trifft, seine Schmuckstücke – vom Borgward über alte Opel-Modelle bis zu VW-Käfern aus verschiedenen Generationen. Das Design vergangener Jahre spiegelte sich auch in der Marktstraße wider: Das Fitnessstudio Fitmaxx hatte ein umgebautes Airstream-Wohnmobil mitgebracht, Kaffeeröster Mark Schnibbe einen zum Kaffee-Mobil umgerüsteten Barkas-Kleinlaster von 1954 aus DDR-Produktion. In die Zukunft wiesen Leichtfahrzeuge und ein Elektroauto mit Steckdose und der Aufschrift „Ich brauche kein E 10 und kein Super plus“. Das DFM-Miniauto aus chinesischer Produktion hat bis zu 100 Kilometer Reichweite und ist bis zu 100 Stundenkilometer schnell. Langsamer ging es auf dem Segway-Parcours der Nesselröder Firma mit dem vieldeutigen Namen Harzer Roller zu: Die trendigen Stehroller, die über Gewichtsverlagerung gesteuert werden, können für Touren gemietet werden, erfordern aber einen Mofaführerschein und sind damit nichts für Kindergeburtstage. Darüber hinaus war alles vertreten, was rollt und Räder hat: Elektromobile, Fahrräder in allen Varianten, Rollstühle und Rollatoren, Quads, Trikes, Motorräder, Pferdeanhänger und Wohnmobile.

Frühlingsmarkt

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An – nicht immer gesunder – Verköstigung gab es ebenfalls keinen Mangel. Frisch gestärkt konnten sich die Besucher dann sogleich wieder Fitness und Gesundheit widmen – von einer Weste mit elektrischer Muskel-Stimulation, die das Fitnessstudio Injoy präsentierte, bis zu Fußdruck- und Venenmessungen des Sanitätshauses Stramer & Stahlberg.

Naturkosmetik, Osterschmuck, Matratzen, Treppenlifte, Hüpfburg, Bungee-Trampolin, Kinderkarussell und viele andere Angebote rundeten das Markttreiben ab. Einige Besucher, die den Titel des Themenmarktes in den falschen Hals gekriegt hatten, vermissten allerdings die – abgesehen von den Wochenmarktständen – fehlenden Gärtnereien und Baumschulen. Die kommen aber erst beim Gartenmarkt zum Zuge, der sich am ersten Maiwochenende um alles rankt, was da blüht und den Garten verschönert. Für den hofft Treffpunkt-Stadtmarketing-Vorsitzender Hubertus Werner auf ebenso gute Voraussetzungen wie für den Frühlingsmarkt. Obwohl sich seine bangen Blicke zum Himmel bestätigten und es gestern Nachmittag dann doch noch regnete, zeigt sich Werner sehr zufrieden mit dem Verlauf des Marktes und des verkaufsoffenen Sonntags.

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©Richter