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Ohnmachtsgefühle im Stasi-Knast

Gedenk- und Bildungsstätte in Teistungen Ohnmachtsgefühle im Stasi-Knast

Rund 7000 der 200 000 Menschen, die in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert waren, haben in Erfurt in Untersuchungshaft gesessen. Der Stasi-Knast Andreasstraße ist heute eine Gedenk- und Bildungsstätte, eine mobile Kurzversion der dortigen Dauerausstellung ist im Grenzlandmuseum zu sehen.

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Eröffnung der Wanderausstellung der Stiftung Ettersberg mit dem Titel „Andreasstraße unterwegs. Haft, Diktatur, Revolution“ im Grenzlandmuseum Eichsfeld.

Quelle: Niklas Richter

Teistungen. „Auch Eichsfelder haben in der Andreasstraße eingesessen - insbesondere wegen versuchter Republikflucht“, sagte Museumsvereinsvorsitzender Horst Dornieden bei Eröffnung der Wanderausstellung am Wochenende. Betrieben wird die Gedenkstätte in Erfurt von der Stiftung Ettersberg. Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Jörg Ganzenmüller schilderte die bewegte Geschichte des Gefängnisses aus der Kaiserzeit, das nach Volkspolizei und Stasi auch für den bundesdeutschen Strafvollzug genutzt wurde und dann einige Jahre leerstand.

Authentisch erhalten blieb die oberste Haftetage. Trotz der lukrativen Lage am Erfurter Domplatz konnte ein Abriss verhindert und die Gedenkstätte etabliert werden. „Dadurch hat die Stiftung einen sichtbaren Ort bekommen“, sagte Ganzenmüller. Die Andreasstraße sei ein Ort der Unterdrückung, Gewalt und Repression, aber auch der friedlichen Revolution und Selbstbefreiung gewesen. Als erste Stasi-Bezirksverwaltung wurde das Gebäude 1989 von Erfurter Bürgern gestürmt, die noch nicht verbrannte Akten sicherten.

Exemplarisch zeichnen in der Ausstellung „Haft - Diktatur - Revolution“ zwei Geschwister als Comicfiguren unterschiedliche Lebenswege nach. Auf Video-Monitoren schildern ehemalige Häftlinge ihre Erfahrungen von Ohnmachtsgefühlen und Ausgeliertsein, Zeitzeugen erinnern sich an den Alltag in der DDR und die friedliche Revolution in Erfurt. Ein „Schwerter zu Pflugscharen“-Aufnäher leistet einer Metallklappe Gesellschaft, hinter der sich ein Blick in eine Stasi-Zelle bietet. Die Wanderausstellung im Vortragsraum des Grenzlandmuseums, die sich auch an Schulen richtet, bleibt bis zum 30. August aufgebaut.

Bezugspunkt für
 Diktaturerfahrung

Berg mit Geschichte: Den Anstoß zur 1999 gegründeten und von der Thüringer Landesregierung unterstützen Stiftung Ettersberg hat der spanische Schriftsteller und Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald Jorge Semprún gegeben. Der Ettersberg in Weimar, auf dem schon Goethe weilte, spiegelt die doppelte Diktaturerfahrung der Deutschen wider. Sowohl das KZ Buchenwald als auch nach 1945 das sowjetische Speziallager Nr. 2 waren dort angesiedelt, die Sowjetarmee nutzte den Südhang bis zur Wende als Übungsplatz. Die Stiftung widmet sich der Aufarbeitung der deutschen und europäischen Dikaturgeschichte.

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©Richter