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Gegendemo mit Schlauchboot

Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen Gegendemo mit Schlauchboot

Ohrenbetäubendes Geheule hat am Sonntag dafür gesorgt, dass der „Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen“ nicht pünktlich mit seiner sonntäglichen Demo beginnen konnte: Gegendemonstranten waren mit einem Schlauchboot auf den Teich gefahren und lärmten gegen den „Freiheitlichen Bürgertreff“ am Denkmal an.

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Lärm aus dem Schlauchboot: Aktivisten demonstrieren gegen den „Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen“.

Quelle: Schneemann

Duderstadt. Als „Krawallmacher in dem komischen Gummiboot“ bezeichnete der Redner des „Freundeskreises“ die Gegendemonstranten, die vom Teich aus die Kundgebung von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft Duderstädter Bürger (WDB) unterstützten – und riet den Aktivisten: „Damit es mal wirklich effektiv wird: Wie wäre es mit einem kollektiven Selbstmord gegen Rechts?“

110 Zuhörer, so die Zählung des „Freundeskreises“, hörten am Sonntag eine Rede, in der der „Freundeskreis“-Sprecher die „Sorge um Kinder, Zukunft und Heimat“ des „Freundeskreises“ formulierte. Ein Grund dafür sei die „Asylschwemme“. Aus Berichten von Informanten in Erstaufnahmeeinrichtungen wisse er, es seien deutlich mehr Menschen nach Deutschland eingewandert als bekannt. Die Zahl der „Illegalen“ sorge für ein Straftataufkommen, gegen das die Polizei mit „harter Hand“ vorgehen sollte. Er forderte schärfere Gesetze.

„Sie werden uns das letzte Geld aus der Tasche reißen, um diesen Irrsinn zu finanzieren“, wetterte der Redner zudem gegen einen Solidaritätsbeitrag für die Flüchtlingsarbeit. Die Gesellschaft habe sich die Straftäter „gezüchtet“.
Dem „System“ – Bundesregierung und „Diktatur“ der EU – müsse gezeigt werden, dass dieser „Wahnsinn“ nicht akzeptiert werde. Noch für das erste Quartal kündigte der Sprecher Proteste in Berlin an. „Wir müssen organisch aus uns heraus wachsen“, forderte er dazu auf, weiteren Widerstand zu organisieren. In Duderstadt werde im kommenden Jahr weiter demonstriert, allerdings an einem anderen Ort, kündigte er an.

„Sprache kann verräterisch sein“, sagte Götz Hütt von der Geschichtswerkstatt Duderstadt in seiner Rede gegen den „Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen“. Dieser gebe auf seiner Facebook-Seite vor, „verantwortungsbewusste deutsche Patrioten“ zu vertreten, „besorgte Bürger“, ja sogar alle Deutschen, was sich voller Anmaßung Ausruf „Wir sind das Volk!“ äußere.

Hütt versuchte eine Dechiffrierung der harmlos daherkommenden Worte. Systemkritik („Das System hat Angst“), „Lügenpresse“ oder der Vorwurf, die Herrschenden hätten Angst vor dem Volk, seien bis in die Nazizeit zurück verfolgbar. „Welche Ängste stecken dahinter?“, fragte Gegendemonstrantin Christina A.. Es sei wichtig, zu wissen, was den „Freundeskreis“ antreibe. Aus Respekt und Menschenliebe, als überzeugte Christin auch aus Nächstenliebe, sei sie ihrem Gewissen verpflichtet, zu demonstrieren. Gleichsam relativierte sie Forderungen, bei der Gegendemo sein zu müssen: „Wer nicht hier ist, ist nicht automatisch dafür.“ Nicht für jeden seien Lärm und Musik gegen den „Freundeskreis“ die richtige Form des Protestes.

Zu Beginn spielte eine Saxophonistin „Imagine“ von John Lennon, zudem erklang das Antikriegslied „We shall overcome“, gesungen von den mehr als 100 Gegendemonstranten. Auch Trillerpfeifen, Kochtöpfe und Trommeln waren zu hören. Insgesamt ging es am Obertor, auch nach Angaben von Polizei und Organisatoren, friedlicher als an den vergangenen Sonntagen zu.

Von Nadine Eckermann und Gunnar Müller

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©Richter