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Gekündigter Anästhesist klagt gegen St.-Martini-Krankenhaus

Nach Tod durch verwechselte Blutkonserve Gekündigter Anästhesist klagt gegen St.-Martini-Krankenhaus

Der Tod einer 81 Jahre alten Patientin des St.-Martini-Krankenhauses hat jetzt ein juristisches Nachspiel am Arbeitsgericht. Der fristlos entlassene Anästhesist, den die Klinik für das Unglück verantwortlich macht, klagt gegen seine fristlose Entlassung. Jetzt will das Gericht Zeugen hören.

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Juristisches Nachspiel am Arbeitsgericht: war es der Arzt oder der Pfleger?

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Duderstadt. Der Mediziner war am 7. Dezember, drei Tage nach dem Tod der Patientin, fristlos entlassen worden. Eine Güteverhandlung scheiterte. Am Dienstag lehnte das beklagte Krankenhaus einen Vergleichsvorschlag der Arbeitsrichterin ebenfalls ab. Parallel laufen bei der Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn und eine Kollegin von der Intensivstation. Die Strafverfolger warten auf ein rechtsmedizinisches Gutachten.

Nach dem Obduktionsergebnis steht derzeit nicht fest, ob die 81-Jährige, der eine Blutkonserve einer unverträglichen Blutgruppe gegeben wurde, an der ersten Transfusion, an einer zweiten in der Intensivstation oder an einem Zusammenwirken beider Transfusionen starb. Der Frau sollte während einer Operation eine Transfusion aus Eigenblut gegeben werden. Tatsächlich aber wurden zwei Patientinnen mit gleichem Nachnamen verwechselt, so dass sie gleich zweimal das Elektrozytenkonzentrat einer falschen Blutgruppe erhielt und starb.

Das Krankenhaus wirft dem Anästhesisten vor, den vorgeschriebenen Bedside-Test, also eine Verträglichkeitsüberprüfung am Bett des Patienten, nicht gemacht zu haben. Der Mediziner hingegen gab im Arbeitsgerichtsverfahren an, diesen sehrwohl gemacht zu haben. Dabei sei ihm auch aufgefallen, dass nicht die richtige Blutkonserve vorliegt. Er will einen Pfleger angewiesen haben, diese nicht zu verabreichen.

Danach habe er für 20 Minuten zu einer Anästesie-Besprechung gemusst. Schriftlich hatte er dem Gericht mitgeteilt, bei der Rückkehr noch gesehen zu haben, dass der Patientin die falsche Konserve gegeben wurde. Im Gericht sagte er am Dienstag, das habe er nicht gesehen. Es sei später nur ein Rückschluss gewesen, dass der Pfleger es doch verabreicht haben müsse. Der wiederum behauptet, zur fraglichen Zeit in der Mittagspause gewesen zu sein.

Die Widersprüche sorgen nun dafür, dass das Gericht Beweis erheben muss: Hat der Anästhesist oder der Pfleger die Transfusion gegeben? Hat der Pfleger die Anweisung erhalten, es nicht zu tun? Und hat der Arzt die Operation wirklich 20 Minuten verlassen? Das Personal berichtete von drei bis vier Minuten. Er soll die Patientin sogar extubiert haben, hätte also merken müssen, dass die Blutkonserve verabreicht wurde, habe aber nichts unternommen.

Während der Verhandlung erhob der entlassene Mediziner schwere Vorwürfe wegen eines Organisationsverschuldens gegen die Klinikleitung. Die Narkoseprotokolle seien veraltet, die Blutkonserven würden nicht korrekt beschriftet. "Jedes Bund Radieschen bei Lidl trägt eine Nummer. Unsere Blutkonserven nicht", sagte er. Der als Oberarzt angestellte Anästhesist wurde in Deutschland ausgebildet. Er ist seit 1975 Arzt, seit 1979 Anästhesist. Er hat lange Erfahrungen mit Blutkonserven, hat sogar bei einer Blutbank gearbeitet. Und er sagt: Es gab für diese Patientin überhaupt keine Eigenblutkonserve. Deshalb wurde wohl die einer anderen Patientin geliefert.

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