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Geld verzocken oder nachhaltig wirtschaften?

Planspiel Börse Geld verzocken oder nachhaltig wirtschaften?

"Wie kann ich 50 000 Euro am effektivsten vermehren?“ So lautet die Kernfrage, die im Planspiel Börse – seit 1983 alljährlich ausgerichtet von den Sparkassen – jungen Menschen gestellt wird. Gewinnen wird die Gruppe, die mit dem fiktiven Startkapital durch günstige Aktienkäufe und gewinnbringende Verkäufe innerhalb von zehn Wochen die höchste Rendite erzielt.

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Passwörter und Depotnummern: Julia Freiberg erklärt den Zehntklässlern die Regeln für das Börsenspiel.

Quelle: Tietzek

„Die Sparkasse will auf diese Weise Schülern, Auszubildenden und Studenten die Grundkenntnisse der Wirtschaft und der Börse nahebringen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld vermitteln“, erklärt Julia Freiberg, Wertpapierberaterin bei der Sparkasse Duderstadt und Spielbetreuerin.

Um hohe Rendite ging es 2008 auch bei der amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers. Hier wurde allerdings nicht mit einem fiktiven Kapital gespielt, sondern mit dem echtem Geld der Kunden gezockt. Herausgekommen ist dabei eine schwere weltweite Wirtschaftskrise. „Wir haben mit dem Planspiel Börse auf diese Ereignisse reagiert“, sagt Freiberg.

Nicht mehr einzig um hohe Rendite geht es seit zwei Jahren. „Die Nachhaltigkeit spielt eine besondere Rolle und wird auch im Planspiel bewertet. Die Spieler sollen sensibler werden für soziale und ökologische Aspekte“, erläutert die Fachfrau. Als Nachhaltigkeits-Aktien gelten nicht nur die von Photovoltaik- und Windkraftunternehmen, sondern auch solche von Firmen, die energiesparend produzieren, Müll vermeiden oder sich sozial und gesellschaftlich engagieren.
Im Eichsfeld gehen in diesem Jahr rund 30 Spielgruppen an den Start. Mit dabei sind Schüler der 10. Klassen der Heinz-Sielmann-Realschule, die den Wahlpflichtkurs Wirtschaft bei Manfred Ballhausen belegen. Nachdem sie in der Sparkasse über die Spielregeln informiert wurden, teilen sie sich in Gruppen auf, die Namen tragen wie „Rasselbande“, „Mambo nine“ oder „Banker und Denker“. Die Spieler erhalten Depotausweise mit ihrer Depotnummer und dem Passwort. In den nächsten Wochen sollen sie gemeinsam planen, welche ihrer fiktiven Aktien wann gekauft oder verkauft werden. Dabei müssen sie sich gut über die Wertpapiere und die dahinter stehenden Firmen informieren, Zusammenhänge erkennen und ein Gespür für die wirtschaftliche Entwicklung bekommen, um ihren Depotwert von 50  000 Euro zu vergrößern.

„Die Wirtschaftskrise betrifft uns noch, aber hier im Planspiel würde ich gucken, wo das meiste Geld zu verdienen ist“, sagt der Zehntklässler Moritz Napp. „Wenn es den höchsten Gewinn bei einem Unternehmen gibt, das nachhaltig wirtschaftet, ist das gut, aber das wäre erst die zweite Frage“, bestätigt Felix Günther. Auch bei den meisten anderen jungen Männern liegt der Reiz des Zockens an erster Stelle. Anna Jung, Linda Hampel und Teresa Kamper tauschen Blicke aus. „Nachhaltigkeit und soziale Aspekte sind wichtiger“, sind sich die drei Schülerinnen einig. Dafür würden sie unter Umständen auf schnellere Gewinne verzichten.

Allerdings hören sich auch die Jungen ganz anders an, wenn sie sich vorstellen, nicht ein fiktives Depot sei die Grundlage für die Börsenspekulationen, sondern ihr erstes selbst verdientes Geld. „Mit echter Kohle würde ich nicht an der Börse zocken“, sagt Raul Goldmann. Seine Freunde bestätigen, dass sie ihr erstes Geld lieber ausgeben oder sich beraten lassen würden.

„Nach der Wirtschaftskrise sind die Schüler heute einerseits interessierter, andererseits in Geldangelegenheiten vorsichtiger geworden als früher“ hat Lehrer Ballhausen beobachtet. In seinem Unterricht möchte er den Jugendlichen eine fundierte Wissensgrundlage bieten, um die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge zu verstehen und verantwortungsvoll durchs Leben zu gehen. Im Planspiel sieht er eine gute Möglichkeit, sich auf spannende Weise mit dem Thema Börse auseinanderzusetzen.

Von Claudia Nachtwey

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