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Germershausen zieht die Gemeindefusion vor

Seulingen folgt im Jahr 2014 Germershausen zieht die Gemeindefusion vor

Damit hatte das Bistum nicht gerechnet. Während sich einige Seelsorgeeinheiten gegen die Verschmelzung zu einer Pfarrei sträuben, geht es den fünf Gemeinden Bernshausen, Germershausen, Obernfeld, Rollshausen und Seeburg nicht schnell genug.

Germershausen. Gemeindevertreter reisten nach Hildesheim, um auf eine rasche Zusammenlegung zu drängen. Der Bischof gab nach. Zum 1. September gehen die Gemeinden zusammen – vier Jahre vor der Zeit. Der Wunsch nach Vereinigung war nicht immer so groß, berichtet Augustinerpater Lukas Schmidkunz. 1999 wurde er für einige Jahre Pastor der fünf Gemeinden. Das Bistum setzte ihm damals die Aufgabe, die Katholiken zusammenzuführen. Im Eichsfeld traf er auf dörfliche Rivalitäten, die seit Jahrhunderten gepflegt werden. Gleich zu Beginn baute sich ein Bernshäuser vor ihm auf und ließ seiner Empörung über die Seeburger freien Lauf: „Damit Sie es gleich wissen, Seeburg hat weder einen See noch eine Burg.“ Der See gehöre fast und die Burg ganz zu Bernhausen.

Pater Lukas, dem damals Pater Ulrich Miller als zweiter Priester zur Seite stand, musste den Gemeinden klar machen, dass künftig weniger Messen gefeiert würden. Als die Bernshäuser erfuhren, dass ihre traditionelle Christmette um 18 Uhr entfallen würde, probten sie den Aufstand: „Dann feiern wir eben ohne Priester.“ Am ersten Weihnachtstag begrüßten sie Pater Lukas zum Hochamt herzlich: „Die Feier war so schön. Wir brauchen Sie nicht mehr, Herr Pater!“

Seitdem sind die Gemeinden immer mehr zusammengewachsen. Pater Rudi Götz, der zur Zeit in der Reha ist, führte die Arbeit von Pater Lukas fort. Es gibt ein gemeinsames Pfarrblatt. Die kirchlichen Gremien haben sich vier Mal im Jahr getroffen, um über gemeinsame Angelegenheiten zu beraten. 2006 wurden die fünf Pfarrgemeinderäte zu einem Katholikenrat zusammengelegt. Bei der Vorbereitung der Erstkommunion arbeiten die Gemeinden seit Jahren zusammen. Schon lange hat nicht mehr jeder Ort eine eigene Firmfeier. 2010 führten die Katholiken erstmals zusammen eine Fronleichnamsprozession durch.

„Wenn wir jetzt nicht einen Schritt weiter gehen, würden wir die kommenden vier Jahre auf der Stelle treten“, meint die Rollshäuserin Monika Pamin vom Katholikenrat. Das Bistum war von den Wünschen der Eichsfelder zunächst wenig begeistert. Der Grund: Die für 2014 geplante Fusion umfasst noch eine sechste Gemeinde: Seulingen. Die sollte aber nach den Vorstellungen der fünf Gemeinden noch nicht dabei sein. So hat das Bistum am Ende keiner Fusion zugestimmt, sondern einer sogenannten Zu-pfarrung. Vier Gemeinden werden aufgelöst und Germershausen zugeschlagen.

Die neue Gemeinde Mariä Verkündigung hat 2600 Mitglieder. „Nun können wir mit Seulingen auf Augenhöhe verhandeln“, sagt Pamin. Seulingen ist mit 1200 Katholiken größer als jede einzelne der fünf anderen Gemeinden. Die kommenden vier Jahre sollen zur Intensivierung der Kontakte genutzt werden. Für die Seulinger ist die Fusion insofern interessant, als die priesterliche Versorgung der Germershäuser relativ gut ist. „Solange wir Augustiner da sind, wird es zwei Priester geben“, betont Pater Lukas. Würde das Bistum die Pfarrei übernehmen, wäre es nur einer.

Bernshäuser, Germershäuser, Obernfelder, Rollshäuser und Seeburger feiern das Zusammengehen ihrer Gemeinden am Mittwoch, 1. September, um 19 Uhr mit einem Gottesdienst in der Wallfahrtskirche. Die Urkunde des Bischofs wird verlesen. Es folgt ein Sektempfang.

Von Michael Caspar

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