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Geschichtswerkstatt schließt Ahnenliste ab

1386 Dörings und 978 Gerhardys Geschichtswerkstatt schließt Ahnenliste ab

Spitzenreiter bei der Zahl der Nachkommen ist Cyriakus Sommer, der 1712 zum zweiten Mal geheiratet und mit seiner Frau 13 Kinder gezeugt hat. „Das ist noch einigermaßen manierlich“, merkt Historikerin Sabine Wehking an. Da die Kinder und Kindeskinder aber nicht minder fertil waren, füllen sie 788 Seiten in der Gieboldehäuser Genealogie. Die gibt es jetzt als Datenbank. Bei Namenseingabe spuckt der Computer komplette Ahnenlisten und Familienstammbäume aus.

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Aus Datenschutzgründen noch nicht erfasst: die Hochzeit von Maria Reimann und Adolf Adenau im Jahr 1924 .

Quelle: EF

Nach dreieinhalb Jahren und hochgerechnet mindestens 3300 Stunden mühsamer und unentgeltlicher Kleinarbeit – ohne Problemfälle, die noch mehr Zeit kosteten – haben die Mitglieder der Geschichtswerkstatt Gieboldehausen nach dem Häuserbuch ein weiteres Großprojekt abgeschlossen: Die Erfassung der Kirchenbücher des Fleckens mit allen Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen von 1694 bis 1910. Näher an die Gegenwart durften sie nicht heranrücken – aus Gründen des Datenschutzes. Die chronologische Untergrenze setzte der große Brand von 1694. „Alles, was vorher war, ist in Flammen aufgegangen“, sagt Wehking.

Wehking ist mit 55 Jahren das Küken im Team. „Geduld und Ausdauer für diese Arbeit hat man wohl erst ab einem gewissen Alter“, schmunzelt Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen (78). Dabei seien die Kirchenbücher noch ein Vergnügen gewesen im Gegensatz zur bereits zuvor erfolgten Aufarbeitung des Pfarrarchivs aus völlig ungeordneten Aktenbergen auf dem Dachboden des Pfarrhauses. Das Kirchenbuchamt der Diözese Hildesheim hat der Geschichtswerkstatt die eingescannten Seiten auf etlichen DVDs zur Verfügung gestellt, die Kirchenbücher der evangelischen Gemeinde ab 1861 wurden abfotografiert. Die bis dato wenigen Protestanten im Ort wurden von der katholischen Kirche mit aufgelistet. Erst in nachnapoleonischer Zeit wurde das Latein durch Deutsch ersetzt, die Angaben ausführlicher mit Nennung auch von Berufen, Todesarten und unehelichen Geburten. Abgerundet wird das Panorama der Gieboldehäuser Einwohnerschaft durch Personenbilder, die – soweit vorhanden – in die Datenbank eingearbeitet wurden.

Alle Einträge mussten entziffert, textgetreu abgeschrieben und in Tabellenform gebracht werden. Einfach war das nicht in einem Ort, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung Döring oder Gerhardy hieß und auch viele Vornamen übereinstimmten. So gab es 194 Franz Sommer und 152 Maria Sommer von 1694 bis 1910. Unter den insgesamt 21 433 Personen der Datenbank, die zumeist gleich mehrfach als Täuflinge, Brautleute, Taufpaten, Trauzeugen und Verstorbene auftauchen, finden sich 1386 Dörings, 978 Gerhardys und 932 Mitglieder der Familie Sommer. „Daneben nehmen sich die Familien Bode und Grobecker mit 560 und 343 Mitgliedern vergleichsweise bescheiden aus“, bilanziert Wehking. Bei den Vornamen waren Maria (3668) und Johannes (3980) die Renner.

Aufschluss geben die Kirchenbücher im 19. Jahrhundert auch über die hohe Kindersterblichkeit, widrige Lebensumstände und bizarre Todesfälle – vom Verschlucken einer Stricknadel über den Stoß eines Ziegenbocks bis zum Pfarrer, der 1824 „am Altare beim Hochamte vom Schlage gerühret wurde“. „Wir haben Einblick in viele traurige Familienschicksale bekommen“, sagt Wehking und erwähnt auch „unseren Kriminalfall“ in einem Jahr, in dem im Ort auch die Cholera mit vielen Todesopfern ausbrach: Der Ackermann Adam Rudolph wurde am 29. August 1850 um 12 Uhr mittags am Kirchhof von seinem Schwiegersohn Lorenz Stölterbach erschossen. Wehking: „Wir wüssten gern, aus welchem Motiv, aber derartige Fragen bleiben leider offen.“

Die Geschichtswerkstatt Gieboldehausen stellt ihr Ahnen-Projekt am Freitag, 15. April, um 19.30 Uhr im Saal des Pfarramtes, Mittelstraße 1, vor.

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