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Gespräch über den Islam im Haus St. Georg in Duderstadt

„Das ist nicht der Islam“ Gespräch über den Islam im Haus St. Georg in Duderstadt

„Dschihad ist mir sehr, sehr wichtig“, sagt Emin Tuncay. Damit meint der Vertreter der muslimischen Ditib-Gemeinde aus Hildesheim aber keinesfalls „irgendwelche Machtgelüste“ und schon gar keinen „heiligen Krieg“. Den Begriff gibt es im Koran nämlich gar nicht. Nur Gott sei heilig. Beim Dschihad gehe es im Islam um den inneren Kampf gegen eigene schlechte Neigungen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Zusammen mit Christiane Schubert, Referentin für interreligiösen Dialog im Bistum Hildesheim, hat Tuncay im Haus St. Georg mit rund 60 Besuchern über die Weltreligion gesprochen. Bei den Themen der gemeinsamen Veranstaltung von Katholischem Bildungswerk Untereichsfeld und der Integrationsbeauftragten der Stadt Duderstadt, Regina Steffens-Grosche, unter dem Titel „Der Islam in unserem Alltag – was weiß ich wirklich darüber?“ soll es „keine Tabus“ geben, sagt Schubert und geht zunächst auf den Islam ein.

Der Begriff bedeute „Hingabe an Gott“. Mohammed habe göttliche Offenbarung empfangen und gelte als Verkünder des Islams. Muslime verehren ihn, beten ihn aber nicht an. Er sei nicht wie Jesus ein Mittler zwischen den Menschen und Gott. Vorher nur in einzelner schriftlicher und mündlicher Form überliefert, brachte erst Osman, der dritte Kalif der Muslime, die wörtliche Offenbarung Gottes und damit den Koran in eine standardisierte Form.

Muslim ist aber nicht gleich Muslim. Von weltweit mehr als einer Milliarde Muslimen sind rund 80 Prozent sunnitisch ausgerichtet und folgen somit dem Lebensweg Mohammeds. Der Koran steht aber bei allen Gruppierungen im Mittelpunkt. Für die gesamte muslimische Welt zu sprechen sei nicht möglich, meint Tuncay.  Auf die Frage, was er davon halte, wenn die Frau in der Öffentlichkeit hinter dem Mann gehen muss, antwortet er: „Das ist nicht der Islam.“

Es gebe viele Orte auf der Welt, in denen es „keinen freien Zugang zu Wissen“ gebe. Und dort lebten Menschen nach Traditionen, nach gesellschaftlichen Vorschriften und oft nach „diktatorischen Bestimmungen“. Sie könnten sich keinen eigenen Eindruck über den Koran machen.

Auf Themen, die in den Medien oft in einem Atemzug mit dem Islam genannt werden, kommt Tuncay zu sprechen. Ehrenmorde verurteilt er scharf: „Ein Mord an einem Menschen gleicht dem Mord an der gesamten Menschheit.“ Ganz zu schweigen von den Terrororganisationen. Die mehrheitlich friedlichen Muslime „werden nicht gehört“, sagt er, nicht genügend in der Presse dargestellt, meint er. In einem offenen Brief setzten sich beispielsweise mehr als 120 muslimische Gelehrte mit der Ideologie der Terrororganisation ISIS auseinander und verurteilten diese. „Es wird über den Islam gesprochen, aber nicht mit den Muslimen“.

Von Friedrich Schmidt

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