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Gieboldehäuser stellt Propangasflasche auf, entzündet Teelicht und wartet ab

Drei Jahre auf Bewährung nach Explosion Gieboldehäuser stellt Propangasflasche auf, entzündet Teelicht und wartet ab

Zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung, sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit ist am Dienstag ein 48 Jahre alter Gieboldehäuser vor dem Amtsgericht verurteilt worden.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Duderstadt. Der Mann hatte im Oktober vergangenen Jahres im angetrunkenen Zustand eine Gasexplosion im Nebengebäude des Hauses seines Bruders herbeigeführt und dabei Schaden in bisher absehbarer Höhe von bis zu 220 000 Euro angerichtet. Menschen wurden bei der Explosion nicht verletzt – was angesichts der Druckwelle an ein Wunder grenze, wie ein als Zeuge geladener Polizeibeamter aussagte.

Der 48-Jährige hatte seit 2001 eine Wohnung im Nebengebäude des Wohnhauses seines Bruders bewohnt. Mit dem Gieboldehäuser und seiner Frau lag der 48-Jährige wegen Mietstreitigkeiten im Clinch: Zunächst habe die Miete nach Angaben des Angeklagten 400 Euro warm betragen.

Ein dem Gericht vorgelegter Mietvertrag sah hingegen 400 Euro plus 100 Euro Nebenkosten vor. Als der Angeklagte arbeitslos wurde und der Bruder die Miete von der Arge beziehen sollte, seien plötzlich 635 Euro fällig gewesen, die das Amt nicht vollständig übernommen hätte. „Mir blieben nur noch 100 Euro zum Leben“, schilderte der deutlich angeschlagen wirkende Angeklagte dem Gericht seine Situation.

Schließlich habe er die Mietzahlungen eingestellt, woraufhin  der Bruder und seine Frau einen Anwalt eingeschaltet hätten, um die Wohnung räumen zu lassen. „Sie haben mich in die Enge getrieben“, versuchte der Gieboldehäuser die Brandstiftung als Verzweiflungstat zu rechtfertigen.

160 oder 100 000 Euro für Modelleisenbahn?

Neben dem Mietstreit mit dem Bruder und seiner Frau habe eine Erbschaftsangelegenheit dazu beigetragen, dass sich der Mann von seiner Familie übertölpelt fühlte: Der inzwischen verstorbene Vater der Brüder hatte eine Modelleisenbahnanlage aufgebaut, die der 48-Jährige nach dem Tod zur Hälfte für sich beanspruchte. Er schätzte, sie sei zwischen 100 000 und 120 000 Euro wert.

Das hingegen sah ein Gutachter, der bei der Verteilung des Erbes hinzugezogen wurde, offenbar ganz anders – und legte den Wert bei 160 Euro fest. Das zu klären, überforderte denn allerdings auch den Richter, der den Erbschaftsstreit in seiner Begründung ausklammerte. Auch die Frage nach suizidalen Tendenzen, die den Angeklagten zu seiner Tat getrieben haben könnten, schloss Pietzek aus, auch wenn ein Zeuge ausgesagt hatte, der Mann habe nach der Tat davon gesprochen, sich wegmachen zu wollen.

Weder die psychische Verfassung des Mannes, der inzwischen bei seiner Mutter lebt, noch die halbe Flasche Weinbrand und die zwei Flaschen Bier begründeten eine Unzurechnungsfähigkeit, erläuterte Pietzek und folgte damit dem Gutachten eines Rechtsmediziners. Dennoch legte er dem Mann, der bereits eine Entwöhnung hinter sich hat und nach der Explosion zehn Tage in der Psychiatrie untergebracht war, nahe, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren.

Der geständige Gieboldehäuser hatte am Abend der Explosion zunächst getrunken, um dann aus dem Keller eine halbvolle Propangasflasche zu holen. Er positionierte sie in der Küche, drehte den Gashahn auf und entzündete ein Teelicht im Flur. Dann setzte er sich ins Wohnzimmer – „und wartete“, wie er selbst sagte.

Dass es zu einer solch enormen Explosion kam, dass Türen und Fenster aus den Wänden geschleudert wurden und das Nebengebäude einzustürzen drohte, damit habe er nicht gerechnet. Auch Pietzek sah in der Tat einen einmaligen Ausrutscher, weshalb er das Urteil auf Bewährung aussetzte. Allerdings mahnte er: „Eine neue Straftat können Sie von heute an gebrauchen wie ein Loch im Knie. Ich hoffe, wir sehen uns nie wieder in diesem Saal.“

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