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Gift wird nur auf der Bühne verspritzt

Laientheater-Marathon im Desingeröder Pfarrheim Gift wird nur auf der Bühne verspritzt

Nach vier ausverkauften Vorstellungen im Doppelpack können die Desingeröder Theatergruppen erst einmal durchatmen. Jeweils hinterein-ander hat die Jugendgruppe im Pfarrheim „Mörder mögen‘s messerscharf“, die Erwachsenen die Kriminalkomödie „Ist Amanda noch zu retten?“ aufgeführt.

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Ist auch zu ihrer ehemaligen Lehrerin kaltschnäuzig: Amanda (Franziska Panzer, l.) und Frau Dölln (Elisabeth Wollborn.)

Quelle: Swen Pförtner

Desingerode. Es waren lange Abende für die Laiendarsteller und das Küchenteam, kurzweilige für das Publikum. Erst ein einstündiges Jugendstück, dann ein zweistündiges Haupstück, unterbrochen von Pausen. „Mehr als 60 Leute passen nicht in den Saal“, sagt Frauengemeinschaftsvorsitzende Elisabeth Wollborn. Beim nächsten Theaterstück wird das anders sein: Das Desingeröder Pfarrheim wird erweitert. Wollborn hat wie ihre Stellvertreterin Annegret Kellner selbst auf der Bühne gestanden. Die Frauengemeinschaft hat vor 35 Jahren eine Theatergruppe aus der Taufe gehoben und seitdem viele Mimen als Mitstreiter gewonnen.

In dem Dreiakter „Ist Amanda noch zu retten?“ lädt die Hauptdarstellerin drei ehemalige Schulkameradinnen zum Geburtstag ein, die ihr übel mitgespielt haben. Es folgt ein Hauch von Arsen und Spitzenhäubchen mit einer vergifteten Torte und einem vergifteten Kaffee („Männer greifen zur Axt, Frauen sind viel kreativer“). Viel Gift zwischen den „Schulfeindinnen“ wird auch verbal verspritzt. Und jetzt darf es ja verraten werden: Es stirbt keiner. Zum Einsatz kamen nicht Rattengift und Insektizide, die Chemielaborantin Amanda im Haus hat, sondern nur Entwässerungstabletten und Blutdrucksenker.

Alle Generationen des 550-Seelen-Dorfes waren im Pfarrheim vertreten, die Darsteller ernteten bei der dritten Aufführungsrunde amüsiert-gebannte Blicke, unterbrochen von Lachern und Szenenapplaus. Das Lampenfieber hatte sich nach den ersten Vorstellungen verflüchtigt. Geprobt wurde seit Oktober zwei bis drei Mal pro Woche. Das zehnköpfige Ensemble wurde von ebensovielen ehrenamtlichen Helfern unterstützt. „Allein schon für das Bühnenbild brauchen wir immer kräftige Männer“, sagt Wollborn, die in der Rolle der penionierten und etwas verpeilten Religionslehrerin Frau Dölln überzeugte. Ihr zeigte die kaltschnäuzige Amanda, die von Franziska Panzer herrlich schnippisch gespielt wurde, ebenso die kalte Schulter wie ihrem warmherzigen und raumfüllenden Verehrer Horst (Christoph Klingebiel). Haushaltshilfe Kati (Christin Hübenthal) himmelte Torten-Toni (Andreas Bömeke) an, die Schulfreundinnen wurden von Nicole Otto, Magdalena Bömeke und Franziska Nörthemann gespielt.

In weiteren Rollen zu sehen waren Frank Nolte als gechillter Arzt und Annegret Kellner als Kommissarin. Allen Anfeindungen zum Trotz löste sich auf der Bühne zu guter Letzt alles in Wohlgefallen auf - im Publikum sowieso. Das zeigte sich ebenso textsicher wie die Darsteller, als der Abend mit dem Desingeröder Lied endete: „Wir sind die Ziegenböcke,von allen so benannt. Wir sind zwar eingemeindet, doch bleiben die vom Land. Der Mond hält seine Wacht, und Desingerode sagt nun allen: „Gute Nacht!”.

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