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Göttinger Filmplakate und Duderstädter Kinogeschichte im Heimatmuseum

Leinwand-Träume Göttinger Filmplakate und Duderstädter Kinogeschichte im Heimatmuseum

Mehr als 100 Filme wurden in Göttingen produziert – überwiegend in den 50er-Jahren. Die Zeit, als Göttingen noch Filmstadt war, beschwört eine neue Sonderausstellung im Duderstädter Heimatmuseum herauf.

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Als die Kino-Werbung noch stillstand: In einer beleuchteten Vitrine werden alte Werbe-Dias von Eichsfelder Firmen gezeigt.

Quelle: Pförtner

Duderstadt. Die beschränkt sich aber nicht auf die vom Göttinger Stadtarchiv konzipierte Ausstellung „Traumfabrik an der Leine: Göttinger Filmgeschichte“. Museumspädagogin Sandra Kästner hat die Ausstellung mit Lokalkolorit angereichert und auch die Duderstädter Kinogeschichte einbezogen, die eine lange Tradition hat.

Offensichtlich wenig Interesse am Eichsfeld als Drehort hatte die 1946 entstandene Produktionsfirma Filmaufbau Göttingen. Die Fachwerkstadt Duderstadt blieb als Kulisse außen vor, bei lediglich zwei Filmen wurde der Seeburger See für Außenaufnahmen einbezogen – neben Gartetal, Wolfgangsee, Harz, Schwarzwald und anderen Drehorten.

1958 wurde am Ufer des Seeburger Sees und im Gastraum des Ausflugslokals Graf Isang der Heinz-Erhardt-Film „Vater, Mutter und 9 Kinder“ gedreht. 1972 diente der Seeburger See bei einer der letzten Göttinger Koproduktionen noch einmal als Hintergrund für den Film „Die Witwen“ mit Heinz Bennent.

Sein Sohn David, der später in der Blechtrommel-Verfilmung als Oskar Matzerath weltbekannt wurde, war während der Dreharbeiten im Gasthaus Drei Rosen in Bernshausen untergebracht.

Göttinger Filmgeschichte mit Fehlstart

Plakate dieser beiden Filme gibt es in Duderstadt nicht zu sehen. Dafür – chronologisch geordnet von 1949 bis 1962 – rund 40 andere Filmplakate aus dem Fundus des Göttinger Stadtarchivs, das bis zum Ankauf von privaten Sammlern vor drei Jahren noch kein einziges Exemplar besaß.

Viele der Filme kennt kaum noch jemand, manche sind untergegangen, andere wurden zu Klassikern. Zu letzteren gehören die Erhardt-Streifen „Natürlich die Autofahrer“ und „Der letzte Fußgänger“, „Das Haus in Montevideo“ und „Rosen für den Staatsanwalt“. Hansjörg Felmy drehte ebenso in Göttingen wie Walter Giller, Dieter Borsche, Maria Schell und Inge Meysel.

Begonnen hat die Göttinger Filmgeschichte mit einem Fehlstart. Die erste Produktion nach Wolfgang Borcharts Drama „Draußen vor der Tür“ hieß „Liebe 47“ und floppte. Offenbar wollten die Kinobesucher Krieg und Trümmer lieber hinter sich lassen.

Der Durchbruch gelang dann 1949 mit dem religiösen Spielfilm „Die Nachtwache“, der mit zwei Bambis ausgezeichnet wurde. Der Experimentalfilm „Jonas“ über seelenlose Betonlandschaften eines Landes im Wiederaufbau wurde ebenso in Göttingen produziert wie seichte Komödien oder Dramen.

Alte Filme während der Öffnungszeiten

„So angelt man keinen Mann“ mit Grethe Weiser, Karin Dor und Walter Giller entstand 1959, der Stalingrad-Film „Hunde, wollt ihr ewig leben“ auch. Die Kampfszenen am Elliehäuser Weg versetzten viele Göttinger in Angst und Schrecken, für die Nachbildung der Ruinenstadt erhielt Filmarchitekt Walter Haag den Bundesfilmpreis.

Eventuell will Kästner im Zuge der noch bis zum 27. Oktober zu sehenden Ausstellung in Duderstadt während der Öffnungszeiten auch alte Filme laufen lassen. Ob daraus etwas wird, ist derzeit noch offen. Den alten Projektor aus der Schauburg zu integrieren, scheiterte am Transport.

Dafür gibt es mehrere Leihgaben von Wilco Kempinga zur Duderstädter Kinogeschichte. Landesbühnen-Plakate und das Kassenbuch der Kronprinzen-LIchtspiele, der späteren Schauburg, leisten alten Filmrollen und großformatigen Fotos von Schauspielern Gesellschaft.

Bereits 1906 gab es im Duderstädter Schützenhaus und der Gaststätte Zum Kronprinzen kinematographische Vorstellungen. Ein Stereoskop des städtischen Museums Göttingen und ein sogenannten Anschütz-Schnellseher, quasi ein kreisförmiges Daumenkino zum Drehen, erinnern an die Zeit, als die Bilder laufen lernten. Tonfilme mit Schallplatten wurden im Kronprinzen ab 1925 gezeigt, der erste Lichttonfilm 1929.

Viele Firmen existieren noch heute

Nicht nur am Steintor, auch in der Marktstraße gab es ein Kino: 1951 wurde dort das Central-Kino eröffnet, wo bis Ende der 70er-Jahre Filme liefen.

„Richtig toll, spannend und nostalgisch“ findet Kästner Werbedias Duderstädter Firmen, die in einer beleuchteten Vitrine ausgestellt sind und in den 50er- bis 70er-Jahren vor Filmvorführungen gezeigt wurden.

Viele der Firmen existieren noch heute, andere nicht mehr – zum  Beispiel die Kaffeerösterei Kullmann oder die Sämerei Gratze. Und manches lässt einen schmunzeln wie die belehrend reimende Verkehrswacht: „Zuhause ist es nicht verkehrt, wenn Vati noch ein Gläschen leert. Denn der Wagen steht ja dann in der Garage.“

Geöffnet ist die Ausstellung im Heimatmuseum, Bei der Oberkirche 3, bis 27. Oktober jeweils freitags, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr.
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