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Grabowski wird Pfarrer in Rhumspringe

Nachbarn bringen schon Stracke vorbei Grabowski wird Pfarrer in Rhumspringe

„Ich fühle mich, als ob ich nach Hause gekommen bin“, meint Markus Grabowski (34), der neue Pfarrer von Rhumspringe, Rüdershausen und Hilkerode.

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Will Brücken zwischen den Menschen bauen: Pfarrer Markus Grabowski auf der Rhumebrücke neben dem Pfarrheim.

Quelle: Pförtner

Die Kreuze am Wegesrand erinnern ihn an seine alte Heimat Schlesien, wo er seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Mit elf Jahren ist er als Spätaussiedler aus Polen nach Deutschland gekommen. Seine Eltern ließen sich in Garbsen bei Hannover nieder – in der katholischen Diaspora.

„Ich habe drei, vier Jahre für die Umstellung gebraucht“, sagt Grabowski. Dann beherrschte er die deutsche Sprache und war vertraut mit der Mentalität der Menschen. In der Kirche fand er Rückhalt. Bereits seit seiner Erstkommunion 1985 dient er als Ministrant am Altar. Seine Eltern erzogen ihn katholisch. Eine Romreise kurz vor dem Abitur und der anschließende Zivildienst in seiner Pfarrgemeinde bestärkten ihn in dem Bewusstsein, zum Priester berufen zu sein.

„Im Herbst 1997 zog ich im Priesterseminar in St. Georgen bei Frankfurt ein, um Philosophie und Theologie zu studieren“, erzählt er. 1999/2000 verbrachte er zwei Auslandssemester in Rom. Dort lernte er die Weltkirche und den italienischen Lebensstil kennen. Während eines Ausflugs nach Sizilien lud ihn eine Familie mittags zum Essen ein. Abends saßen sie immer noch am Tisch und tafelten.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begann die intensive Vorbereitung auf die Priesterweihe. Zum Weihejahrgang gehörten noch drei andere Kandidaten. Einer davon war Martin Marahrens, der mittlerweile Jugenddekanatsseelsorger in Duderstadt ist. Bischof Josef Homeyer weihte die jungen Männer am 29. Mai 2004, dem Sonnabend vor Pfingsten. Am Tag darauf feierte Grabowski seine erste eigene Messe, die Primiz, in der Corpus-Christi-Gemeinde in Garbsen-Havelse.

Der Bischof schickte ihn als Kaplan nach Salzgitter-Bad, wo er Pfarrer Wolfgang Voges (heute Dechant in Hildesheim) zur Hand ging. „Nach den Jahren im Priesterseminar war die Gemeindearbeit eine Umstellung“, räumt der Geistliche ein. Er habe lernen müssen, die hehren christlichen Vorstellungen ins Alltagsleben zu übersetzen.

Nach zwei Jahren wechselte Grabowski als Kaplan zur Seelsorgeeinheit Stade, Bremervörde, Hemmoor. Der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung liegt dort bei sechs Prozent. Er wurde Dekanatsjugendseelsorger. Der Geistliche spielte mit den jungen Menschen Fußball. Er ist ein guter Mittelfeldspieler, an dem kaum einer vorbei kommt. Zu seinen Angeboten gehörte unter anderem das von ihm erfundene „geistliche Abhängen“. Sonntagsabends konnten ihn Jugendliche in seiner Kaplanswohnung besuchen.

„Es ergaben sich viele persönliche Gespräche über Beziehungsprobleme in der Familie oder mit Freunden. Jugendarbeit soll auch in Rhumspringe ein Schwerpunkt meiner Arbeit werden“, erzählt der Priester. Auch in Hilkerode und Rüdershausen will er hier verstärkt tätig werden. Er weiß, dass er Vertrauen zurückgewinnen muss. Sein Amtsvorgänger war im vergangenen November nach einer rechtskräftigen Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes vom Bistum in den Ruhestand versetzt worden.

Bei einem ersten Besuch im Eichsfeld im Juli begegneten die Menschen ihrem neuen Pfarrer offen. Eine Frau sagte zu Grabowski, dass er sich jederzeit in ihrem Gemüsegarten bedienen dürfte. Andere klingelten an der Haustür und drückten ihm eine Mettwurst in der Hand. Auch deswegen hat der Geistliche das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein.
Pfarrer Markus Grabowski wird am Sonntag, 22. August, um 13 Uhr mit einem Gottesdienst in sein neues Amt eingeführt. Es schließt sich ein Pfarrfest an.

Von Michael Caspar

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