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Gruppen und Initiativen unter dem Dach der Duderstädter Lebenshilfe

Das Team im Haus Gruppen und Initiativen unter dem Dach der Duderstädter Lebenshilfe

Mit dem Ziel, das Leben von geistig behinderten Kindern und deren Eltern zu erleichtern, wurde 1968 die Lebenshilfe in Duderstadt gegründet. Mit dem Bau der Begegnungsstätte Kutschenberg kamen Sport- und Freizeitangebote zur Integration von Menschen mit Handicap sowie ehrenamtliche Helferteams dazu. In einer Serie stellt das Tageblatt diese vor. Heute: das Team im Lebenshilfe-Haus.

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Seit 28 Jahren im Dienst der Lebenshilfe: Geschäftsführer Rudi Nowald.

Quelle: OT

Duderstadt. Flink und routiniert packt Maria Glazer die benutzten Kaffeetassen ins Spülwasser und stellt das saubere Geschirr zum Abtropfen auf die Spüle. Gleichzeitig hat sie die Kaffeemaschine im Auge und bespricht mit einer ehrenamtlichen Helferin den Einsatz bei der nächsten Lebenshilfe-Veranstaltung. „Sie ist der 'Gute Geist’ im Lebenshilfe-Haus.

Sie ist Hausdame mit einem Einsatzgebiet von Reinigung bis Service. Ohne sie läuft nichts“: Wenn Lebenshilfe-Vorsitzender Manfred Thiele das sagt, dann schwingt viel Dankbarkeit und Anerkennung und vor allem Ehrlichkeit in seiner Stimme mit. Maria ist überall, packt überall mit an und hat für jedes Anliegen ein offenes Ohr.

Ihre Bekanntschaft mit dem ehemaligen Lebenshilfe-Vorsitzenden Edwin Unzeitig hat Maria Glazer in die Reihe der Lebenshilfe-Mitarbeiter gebracht – als 400-Euro-Kraft. „Den ganzen großen Rest macht sie für uns ehrenamtlich. Wir sind so froh, dass wir Maria haben“, sagt Thiele.

„Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt Glazer bescheiden. Ihre Arbeit im Haus am Kutschenberg sei viel mehr für sie als nur ein Job. „Hier kann ich auch über private Sorgen sprechen, bin quasi familiär mit eingebunden. Es macht  mir eben einfach Spaß“. Mindest dreimal pro Woche ist sie im Einsatz im Dienst der Behindertenvereinigung – bei Bedarf auch deutlich mehr.

Aktivitäten und Veranstaltungen

Sie bereitet die Aktivitäten des Freizeitclubs mit vor oder Stammtisch-Veranstaltungen, packt beim Weihnachtsmarkt mit an und steht beim Bürgerfest seit Jahren mit im Café. „Dafür werde ich dann häufig zu Veranstaltungen mitgenommen, wie beispielsweise zur Musical-Fahrt oder zu Geburtstagsfeiern“, beschreibt Glazer, glücklich über den guten Zusammenhalt.

Während Glazer im Lebenshilfe-Haus ihren Einsatzbereich hat, sorgen weitere fleißige Hände auch für ein gepflegtes Umfeld.

„Unser Helmar Germerott repariert kleinere Schäden auch in den Behinderten-Wohnungen, hält den Außenbereich instand und schneidet regelmäßig die Hecke. Sieglinde und Klaus Bernstein sorgen dafür, dass der Garten mit den Beeten gepflegt aussieht“, nennt Thiele nur einige Namen, die beispielhaft für die große Gruppe der ehrenamtlichen Helfer stehen, die nicht nur bei Festen schleppen, vorbereiten, bedienen, spülen oder abbauen.

„Wir machen das Organisatorische, sie setzen es um“, sagt der Lebenshilfe-Vorsitzende, „das ist unser Stolz – eine große Helfermannschaft“.

Ehrenamtlicher Vorstand

Komplett ehrenamtlich, ohne Aufwandsentschädigung und Stundenlimit, arbeitet auch der Vorstand der Lebenshilfe. „Wir haben mit 13 Mitgliedern ein relativ großes Vorstandsteam. Das ist auch gewollt, denn so ist die Arbeit auf viele Schultern verteilt“, erklärt Thiele, der die Lebenshilfe seit Mai 2013 offiziell als Vorsitzender führt. Bereits ein Jahr vorher hatte er die Aufgabe kommissarisch übernommen.

Auf die Frage, wie viele Stunden pro Woche er für die Behindertenvereinigung investiert, weiß der 65-Jährige eigentlich keine Antwort: „Gedanklich eigentlich jede Minute des Tages“. Für ihn bedeute der Vorsitz nicht nur Arbeit, die ihm Spaß mache, sondern sei auch eine besondere Verpflichtung. „Das, was Edwin Unzeitig in seiner Zeit als Vorsitzender aufgebaut hat, ist eine gute Basis, die wir unbedingt fortführen wollen.“

Darüber hinaus würden die Mitglieder durch die Zahlung ihrer Beiträge auch gute und effektive Arbeit erwarten: „Bei uns fließen Beiträge  und Spenden komplett in unsere Arbeit. Deshalb brauchen wir viele Unterstützer, die sich ehrenamtlich engagieren, und natürlich immer wieder neue Mitglieder besonders aus der jüngeren Generation“.

Das monatliche Vorstands-Treffen ist für Thiele nur einer der zahlreichen Termine. Dazu kommen auch etliche gesellschaftliche und öffentliche Verpflichtungen. „Wir haben hier in Duderstadt einen recht guten Stellenwert, arbeiten eng und gut mit etlichen Institutionen, Geldinstituten und Betrieben zusammen, das muss man pflegen und erhalten“.

Gleichberechtigt einbeziehen

Thiele hat das Ziel der Lebenshilfe-Arbeit stets vor Augen: Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt in die Gesellschaft und alle Aktivitäten einzubeziehen. Das bedeute auch, weitere Familien mit behinderten Angehörigen mit ins Lebenshilfe-Boot zu holen.
Der zweite Mann neben Thiele und seit Jahrzehnten quasi das Gesicht der Lebenshilfe ist Geschäftsführer Rudi Nowald.  Ihm begegnen Besucher des Hauses zuerst. Neben Gudrun Kunze für das Ambulant Betreute Wohnen ist Nowald der einzige festangestellte Vollzeit-Mitarbeiter der Lebenshilfe. Und das seit 28 Jahren.

Kernarbeitszeit von 8.30 bis 16 Uhr, jeden Tag Büro- und Verwaltungsarbeit, Beratung, Betreuung von Bauprojekten und Mietern, Haushaltsführung, Vermittlung von Ansprechpartnern für Behinderte und ihre Angehörigen: Nowalds Arbeitstag ist vollgepackt. Und nach acht Stunden?

„Freiraum muss ebenfalls sein“

„Dann beginnt auch für mich das Ehrenamt“, sagt Nowald mit Blick auf unzählige Abende, Nächte und Wochenenden, die er nicht seinem Arbeitgeber, sondern seiner Leidenschaft opfert.

Was reizt ihn auch nach fast drei Jahrzehnten noch an seiner Arbeit? „Die Vielfältigkeit bietet kein anderer Job. Organisation, Planung, Umsetzung, Beratung und Hilfe, Anträge stellen oder Mieteingänge überprüfen – aber eben auch mal eine Glühbirne auswechseln.“ Die Einsatzbereitschaft innerhalb der Lebenshilfe-Familie ist ungewöhnlich groß.

„Trotzdem muss auch ein ausreichender Zeitraum fürs private bleiben, sonst bleibt die Freude an der Arbeit auf der Strecke“, sagt nicht nur Nowald aus Erfahrung. Der Partner müsse natürlich mitziehen, aber „Freiraum muss ebenfalls sein“.

Informationen über die Arbeit der Lebenshilfe Eichsfeld, Kutschenberg 4: Telefon 0 55 27/98 810
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860 000 Euro werden investiert
Foto: Das Lebenshilfe-Haus wird umgebaut und erweitert, die roten Flächen zeigen  die geplanten Anbauten.

Die Lebenshilfe Eichsfeld will für die weitreichende Umgestaltung ihrer Begegnungsstätte rund 860 000 Euro investieren. Die umfangreichen Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen.

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©Richter