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Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Heiligenstadt

Neun neue kleine Mahnmale Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Heiligenstadt

Der Frechener Künstler Gunter Demnig hat am Montag in Heiligenstadt zum zweiten Mal in diesem Jahr Stolpersteine verlegt. Mit den neun neuen Steinen erinnern bereits 46 der kleinen Mahnmale an ehemalige Mitbürger, die von den Nationalsozialisten verfolgt, entrechtet oder ermordet wurden.

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Gunter Demnig verlegt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in Heiligenstadt Stolpersteine.

Quelle: Franke

Heiligenstadt. „Der zweite Einsatz in diesem Jahr ist der Spendenbereitschaft und dem Interesse an der Aktion ‚Stolpersteine für Heilbad Heiligenstadt‘ zu verdanken“, erzählt Christian Stützer, Sprecher des Initiativkreises Jüdisches Erbe in Heiligenstadt. „Wir können aber in der Zukunft noch mehr als 20 weitere Steine verlegen.“ Die noch ausstehenden würden an zehn jüdische Mitbürger, drei Redemptoristenpater, die Familie Unger sowie zehn bis zwölf Sozialdemokraten und KPD-Mitglieder erinnern. „Doch noch haben wir nicht zu allen ausreichend Informationen sammeln können.“

 

 
Die aktuellen neun Stolpersteine erinnern an weitere Schicksale von ehemaligen Heiligenstädtern. Den ersten verlegte der Künstler vor der Wilhelmstraße 23, wo Walter Stern ab 1923 gewohnt hatte, bevor der kaufmännische Angestellte 1937 nach Palästina floh. In der Petristraße 6, dem heutigen Haus des Deutschen Roten Kreuzes, lebte bis zu ihrer Abschiebung die polnisch-jüdische Familie Neuwirth. Ladenbesitzer Sally Neuwirth war mit seiner Frau Zilly, den beiden Töchtern Adele und Lotte sowie der Nichte Cilly in den 1920er-Jahren nach Heiligenstadt gekommen. Am 28. Oktober 1938 um 2 Uhr holte die Polizei die Familie ab, die wahrscheinlich nach ihrem Aufenthalt im Warschauer Ghetto ermordet wurde. Gleich in der Nachbarschaft wird in der Schillerstraße 14 an Sophie Schweitzer erinnert, die verhaftet wurde und kurz vor Kriegsende erschossen werden sollte, was die örtliche Polizei aber nicht tat. Im Haus an der vierten Verlegestelle in der Bonifatiusstraße 7 hat der Vertreter und Handelsreisende Moritz Meyers ab Anfang der 1930er-Jahre gewohnt. Er ging Ende 1936 nach Leipzig und später nach Hamburg, wo er im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert und 1942 nach Auschwitz deportiert wurde.

 
Der letzte neue Gedenkort ist das Raphaelsheim, in das der zwölfjährige Rudolf Böhmer 1940 aufgenommen wurde. Nach seiner Schulentlassung arbeitete er ab 1943 als Landarbeiter in Wingerode und Flinsberg. Seine Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Sinti und Roma führte Ende Mai 1944 zur Verhaftung und Deportation in das KZ Auschwitz-Birkenau, aus dem er zunächst in das KZ Buchenwald und dann zurück nach Auschwitz deportiert wurde und nach der Befreiung zurück nach Heiligenstadt kehrte. Nach der Verlegung referierte  Gunter Demnig am Abend im Heiligenstädter Jugend- und Erwachsenenbildungshaus „Marcel Callo“ über das Projekt „Stolpersteine - Spuren und Wege“.

von Rüdiger Franke

 

450 Platten im Monat
Bis Gunter Demnig ein weiteres Mal nach Heiligenstadt kommen kann, wird noch etwas Zeit vergehen. „Meine Mitarbeiterin Anne Warda hat mir untersagt, bis August nächsten Jahres Termine anzunehmen, da wir bis dahin komplett ausgebucht sind“, sagt der Künstler, der mittlerweile in einem Team von neun Personen arbeitet. Einer von ihnen, der Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer schlage jeden Buchstaben mit der Hand in das Messing ein. „Er schafft normalerweise etwa 450 Platten im Monat“, rechnet Demnig vor und verrät, dass es im vergangenen Monat sogar fast 650 Messingplatten gewesen seien. In den vergangenen 15 Jahren habe Demnig  selbst in mehr als 500 Orten in Deutschland sowie in mehreren europäischen Ländern seine Steine verlegt. RF
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