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Niedrige Zinsen sorgen für Gesprächsstoff

Handwerkeressen in Duderstadt Niedrige Zinsen sorgen für Gesprächsstoff

Die niedrigen Zinsen können sowohl Fluch als auch Segen sein. Die Folgen der aktuellen Geldpolitik und Entwicklungen an den Kapitalmärkten thematisierte der Vorstandssprecher der Volksbank Mitte, Holger Willuhn, während des Handwerkeressens im Festzelt auf dem Duderstädter Schützenplatz.

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Quelle: Hinzmann

Die Zinsen seien "so niedrig wie noch nie seit Menschengedenken", sagte Willuhn. Wenn sich der deutsche Staat durch die Herausgabe einer Bundesanleihe Geld beschaffe, zahle er für einen Zehn-Jahres-Kredit einen Zinssatz von 0,5 Prozent jährlich, bei einer fünfjährigen Anleihe liege der Zinssatz bei rund minus 0,25 Prozent jährlich, in beiden Fällen vor Kosten. "Es gab Zeiten, da waren Zinssätze zwischen drei und sechs Prozent für Bundesanleihen normal und die Regel", rief der Vorstandssprecher den Zuhörern in Erinnerung.

Kreditnehmer sind die Gewinner der Situation
Klassische Sparer und Anleger seien die Verlierer der jetzigen Situation, Kreditnehmer die Gewinner. Durch die niedrigen Zinssätze würden aktuell gewerblich wie privat so viele Häuser und Gebäude wie lange nicht mehr gebaut. Dies führe zu einem Boom an Aufträgen bei Handwerksbetrieben im Bauhaupt- und Baunebengewerbe. Daraus ergäben sich sichere Arbeitsplätze und es entstünden neue. "Wenn die Beschäftigten sich keine Angst um ihren Arbeitsplatz machen müssen wie heute, sind sie konsumfreudiger und geben mehr Geld aus." Das wiederum führe zu größeren Umsätzen in verschiedenen Branchen.

Willuhn erinnerte daran, das im Arbeitsamtsbezirk Duderstadt die Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent und im thüringischen Teil des Eichsfeldes bei vier Prozent liege - so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das viele Geld, das die Europäische Zentralbank durch ihre Ankaufprogramme drucke und unter die Leute bringe, um die Inflation anzuheizen, führe in Verbindung mit den niedrigen Zinssätzen dazu, das andere Anlageformen gesucht würden und damit im Preis steigen. Willuhn nannte Immobilien, Aktien und Oldtimer als Beispiele.

Größere Arbeitsplatzsicherheit und Lohnzuwächse         

Große Teile der Volkswirtschaft profitierten von den niedrigen Zinsen und beförderten die konjunkturelle Entwicklung. Für Arbeitnehmer gebe es eine größere Arbeitsplatzsicherheit und Lohnzuwächse. Gesellschaftspolitisch seien die niedrigen Zinsen "mehr Fluch als Segen", weil sie aus seiner Sicht zu "fehlerhaftem Verhalten" führten. So sei Sparen in vielen Bevölkerungsgruppen nicht mehr so angesagt wie früher. Dies gelte insbesondere bei der Altersvorsorge, nannte er ein Beispiel. 

Politiker würden sich freuen, weil die Zinszahlungen für aufgenommene Schulden "fallen und fallen". Die Regierung könne nur wegen des Zinseffektes 20 Milliarden mehr ausgeben, ohne einen Euro mehr Steuern einnehmen zu müssen. "Umverteilungseffekte" in der Gesellschaft würden durch die niedrigen Zinsen gefördert.

Profitieren würden von Aktienkursgewinnen und Immobilienpreiserhöhungen nur diejenigen, die es sich vorher leisten konnten, in Aktien oder Immobilien zu investieren, gab Willuhn zu  bedenken. Der wohlhabende Teil der Gesellschaft sei durch den Boom vermögender geworden als andere. Wer in den Ballungsgebieten wohne und arbeite, müsse die Mietpreisanstiege der vergangenen Jahre verkraften.

Willuhn benannte auch die beste und schlechteste Anlage im ersten Halbjahr 2017. So hätten Investoren aus 100000 Euro "satte" 389000 Euro machen können, wenn sie in venezolanische Aktien angelegt hätten. Die schlechteste Anlage wäre die Spekulation in Rohöl gewesen: Aus 100000 Euro wären von Anfang Januar bis Ende Juni 71400 Euro geworden.

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©Richter