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Bewährungstrafe für Hanfanbau

Amtsgericht Duderstadt Bewährungstrafe für Hanfanbau

Zu einer Bewährungsstrafe wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ist am Donnerstag ein 43-jähriger Duderstädter verurteilt worden. Er musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er im Garten seines Elternhauses in Nesselröden Hanfpflanzen angebaut hat.

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Hanfpflanzen im Garten der Eltern angebaut: 43-Jähriger wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu Bewährungsstrafe veurteilt.

Quelle: DPA

Duderstadt. Mit dem Urteil von neun Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt sind, blieb das Schöffengericht unter den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die 18 Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien, die nach einem Hinweis aus der Bevölkerung 2015 sichergestellt wurden, seien nicht mit professionellen Plantagen zu vergleichen, die mit erheblicher krimineller Energie angelegt würden, meinte Richter Michael Pietzek.

Der bei seinen Eltern lebende Angeklagte habe keine Geheimniskrämerei daraus gemacht, eine Pflanze direkt vor dem Haus gestanden. Auch auf Weitergabe oder Handel gab es keinerlei Hinweise. Stafmildernd wirkte sich zudem aus, dass der Fall schon zwei Jahre zurückliegt, wegen Überlastung des Landeskriminalamtes mit Laboruntersuchungen aber erst jetzt verhandelt wurde. Die 620 Gramm Trockengewicht an Blättern und Blüten ergaben in diesem Fall 19,24 Gramm Wirkstoffmenge und 3,1 Prozent Wirkstoffgehalt an Tetrahydrocannabinol (THC). Nach dem Betäubungsmittelgesetz gelten mehr als 7,5 Gramm als nicht geringe Menge.

Der geständige Angeklagte räumte ein, dass die Pflanzen zum Eigenverbrauch bestimmt gewesen seien. Er habe beim Konsum von Marihuana Samen gesammelt, im Garten verteilt, mit dem Fuß festgetreten und gar nicht damit gerechnet, dass "überhaupt etwas kommt". Als daraus dann Pflanzen sprießen, habe er sie einfach gedeihen lassen. "Die Tomaten sahen Scheiße aus, die Hanfpflanzen prachtvoll", merkte Pietzek süffisant an: "Dafür bekommen sie von jedem Drogenkartell ein Sternchen als Anbauer des Monats."

Harte Lebensgeschichte

Bände spricht die Vor- und Lebensgeschichte des 43-Jährigen mit Drogenabusus seit seiner Jugend, gesundheitlichen und psychischen Problemen. Der Duderstädter lebt von einer kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente mit Hartz-IV-Ergänzung, hat stationären Entzug und Inhaftierung - darunter fünf Monate in der Forensik in Moringen - hinter sich. Nach dem Hauptschulabschluss hat der ledige Vater von zwei Kindern eine Maurerlehre abgebrochen, seit fünf Jahren ist er trockener Alkoholiker, im Strafregister wegen Sachbeschädigung, Diebstahls, Körperverletzung und Betrugs vorbelastet.

In den vergangenen Jahren hat er sich allerdings nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Da er in der Vergangenheit auch Heroin konsumiert hat, wird er medikamentös behandelt - mit Opioiden wie Polamidon. Um sich entgiften zu lassen und das Polamidon zu substituieren, war er zuletzt im April in stationärer Behandlung in einer Asklepios-Klinik. Zuvor hatte sein Bruder Suizid begangen.

Neue Straftaten in den drei Jahren Bewährungszeit würden ins Gefängnis führen, verdeutlichte Pietzek. Als Bewährungsrichter werde er ein besonderes Auge auf den Verurteilten werfen. An die Caritas-Suchtberatung, bei der er Klient ist, muss der 43-Jährige 400 Euro zahlen.  

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©Richter